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Stimmenfang und Sportswashing: Debatte um Rad-WM in Ruanda

Im September soll erstmals eine Straßenrad-WM in Afrika stattfinden. Die Spannungen zwischen Gastgeber Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo sind dabei nur eines von vielen Problemen.
David Lappartient
Ruandas Präsident Paul Kagame
Atletico Madrid - FC Arsenal

Wenn das mit den verpatzten Generalproben stimmt, dann dürften die Weltmeisterschaften in Ruanda ein rauschendes Radsport-Fest werden. Schließlich musste die größtenteils auf dem WM-Kurs geplante Schlussetappe der Tour of Ruanda am vergangenen Sonntag abgebrochen werden, das Wetter spielte nicht mit. Doch das ist aktuell das geringste Problem.

Denn um die erste Straßenrad-WM in einem afrikanischen Land ist eine politische Debatte entbrannt. Ruanda unterstützt die M23-Miliz, die im rohstoffreichen Osten des Nachbarlandes Demokratische Republik Kongo seit wenigen Wochen große Gebiete kontrolliert. Das EU-Parlament beschloss zahlreiche Sanktionen gegen Ruanda und forderte zudem eine Absage der vom 21. bis 28. September geplanten WM.

Präsident auf Stimmenfang

David Lappartient, Präsident des Weltverbands UCI, zeigt sich davon unbeeindruckt. «Es gibt keinen Plan B», sagte der Franzose und wischte Alternativen wie eine Verlegung in die Schweiz kurzerhand vom Tisch. Zu Beginn der Tour of Ruanda zeigte sich Lappartient freundlich und Fähnchen schwenkend in der Hauptstadt Kigali. Alles ist sicher, alles ist friedlich, sollte die Botschaft lauten.

Das sahen allerdings nicht alle Teams so. Die belgische Equipe Soudal-Quickstep verzichtete darauf, ihr Nachwuchsteam nach Ruanda zu schicken. «Die Etappen drei und vier sind nur einen Steinwurf vom Ort der Rebellen entfernt», sagte der Sportliche Leiter Kevin Hulsmans. Das sei für ihn fragwürdig. Tatsächlich fuhr das Peloton zeitweise nur gut zehn Kilometer von der Konfliktzone entfernt. Zu Vorfällen kam es nicht, das Auswärtige Amt warnt aktuell vor nicht notwendigen Reisen in das Grenzgebiet.

Dass Lappartient am Austragungsort Ruanda festhält, dürfte auch politische Gründe haben. Schließlich möchte der 51-Jährige im März Nachfolger von IOC-Präsident Thomas Bach werden. Seine Chancen werden zwar als gering eingeschätzt, doch zusätzlicher Wirbel um die WM dürfte nicht hilfreich sein. Außerdem stünde in diesem Jahr seine Wiederwahl zum UCI-Präsidenten an.

Selbst bei im Radsport unerwünschten Personen wie dem Belgier Johan Bruyneel geht das zu weit. «Der Selfie-König betreibt weiter Lobbyarbeit für Stimmen», kommentierte der frühere Teamchef von Lance Armstrong Lappartients Ruanda-Besuch.

Saftige Hotel-Preise

Abgesehen von moralischen Bedenken dünnen ganz andere Hürden das Teilnehmerfeld für die WM schon im Vorfeld aus. So verzichten große Radsport-Nationen wie Dänemark und die Niederlande darauf, ihren Nachwuchs nach Ruanda zu schicken und selbst die Belgier wägen ihr Aufgebot gerade ab - aus Kostengründen.

Dabei geht es nicht nur um die Logistik. «Wir wissen noch nicht viel über den Kurs, aber wir haben gesehen, dass die Hotel-Preise sehr hoch sind. Teilweise sogar höher als in Zürich», sagte Frauen-Bundestrainer André Korff bereits am Rande der vergangenen WM in der Schweiz. Damals zahlten Nationen oft über 300 Euro pro Nacht für ein Zimmer.

Bedenken wegen Impfungen

Hinzu kommen umfangreiche Impfungen, etwa gegen Malaria, Hepatitis A und Gelbfieber. «Die Fahrer haben da Bedenken, wie sich das auf ihre Leistungen auswirken könnte», sagte der Frederik Broché, Technischer Direktor des belgischen Verbandes.

Ruanda wird vorgeworfen, mit Millionen-Investitionen in den Sport nichts anderes als Sportswashing zu betreiben. Die Titelkämpfe sollen übertünchen, dass in dem Land Oppositionelle unterdrückt werden, die M23-Miliz diverser Kriegsverbrechen beschuldigt wird und vom wirtschaftlichen Aufschwung nur eine kleine Elite profitiert, während der Großteil der Bevölkerung bitterarm bleibt.

Millionen für ein positives Image

Der autokratische Präsident Paul Kagame schraubt eifrig am positiven Image. Der Fußball-Weltverband FIFA hielt einen Kongress in Kigali ab, Teams wie den FC Bayern, den FC Arsenal und Paris Saint-Germain unterstützt man als Sponsor. «Dieses Sponsoring ist vielmehr der Versuch, Gewalttaten zu verschleiern», sagte die Oppositionelle Carine Kanimba im ARD-Podcast «Sport Inside».

Aktuell ist man darum bemüht, eine Formel-1-Strecke Realität werden zu lassen. Die Absage der Rad-WM wäre da ein empfindlicher Rückschlag, zudem es letztlich wohl nicht kommen dürfte.

© dpa ⁄ Tom Bachmann, dpa
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