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Fed stellt weiter Zinssenkungen in Aussicht: Zeitpunkt offen

Die Inflation in den USA erweist sich als hartnäckig. Deshalb hält die Fed den Leitzins stabil auf hohem Niveau. Wer auf schnelle Zinssenkungen hofft, muss sich in Geduld üben.
Jerome Powell
«Die Inflation ist deutlich zurückgegangen, während der Arbeitsmarkt stark geblieben ist, und das sind sehr gute Nachrichten», sagt Fed-Chef Jerome Powell. © Susan Walsh/AP/dpa

Die US-Notenbank Fed stellt weiterhin Zinssenkungen in diesem Jahr in Aussicht - hält sich aber beim Zeitplan alle Optionen offen. Die Notenbank beließ ihren Leitzins am Mittwoch auf hohem Niveau in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken Zentralbankgeld leihen.

Der Leitzins bleibt damit so hoch wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Angesichts der hartnäckigen Inflation legte sich Fed-Chef Jerome Powell in seiner Pressekonferenz nicht darauf fest, wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um an der Zinsschraube zu drehen. 

«Die Inflation ist deutlich zurückgegangen, während der Arbeitsmarkt stark geblieben ist, und das sind sehr gute Nachrichten», sagte Powell. Die wirtschaftlichen Aussichten seien jedoch ungewiss. Er machte gleichzeitig deutlich, dass der Leitzins aktuell wohl seinen Höchststand erreicht habe. Die Entscheider der Fed rechnen für dieses Jahr im Mittel wie bei ihrer letzten Schätzung im Dezember mit einem Leitzins von 4,6 Prozent. Das deutet auf drei Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten in diesem Jahr hin. 

Ein Balanceakt

Powell ließ offen, wann die Fed damit beginnen wird, die Zinsen zu senken. «Wir treffen unsere Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung», sagte er. Die neuen Wirtschaftsdaten der Notenbank der größten Volkswirtschaft der Welt dürften den Druck auf die Fed mindern, die Zinsen schnell deutlich zu senken. Denn die Fed sagt nun für dieses Jahr ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum für die USA voraus als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird demnach 2024 um 2,1 Prozent (Dezember: 1,4) wachsen.

Für die Fed ist der Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise ein Balanceakt. Sie dreht dabei an der Zinsschraube, um die Nachfrage auszubremsen. Steigen die Zinsen, müssen Privatleute und Wirtschaft mehr für Kredite ausgeben - oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Bei zu hohen Zinsen besteht die Gefahr einer Rezession.

Seit März 2022 hat die Fed ihren Leitzins in den Anstrengungen gegen die Inflation im rekordverdächtigen Tempo um mehr als fünf Prozentpunkte angehoben - in den vergangenen Monaten die Zinsen aber auf hohem Niveau belassen. Die Inflationsrate ist deutlich zurückgegangen, die Preise steigen nun deutlich langsamer an. Die Rate war immer Sommer 2022 mit mehr als 9 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Der Preisauftrieb in den USA hatte sich zuletzt unerwartet wieder etwas beschleunigt, die Teuerungsrate lag im Februar bei 3,2 Prozent - die Inflation erweist sich als hartnäckig. Die Fed strebt 2 Prozent an. 

Zielmarke nicht allzu bald erreicht

Die neuen Schätzungen der Fed zur Inflation zeigen, dass diese Zielmarke nicht allzu bald erreicht sein dürfte. Die US-Notenbank rechnet in diesem Jahr wie bereits im Dezember mit einer Teuerungsrate von durchschnittlich 2,4 Prozent. Für das Jahr 2025 geht die Fed von einer Inflationsrate von 2,2 Prozent aus, erst für 2026 prognostiziert die Fed 2 Prozent.

Die Kerninflation, also ohne Berücksichtigung von Lebensmittel- und Energiepreisen, soll dieses Jahr aber bei 2,6 Prozent (Dezember: 2,4) liegen. Die Notenbanker schauen in ihrer Analyse besonders auf diesen Wert. Er gibt den allgemeinen Preistrend nach Meinung von Fachleuten besser wieder als die Gesamtrate, da schwankungsanfällige Komponenten herausgerechnet werden.

Die nächste Sitzung der Fed steht in sechs Wochen an. Analysten gehen nicht davon aus, dass dann bereits eine Zinssenkung anstehen dürfte. Juni erscheine nun als frühestmöglicher Termin für eine Zinswende realistisch, schrieb Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. «Falls die Teuerung sich fortlaufend hartnäckiger zeigen sollte als erhofft, kann sich die Wende aber auch weiter in den Sommer hinein verschieben.» Es handle sich um eine «gemischte Botschaft aus Washington». Als Reaktion auf die Entscheidungen der Fed erklommen der Dow Jones Industrial und der S&P 500 weitere Bestmarken, der Kurs des Euro legte merklich zu.

© dpa
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