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Schatz aus dem All: Forscher gehen von Meteoritenfund aus

Vor wenigen Tagen ging über Brandenburg ein Mini-Asteroid nieder. Spontan machten sich Forscher und Sammler auf den Weg, um nach Überresten des Himmelskörpers zu suchen. Offenbar mit Erfolg. Auch beim Namen des Meteoriten könnte Brandenburg verewigt werden.
Gefundenes Meteoritenteil
Ein mutmaßliches Meteoritenteil liegt in einem Papiertaschentuch. © Cevin Dettlaff/dpa

Goldgräberstimmung in Brandenburg: Ein Sammlerteam aus Polen hat höchstwahrscheinlich Stücke eines kürzlich niedergegangenen Mini-Asteroiden gefunden. Dieser war am Sonntag bei Berlin mit einem weithin sichtbaren spektakulären Feuerball zu sehen gewesen und trägt den Namen 2024 BX1. Der nach einer ersten Prüfung echte Fund in der Nähe von Nauen im Havelland glich nach Einschätzung von Experten zunächst der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Doch dann gab es gleich noch mehr Funde, die nun geprüft werden.

«Es ist sehr, sehr, sehr wahrscheinlich, dass es sich um einen Meteoriten handelt, also der erste Fund von diesem Überrest des Asteroiden, der hier verglüht ist», sagte der Kurator der Meteoritensammlung am Museum für Naturkunde Berlin, Ansgar Greshake, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Das hier ist in der Tat ein besonderer Fund.» Er gehöre zur Gruppe der Aubriten. «Dieses Material ist sehr selten.» Der Fund sehe sehr frisch aus, die schwarze Kruste glänze.

Ein vierköpfiges Suchteam aus Polen hatte die Teile nach Angaben des Museums für Naturkunde gefunden. Zunächst hatte der «Spiegel» darüber berichtet. Der Fundort liegt in einem sogenannten Streufeld nahe Ribbeck im Havelland, das Forscher nach dem Verglühen des Asteroiden berechnet hatten. «Wir gehen davon aus, dass das jetzt ein Glücksfall war und zu den größten Stücken gehört, die im Streufeld liegen», sagte Geowissenschaftler Lutz Hecht vom Museum für Naturkunde. Das Ganze sei eine Sensation für die Forschung, weil alles vom Einschlag bis zur Auffindesituation gut dokumentiert werden könne.

Die Forscher des Museums und ihre Kooperationspartner, darunter die Freie Universität Berlin und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, fanden dann aber selbst noch mehrere Steine. Sie hätten mutmaßliche Bruchstücke des Asteroiden entdeckt, beide fast walnussgroß, teilte das Museum mit. Die Stücke würden in den nächsten Tagen in Laboren des Museums auf ihre Zusammensetzung und auf die Herkunft untersucht. Die Sammler aus Polen wollen ihre Funde verkaufen - das kann durchaus lukrativ sein, gerade bei einem ungewöhnlichen Fund.

Der winzige Asteroid 2024 BX1 war in der Nacht zum Sonntag in der Nähe von Berlin verglüht. Der Feuerball war am Himmel zu sehen. Die US-Raumfahrtagentur Nasa hatte ihn für Sonntagfrüh bei Nennhausen im Havelland angekündigt, das westlich von Berlin liegt. Meteorite nennt man die Brocken, die von einem Asteroiden auf der Erde ankommen.

Der Mini-Asteroid war Gegenstand zahlreicher Kommentare in sozialen Medien. Daraufhin machten sich viele Neugierige auf den Weg ins Havelland. Seit Sonntag ist auch ein Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), des Museums für Naturkunde und der Freien Universität Berlin auf Meteoritensuche. Das DLR zeigte sich über den Fund erfreut.

«Das ist natürlich eine hervorragende Nachricht», sagte der Leiter der Abteilung Planetare Labore vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin, Jörn Helbert. «Jetzt, wo die ersten Stücke gefunden wurden, sind wir sicher, dass wir sehr bald noch mehr finden.» Er freue sich auf die Untersuchung eines so frischen Meteoriten. «Wir arbeiten gerade an der genauen Klassifizierung», sagte Helbert. «Je nach dem Typ des Meteoriten könnten sich hier starke Anbindungen an unsere derzeit aktiven Weltraum-Missionen ergeben.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Bruchstücke kleiner Asteroiden gefunden werden. Über Elmshorn in Schleswig-Holstein leuchtete Ende April 2023 zum Beispiel eine Feuerkugel auf. Kurz darauf wurden Brocken des Meteoriten von einigen hundert Gramm bis mehreren Kilogramm Gewicht gefunden.

Zurück nach Brandenburg: Nachdem die Gruppe polnischer Sammler ihren Fund am Freitag präsentierte, ging die Suche nach weiteren Steinen weiter. «Zurück zur Arbeit», sagte einer aus dem Team.

Hoffnung besteht auch darin, dass sich Brandenburg im Namen des bisher nur 2024 BX1 genannten Asteroiden verewigt. Dafür sei «Ribbeck» wegen der Fundstellen ein Favorit, hieß es bei einer Pressekonferenz am Freitag.

© dpa ⁄ Oliver von Riegen und Cevin Dettlaff, dpa
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