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Schuhe, Kaffee und Schreckmoment beim Bayerischen Filmpreis

Die Dankesreden bei Preisverleihungen sind sich oft sehr ähnlich. Beim Bayerischen Filmpreis gab es dieses Jahr dennoch einige amüsante Überraschungen - aber auch ernste Momente, die nachdenklich stimmen.
Verleihung Bayerischer Filmpreis
Der Musiker Fab Morvan, der Teil des Pop-Duo Milli Vanilli war, kommt mit Tessa über den Roten Teppich zur Verleihung. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Veronica Ferres zieht sich die Schuhe aus, Fabrice Morvan von Milli Vanilli singt und Hannah Herzsprung sorgt für einen Schreckmoment - der Bayerische Filmpreis macht es möglich. Am Freitagabend wurde die Auszeichnung in München in elf Kategorien vergeben. Der Hauptpreis als bester Film ging an den Film «Girl You Know It's True» über den Skandal um Milli Vanilli, als Anfang der 1990er Jahre herauskam, dass Robert «Rob» Pilatus und Fabrice «Fab» Morvan ihre Hits nicht selbst gesungen, sondern nur die Lippen bewegt hatten.

«Milli Vanilli darf noch einmal auferstehen und die Disco-Pop-Bühne der späten achtziger Jahre betreten», lobte die Jury das Werk von Simon Verhoeven. «Schauspiel und Choreografie, Sound, Rhythmus, Szenenbild, Kamera und vieles mehr sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass wir Zuschauer in einen Sog voller Leidenschaft geraten.» Die Hauptdarsteller Tijan Njie und Elan Ben Ali bekamen zudem den Nachwuchspreis. Zum Dank sang der reale Morvan im Anschluss mit dem begeisterten Publikum «Girl You Know It's True» - in echt.

Veronica Ferres zog es bei der Verleihung des Ehrenpreises förmlich die Schuhe aus. Weil das Mikrofon auf dem Ständer zu niedrig war, schlüpfte sie für die Dankesrede kurzerhand aus ihren hochhackigen Pumps. Söder hatte sich die 58-Jährige als Empfängerin der Ehrung ausgesucht und lobte: trotz ihrer Erfolge als Schauspielerin und Produzentin, auch international, sei sie bodenständig geblieben und engagiere sich auch sozial für Menschen, denen es nicht so gut gehe.

«Sie haben eine gute Wahl getroffen, ich mach was draus», versprach Ferres. Früher habe es immer geheißen, sie sei zu groß, zu dick, zu emotional. Doch sie habe sich ihre Träume nicht nehmen lassen. «Ich habe hart an mir gearbeitet, das tue ich auch heute noch.» Der Lohn: Ein Ministerpräsident, der ihr bei der Rückkehr auf den Platz die Schuhe hinterher trägt.

Für einen Schreck sorgte Hannah Herzsprung, als sie für die Rolle in «15 Jahre» als beste Darstellerin geehrt wurde. Vor ihrer Dankesrede fiel ihr etwas kleines, weißes aus dem Mund. Verlegen gab sie aber rasch Entwarnung: «Das war kein Zahn» - nur ein Minz-Bonbon. Schadenfreude bei Michael Bully Herbig, der ihr die Trophäe überreicht hatte und nun feixte: «Das ist Comedy-Gold».

Bewegend wurde es beim Dokumentarfilmpreis an Steffi Niederzoll. In «Sieben Winter in Teheran» erzählt sie von der Iranerin Reyhaneh Jabbari, die in Notwehr einen Mann tötete und hingerichtet wurde. Jabbaris Mutter Shole Pakravan fand eindringliche Worte. «Mein Herz blutet jeden einzelnen Tag», bekannte sie. «Dieser Schmerz ist so groß, das ich nicht möchte, dass eine andere Mutter diesen Schmerz erfahren muss.» Deshalb kämpfe sie für ein Ende der Hinrichtungen im Iran. «Ich darf sie alle einladen, uns zu helfen.»

Aylin Tezel nutzte den Newcomer-Regiepreis für ihr Regiedebüt «Falling into Place» für einen Appell: Die Demonstrationen gegen Rechtsradikalismus zeigten, dass die Mehrheit der Menschen für Demokratie stehe, für Diversität und Menschlichkeit. «Lasst uns diese Mehrheit bleiben», forderte die ehemalige «Tatort»-Schauspielerin.

Ernst zeigte sich auch das Team des Kinofilms «Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen». Den Preis im Family Entertainment widmeten sie Regisseur Johannes Honsell. Er war kurz nach Weihnachten überraschend gestorben, mit 45 Jahren. Insgesamt wurden Preise in elf Kategorien vergeben, dotiert mit zusammen 300 000 Euro.

© dpa
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