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Neue Offenheit: Wie kommt die Schufa zu ihren Bewertungen?

Anhand gewaltiger Datenmengen berechnet die Schufa, für wie kreditwürdig sie Verbraucher hält. Kritiker halten das Modell für eine «Blackbox». Nun verspricht die Auskunftei «völlige Transparenz».
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Schufa Holding AG
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Transparenz statt «Blackbox»: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen bei der Schufa künftig vollen Einblick bekommen, wie deren Bewertungen zur Kreditwürdigkeit zustande kommen. Die Auskunftei hat ihren sogenannten Score, der über die Bonität informiert, vereinfacht und verspricht: Auch Laien können diesen ohne großen Aufwand nachrechnen. 

Noch wird der neue Score getestet. Verbraucher können voraussichtlich im vierten Quartal 2025 darauf zugreifen - per kostenfreiem digitalem Einblick in ihre persönlichen Daten entweder in der Schufa-App oder online.

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Was ist ein Bonitätsscore?

Solche Scores sollen das Zahlungsverhalten von Verbrauchern vorhersagen. Je höher der Wert, umso größer die Kreditwürdigkeit. Wer oft Rechnungen unpünktlich bezahlt und Mahnungen bekommt, wird schlechter eingeschätzt.

Was ist anders am neuen Schufa-Score?

Aus mehr als 250 möglichen Kriterien hat die Schufa 12 ausgewählt, die aus ihrer Sicht am verständlichsten sind und die zugleich eine möglichst verlässliche Aussage über die Zahlungsfähigkeit liefern:

  • Alter der ältesten Kreditkarte
  • Alter der aktuellen Adresse
  • Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten
  • Kredit mit der längsten Restlaufzeit
  • Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation & (Online)-Handel in den vergangenen 12 Monaten
  • Alter des ältesten Bankvertrags
  • Immobilienkredit oder Bürgschaft
  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten
  • Kreditstatus
  • Vorliegen einer Identitätsprüfung
  • Jüngster Rahmenkredit
  • Zahlungsstörungen 

Wie wird daraus eine Bonitätsbewertung berechnet?

«Jedes Kriterium, das in den Score einfließt, erhält Punkte, die ganz einfach zusammengerechnet werden können und die Gewichtung im Score widerspiegeln», erläutert die Schufa. «Verbraucherinnen und Verbraucher können so künftig einfach nachvollziehen, welche Kriterien ihren persönlichen Score wie beeinflussen und Änderungen ihres Scores leichter verstehen.» 

Je nachdem, wie viele der 100 bis 999 Punkte zusammenkommen, wird die Zahlungsfähigkeit in dem neuen Score als «hervorragend», «gut», «akzeptabel», «ausreichend» oder «ungenügend» eingestuft.

Was bringt der neue Score mir als Verbraucher?

Für Verbraucher soll nachvollziehbar sein, wie der Score zustande kommt und was den Wert positiv oder negativ beeinflusst. Über ein persönliches Datencockpit will die Schufa Menschen ermöglichen, mit ihren Daten ihren persönlichen Score jederzeit zu simulieren: Welchen Einfluss hätte es, wenn ich einen weiteren Ratenkredit in Anspruch nehme? Wie verändert sich meine Bonitätsbewertung, wenn ich eine oder mehrere Kreditkarten kündige?

Welchen Einfluss hat ein Schufa-Score?

Die Berechnungen der Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden sind für Banken, Onlinehändler, Mobilfunkanbieter, Autohäuser und Energielieferanten ein wichtiger Maßstab. Sie wollen wissen, wie es um die Zahlungsmoral ihrer Kundschaft bestellt ist, bevor sie Verträge schließen und Waren übergeben. Unternehmen, aber auch Einzelpersonen wie Vermieter können Auskünfte einholen. Sie erhalten keine konkrete Auflistung der Verpflichtungen des Kunden, sondern dessen Scorewert. Der hat Einfluss darauf, ob und zu welchen Konditionen Verträge mit Verbrauchern geschlossen werden.

Mit welchem Score bekomme ich einen Kredit?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Schufa argumentiert, der Score sei nur ein Baustein. Sie selbst treffe keine Entscheidungen zum Beispiel über die Vergabe von Krediten oder den Abschluss eines Handyvertrages. Die Auskunftei unterstütze ihre Vertragspartner - zu denen Banken und Sparkassen, Versandhändler und Energieversorger gehören - mit Auskünften. 

Die Entscheidung für oder gegen ein Geschäft treffe letztlich das Unternehmen, mit dem ein Verbraucher einen Vertrag abschließen möchte. Eine Bank zum Beispiel fragt bei einer Kreditanfrage eines Kunden dessen Bonität bei der Schufa ab. Diese Daten reichert die Bank mit eigenen Informationen an: etwa Daten zu Einkommen und Ausgaben sowie Vermögen des Kunden. Schließlich hängt die Kreditvergabe auch von der Risikobereitschaft des Geldhauses ab.

Woher hat die Schufa meine Daten?

Die 1927 gegründete «Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung» erhält von ihren Vertragspartnern Informationen über die Eröffnung von Girokonten, die Ausgabe von Kreditkarten, den Abschluss von Leasingverträgen und Krediten.

Negativinformationen sammelt die Schufa zum Beispiel aus öffentlichen Registern wie Schuldnerverzeichnissen. Zudem speichert die Auskunftei persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum und Anschrift, hat aber keine Informationen etwa über das Einkommen einer Person.

Nach jüngsten Angaben verfügt die Schufa über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland. Zu mehr als 90 Prozent seien «ausschließlich positive Informationen gespeichert». 

Wieso arbeitet die Schufa an einem neuen Score?

Die Auskunftei erklärt: «Da sich das Konsumverhalten der Menschen ändert, muss die Score-Formel regelmäßig angepasst werden.» Zum Beispiel sei die Zahl an Minikrediten kräftig gestiegen. Zudem wechselten Verbraucher häufiger als noch vor zehn Jahren ihre Hausbank, weil sie regelmäßig auf Vergleichsportalen Konditionen vergleichen.

Gibt es auch Druck von außen?

Verbraucherschützer fordern seit langem mehr Transparenz von der Schufa. Immer wieder musste sich die Auskunftei vorwerfen lassen, ihr Modell sei eine «Blackbox», weil nicht offengelegt wird, wie der Score genau berechnet wird. 

Im Streit um die Frage, wie die Werte von Bonitätsauskünften wie der Schufa entstehen, stärkte der Europäische Gerichtshof mit einem Urteil im Februar 2025 die Position von Verbrauchern: Die betroffene Person habe das Recht, zu erfahren, wie die sie betreffende Entscheidung zustande gekommen sei.

Das Verfahren müsse so beschrieben werden, «dass die betroffene Person nachvollziehen kann, welche ihrer personenbezogenen Daten im Rahmen der automatisierten Entscheidungsfindung auf welche Art verwendet wurden», stellte der EuGH klar (Rechtssache C-203/22).

© dpa ⁄ Jörn Bender, dpa
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