Tobias Goldschmidt: Gibt kein unbedenkliches Erdgas

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt zeigt die geplante Flüssigerdgaslieferung aus Katar «das ganze Dilemma» der deutschen Energieversorgung auf. «Viele Menschen schauen in diesen Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft zu recht kritisch nach Katar, und gleichzeitig werden uns die Lieferungen dabei helfen, die galoppierenden Gaspreise in den Griff zu bekommen und die Energieversorgung in Deutschland sicherzustellen», sagte der Grünen-Politiker am Dienstag in Kiel.
Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Die Grünen), Minister für Energiewende in Schleswig-Holstein, spricht. © Marcus Brandt/dpa/Archivbild

Katar will von 2026 an in größerem Umfang Flüssigerdgas (LNG) nach Deutschland liefern. Die geplante Menge könnte etwa drei Prozent des deutschen Jahresbedarfs decken. Der Energieriese Qatar Energy unterzeichnete dazu am Dienstag Abkommen mit dem US-Unternehmen Conoco Phillips, das das Gas nach Brunsbüttel liefern soll, wo derzeit ein Flüssiggasterminal gebaut wird. Damit kommt Deutschland einen weiteren Schritt voran, weggefallene Gaslieferungen aus Russland zu ersetzen.

Vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine habe Deutschland 55 Prozent seines Erdgases aus Russland bezogen, sagte Goldschmidt. «Diese Gasmengen müssen seitdem durch Einsparungen, andere Energieträger und Importe aus anderen Staaten ersetzt werden. Es ist richtig, dass die Bezugsquellen diversifiziert werden.»

Fakt sei aber: «Es gibt kein unbedenkliches Erdgas und deshalb müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu vermeiden», sagte Goldschmidt weiter. Der einzige Weg aus dem aktuellen Dilemma seien der konsequente Ausbau Erneuerbarer Energien und Energieeinsparungen. Fossiles LNG könne auch deshalb nur eine Brückentechnologie sein. «Deshalb ist es gut, dass der Liefervertrag auf 15 Jahre begrenzt ist.» Schleswig-Holstein will 2040 klimaneutral sein, Deutschland 2045. Ziel muss es daher nach Ansicht Goldschmidts sein, das feste LNG-Terminal in Brunsbüttel bis 2040 auf den Import grüner Energieträger umgerüstet zu haben.

© dpa
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