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Kommt Harvey Weinstein frei? - «Weckruf» für MeToo-Bewegung

Vorwürfe gegen Harvey Weinstein lösten die MeToo-Bewegung aus. Nun kippt ein Gericht ein historisches Vergewaltigungsurteil, doch der Filmmogul bleibt in Haft. Seine Anwälte wittern eine Chance.
US-Gericht hebt historisches Urteil gegen Harvey Weinstein auf
Harvey Weinstein (Mitte l), Filmproduzent aus den USA, verlässt 2020 den Gerichtssaal. © Richard Drew/AP/dpa

Die MeToo-Bewegung hatte das harte Urteil für Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen im März 2020 mit Jubel und Erleichterung aufgenommen. Der frühere Filmmogul war von einem New Yorker Richter wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu 23 Jahren Haft verurteilt worden. «Ich glaub', ich werd' verrückt», kommentierte die Gründerin der Bewegung, Tarana Burke (heute 50), damals die hohe Strafe.

Auch am Donnerstag meldete sich die Aktivistin zu Wort, nachdem ein Berufungsgericht in New York die historische Verurteilung des ehemaligen Filmmoguls überraschend aufgehoben hatte. Sie sei tief bestürzt, sagte Burke auf einer Pressekonferenz. Aber dies sei kein Schlag für die Bewegung, sondern ein «Weckruf» zum Handeln. 

Trotz der Entscheidung vom Donnerstag bleibt Weinstein im Gefängnis. In einem zweiten Strafprozess in Los Angeles, in dem es ebenfalls um Sexualverbrechen ging, war er 2023 zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden - zusätzlich zu den 23 Jahren in New York.

«Wir wissen, was passiert ist.»

Schauspielerin Ashley Judd (56), die 2017 in einem investigativen Artikel der «New York Times» mit anderen Frauen erstmals Weinsteins Übergriffe öffentlich geschildert hatte, rief zur Fortsetzung des Kampfes gegen sexuelle Gewalt auf. Die Entscheidung des Berufungsgerichtes sei «unfair gegenüber den Opfern», sagte sie. «Wir leben immer noch in unserer Wahrheit. Und wir wissen, was passiert ist.»

Die Entscheidung der sieben Richter in New York fiel mit 4:3 denkbar knapp aus. Der Vorsitz der Gerichtskammer bescheinigte dem damaligen Richter James Burke schwere Verfahrensfehler. In dem Prozess hatten Zeuginnen über frühere Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein ausgesagt, die jedoch nicht zur Anklage gebracht worden waren. Auf diese Aussagen habe sich Burke gestützt.

Die Anwältin Lindsay Goldbrum, die mehrere Klägerinnen gegen Weinstein vertritt, bezeichnete die neue Entscheidung der Richter in New York nach Angaben des Senders ABC News als «Rückschritt für die Rechtsstaatlichkeit». Bei einem so mächtigen Mann wie Weinstein seien die fraglichen Zeugenaussagen entscheidend gewesen, um die Behauptung der Verteidigung zu widerlegen, dass die sexuellen Begegnungen einvernehmlich gewesen seien.

Weinstein und sein Anwaltsteam feierten das spektakuläre Urteil. Nach Aussage seines Anwalts Arthur Aidala sei Weinstein «sehr dankbar», berichtete die «New York Times». Der 72-Jährige sitzt in einem Gefängnis im Norden des US-Bundesstaates New York ein. Aidala zufolge soll sein Mandant nun näher an die Metropole verlegt werden. 

Ein neuer Prozess?

Er könne zurück vor Gericht kommen und seine Sicht der Dinge darlegen: «Er brennt darauf, seine Geschichte vom ersten Tag an zu erzählen.» Aidala betonte, sein Team habe von Anfang an «gewusst, dass Weinstein keinen fairen Prozess bekommen hat». Weinstein hat seinen Anwälten zufolge schwere gesundheitliche Probleme, unter anderem ein Herzleiden.

Obwohl eine Freilassung Weinsteins wegen der Haftstrafe in Los Angeles vorerst nicht ansteht, gibt das Urteil in New York seinen Anwälten Aufwind, auch an der US-Westküste in Berufung zu gehen. Anwältin Jennifer Bonjean könnte bereits Mitte Mai vor einem Berufungsgericht in Kalifornien einen entsprechenden Antrag stellen, berichtete «Variety».

Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles zeigte sich «betrübt» über das Urteil der New Yorker Berufungsrichter. In einer Stellungnahme drückte die Behörde aber auch Zuversicht aus, dass Weinsteins Verurteilung in Kalifornien aufrechterhalten werde. Dann würde Weinstein die «schwerwiegenden Folgen seines beklagenswerten Verhaltens» tragen.

Bei dem Prozess in Los Angeles hatte eine Jury Weinstein im Dezember 2022 wegen Sexualverbrechen in drei Anklagepunkten, darunter Vergewaltigung, schuldig gesprochen. In einem Punkt wurde er freigesprochen, in drei weiteren Punkten gab es keine Einigung. Die Vorwürfe stammten von vier Frauen in einem Zeitraum von 2004 bis 2013. Unter den Klägerinnen war unter anderem Jennifer Siebel, die jetzige Ehefrau des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom. Die meisten Übergriffe sollen in Hotels in Beverly Hills stattgefunden haben.

Nach Informationen der «New York Times» muss nun Manhattans Bezirksstaatsanwalt Alvin Bragg entscheiden, ob er ein neues Verfahren gegen Weinstein einleitet. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte dem Magazin «The Daily Beast», man werde «alles in unserer Macht Stehende tun, um diesen Fall erneut zu verhandeln».

Zivilklage wegen Oralsex

Neben Strafprozessen wird Weinstein auch mit Zivilklagen konfrontiert. Im vorigen Oktober reichte die britische Schauspielerin Julia Ormond (59, «Sabrina») wegen angeblicher Sexualverbrechen eine Klage in New York ein. Darin behauptet sie, Weinstein habe sie 1995 bei einem geschäftlichen Treffen belästigt und unter anderem zum Oralsex gezwungen. Die Klage richtet sich auch gegen die Walt Disney Company, Miramax und die Talent-Agentur Creative Artists Agency (CAA). Die Filmstudios und ihre Agenten bei CAA hätten damals von Weinsteins wiederholten Übergriffen auf Frauen gewusst, macht Ormond geltend. Sie hätten es versäumt, sie zu warnen und vor ihm zu schützen.

«Variety» zufolge sagte Ormond in einem Interview, dass sie nun mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit trete, weil sie glaube, dass «systemischer Wandel» immer noch benötigt werde. Dazu müssten auch jene, die Fehlverhalten ermöglichen, zur Rechenschaft gezogen werden. In ihrer Klage verlangt die Schauspielerin Schadenersatz in nicht genannter Höhe.

Die von Dutzenden Frauen erhobenen Vorwürfe gegen Weinstein hatten 2017 die MeToo-Bewegung ins Rollen gebracht. Weltweit sahen Betroffene auch eigene Erlebnisse in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer reflektiert. Unter dem Schlagwort «Me too» («Ich auch») fanden sie öffentlich Gehör - mit Folgen für weitere einflussreiche Leute, die angeprangert, gefeuert oder angeklagt wurden. Seit 2017 haben mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Auch im Kino wurde der tiefe Fall des Produzenten aufgerollt. Im Herbst 2022 feiert das Filmdrama «She Said» von Maria Schrader («Unorthodox») seine Weltpremiere. Die deutsche Regisseurin erzählte darin die Geschichte der «New York Times»-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor, die 2017 ihre Weinstein-Enthüllungen zu Papier brachten. Der Film zeigt, wie die Reporterinnen eingeschüchterte Opfer treffen, Weinstein-Mitarbeiter aufsuchen, sich mit Anwälten anlegen, beschattet werden und mit Vorgesetzten diskutieren, ob die Story veröffentlicht werden kann.

© dpa ⁄ Benno Schwinghammer und Barbara Munker, dpa
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