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Elf Festnahmen bei Razzia gegen nigerianische Mafia

Rund 350 Ermittler durchsuchen Objekte in mehreren Bundesländern. Im Visier: mutmaßliche Mitglieder der nigerianischen Mafia. Ihr Hauptgeschäftsfeld: die moderne Form des Heiratsschwindels.
Razzia in vier Bundesländern gegen nigerianische Mafia
Sichergestellte Asservate nach einer Razzia liegen am Mittwoch auf einem Tisch im bayerischen Landeskriminalamt. © Britta Schultejans/dpa

Bei dem bundesweit ersten Schlag gegen die nigerianische Mafia in Deutschland sind elf Männer festgenommen worden. Wie das bayerische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft München I, die bei der Razzia federführend waren, am Mittwoch mitteilten, handelt es sich um die höchstrangigen Vertreter der nigerianischen «Black Axe»-Bruderschaft, die hierzulande als «Neo Black Movement Africa» und in einem eingetragenen Verein operiert haben soll. Ihr krimineller Hauptgeschäftszweig: Betrug mit der verbreiteten Masche des sogenannten Love oder Romance Scammings und Geldwäsche.

Dass die nigerianische Mafia, deren Mitglieder weltweit auf rund 30.000 geschätzt werden, auch von Deutschland aus verstärkt tätig ist, war bislang weitgehend unbekannt. Hierzulande gebe es schätzungsweise eine dreistellige Anzahl an Mitgliedern. Die Ermittler machten Bayern als Schwerpunkt aus.

Die Tatverdächtigen sind nach Angaben der Ermittler zwischen 29 und 53 Jahren alt und alle nigerianische Staatsbürger, die sich zum größten Teil schon seit vielen Jahren in Deutschland aufhalten. Zwei Männer wurden in München festgenommen, einer in Rosenheim, einer in Augsburg, jeweils einer in den Landkreisen Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech und Miesbach. Zwei weitere Festnahmen gab es in Baden-Württemberg - dort in Filderstadt und im Landkreis Tübingen, eine in Hamburg und eine im hessischen Hochtaunuskreis. Unter den Festgenommenen seien auch der aktuelle und der ehemalige Deutschland-Chef, der sogenannte Head der Vereinigung, sowie der «Chief Priest» genannte Stellvertreter. Neben Wohnungen wurden nach LKA-Angaben auch Asylunterkünfte durchsucht.

Nach dem Jahresbericht des bayerischen Verfassungsschutzes für 2023 handelt es sich bei der «Confraternity Black Axe» um eine von vier mafiaähnlichen nigerianischen Organisationen, deren Mitglieder hauptsächlich in Bayern aktiv sind. Demnach hat jede der vier «Bruderschaften» eine Deutschlandführung und mehrere regionale Organisationseinheiten auf Ebene von Bundesländern oder Regionen um größere Städte.

Den Angaben zufolge sind die «Confraternities» ursprünglich aus universitären Bruderschaften entstanden, die sich in den 1960er und 1970er Jahren für die Forderung nach der Unabhängigkeit Nigerias einsetzten. Einige der Gruppen hätten sich später aber zu mafiaähnlichen Vereinigungen entwickelt, die weltweit und in Europa vor allem in Italien besonders in den Bereichen Drogenkriminalität, Internetbetrug, Geldwäsche, Menschenhandel und Schleusungen aktiv seien. In Nigeria komme es wegen Konkurrenz untereinander zu gewalttätigen Konflikten zwischen den Gruppen.

In Italien als europaweitem Schwerpunkt habe es in den vergangenen Jahren vermehrt große Festnahmeaktionen und Verurteilungen von Mitgliedern gegeben, heißt es im Verfassungsschutzbericht. Von dort sei mittlerweile aber eine «Ausweitung und Verlagerung bestehender krimineller Strukturen» nach Deutschland und vor allem nach Bayern festzustellen.

In Deutschland liege der Schwerpunkt der kriminellen Energie auf Dating-Betrug mit Fake-Profilen in sozialen Netzwerken und auf Dating-Plattformen. Allein in Bayern wurden 2023 mehr als 450 Love-Scamming-Fälle gezählt. Dabei wurden die Opfer um insgesamt 5,3 Millionen Euro gebracht. Die Ermittler gingen aber von einer hohen Dunkelziffer aus und davon, dass viele Betroffene sich aus Scham nicht an die Polizei wenden.

LKA und Staatsanwaltschaft riefen Betroffene auf, Betrugstaten anzuzeigen. Bei den Ermittlungen gegen die nigerianische Mafia stehe man erst am Anfang, sie gingen weiter, hieß es.

© dpa
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