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«Jeder Stein umgedreht»: Prozess um verschwundene Schwangere

Es sollte aussehen, als wäre die Schwangere untergetaucht. Doch die Ermittler sind sicher: Zwei Männer haben die Frau ermordet. Sie hatten einen ausgeklügelten Plan, hinterließen laut Anklage aber Spuren.
Suche nach vermisster Schwangerer
Leichenspürhunde suchen nach einer vermissten Schwangeren im Main-Donau-Kanal bei Nürnberg. © Heiko Becker/dpa/Archivbild

Die Mordanklage in dem Prozess um das Verschwinden einer Schwangeren aus Nürnberg liest sich wie aus einem Krimi: Die beiden Männer sollen sich für die Tat Prepaid-Handys und Autos ohne Navigationsgeräte besorgt haben, um keine digitalen Spuren zu hinterlassen. Nach dem Mord sollen sie die Leiche verschwinden lassen und eine falsche Spur gelegt haben. Es sollte der Eindruck entstehen, die 39-Jährige habe sich ins Ausland abgesetzt.

Doch die Ermittler sind sich sicher, dem ehemaligen Lebensgefährten der Frau und seinem Komplizen auf die Schliche gekommen zu sein. Die Beweise sprechen aus ihrer Sicht für Mord - auch wenn bisher keine Leiche gefunden werden konnte. Seit Dienstag müssen sich der 50-Jährige aus Bosnien-Herzegowina und der 48-jährige Deutsche wegen Mordes, Geiselnahme, Betrugs und anderer Straftaten vor dem Landgericht in Nürnberg verantworten.

Die Angeklagten schweigen

Im dunklen Anzug mit hellblauer Krawatte kommt der 50-Jährige in den Prozesssaal. Sein Gesicht verbirgt der ehemalige Lebensgefährte des Opfers hinter Sonnenbrille, Maske und einem Aktenordner. Der Mitangeklagte trägt ein weißes Hemd und Brille, sein Gesicht versteckt er nicht vor den vielen Kameras der Journalistinnen und Journalisten.

Scheinbar gelassen lauschen die Männer der Anklageschrift, die den ausgeklügelten Plan der beiden und den Ablauf der Tat schildert. Immer wieder runzelt der 50-Jährige die Stirn. Als Oberstaatsanwältin Alexandra Hussennether auf die Vermögensverhältnisse des Opfers zu sprechen kommt, lacht er kurz auf. Doch zu den Vorwürfen schweigen die beiden Angeklagten an dem Tag vor Gericht.

Ein Luxus-Leben und teure Autos

Das Vermögen der Bank-Filialleiterin war aus Sicht der Staatsanwaltschaft das treibende Motiv für den Mord. Ihr damaliger Lebensgefährte - zu dem Zeitpunkt schon wegen Wirtschaftsdelikten vorbestraft und arbeitslos - soll ihr Geld für Immobiliengeschäfte verwendet haben, die über den zweiten Angeklagten liefen. Dadurch konnten sich die beiden der Anklage zufolge ein luxuriöses Leben mit teuren Autos leisten.

Mit der Zeit habe es aber zunehmend Streit um die Finanzgeschäfte gegeben und die Frau habe sich ausgenutzt gefühlt, sagt Hussennether. 15 Jahren waren die beiden ihr zufolge ein Paar, kümmerten sich gemeinsam um eine Pflegetochter und trotzdem war er die ganze Zeit mit einer anderen Frau verlobt, was das spätere Opfer vermutlich nicht wusste.

Kurz vor dem Prozess verschwindet die Frau

Im März 2022 trennte sich die leitende Bankangestellte von ihrem Lebensgefährten und sperrte seinen Zugriff auf ihre Konten. Dadurch sei die Geschäftsgrundlage der beiden Angeklagten weggebrochen, sagt Hussennether. Gemeinsam sollen sie deshalb versucht haben, mit einer Betrugsmasche an das Vermögen der Frau zu kommen. Diese zeigte die Männer an.

Im Dezember sollte es zum Prozess wegen des Betrugs kommen. Doch wenige Tage vorher verschwand die Frau, nachdem sie ihre Pflegetochter zur Kita gebracht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war die 39-Jährige von ihrem neuen Lebensgefährten im achten Monat schwanger.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Beschuldigten der Frau an dem Tag folgten, sie überwältigten und in eine Lagerhalle brachten. Sie sollen sie dann gezwungen haben, einen Brief zu schreiben, in dem sie ihre Anzeigen zurücknahm. Dieser ging Tage später bei der Justiz ein. Im Anschluss sollen die Männer die Frau dort oder in einem Waldstück an der Autobahn 8 in Oberbayern getötet haben - und damit auch ihr ungeborenes Kind. «Die Leiche verbrachten sie an einen bislang unbekannten Ort», sagt Hussennether.

Aufwendige Beweisaufnahme

Um den beiden Männer all das nachzuweisen, haben die Ermittler Hunderte Spuren und Hinweise in mehreren europäischen Ländern gesammelt. 100 Zeugen und zehn Sachverständige sollen in dem Verfahren aussagen, insgesamt 37 Verhandlungstage hat die Kammer für den aufwendigen Indizienprozess angesetzt.

Ob trotz umfangreicher Beweisaufnahme alle Fragen zum Tod der 39-Jährigen beantwortet werden können, das bezweifelt der Nebenklage-Anwalt Harald Straßner. Er sei aber zuversichtlich, dass es für eine Verurteilung der beiden Angeklagten ausreiche. «Es ist sehr gut ermittelt worden», sagt der Jurist, der die Eltern und den Bruder des Opfers im Prozess vertritt. «Es ist eigentlich jeder Stein umgedreht worden, den man braucht für ein solches Ermittlungsergebnis.»

© dpa ⁄ Irena Güttel, dpa
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