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Engländer Wilson Snooker-Weltmeister - Spaltung droht

Kyren Wilson krönt sich nach 17 Turniertagen zum Snooker-Weltmeister. Doch hinter den Kulissen tobt ein Kampf um die Ausrichtung des Sports. Die Stars der Szene sind sich uneins.
Kyren Wilson
Eroberte in Sheffield den Snooker-Thron: Kyren Wilson. © Mike Egerton/PA Wire/dpa

Im orange-weißen Konfettiregen von Sheffield sah alles aus wie immer. Der neue Snooker-Weltmeister Kyren Wilson feierte mit dem Silberpokal und seinen strahlenden Söhnen Finley und Bradley den größten Triumph seiner Karriere. «Meine Mutter und mein Vater haben eine Hypothek aufgenommen und ihr ganzes Leben geopfert, um mich hierher zubringen. Mein Bruder und meine Frau auch. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen, es ist eine riesige Teamleistung», sagte Wilson nach dem 18:14-Sieg über den walisischen Außenseiter Jak Jones.

«Das ist etwas, was mir niemals mehr jemand nehmen kann. Das wird mir für den Rest meines Lebens bleiben», sagte ein gerührter Wilson, der im Crucible Theatre immer wieder mit den Tränen kämpfte. Er habe «auf eine gute Art und Weise seine Seele» an diesen Sport verkauft, ließ der 32 Jahre alte Titelträger stolz wissen.

«Etwas mit Geschichte und Erbe»

Wilson ist ein ruhiger Weltmeister in unruhigen Zeiten. Denn die Seele und vor allem die zukünftige Ausrichtung des Snooker-Sports waren in den vergangenen 17 WM-Tagen von Sheffield immer wieder Thema und wurden kontrovers diskutiert. Dem Gentleman-Sport droht angesichts potenzieller externer Geldgeber eine Spaltung, wie sie in den vergangenen Jahren bereits der Golf-Sport erlebt hat.

Ex-Weltmeister Judd Trump berichtete während der WM von einem Konkurrenzangebot, das vor ein paar Monaten an ihn herangetragen wurde. Trump habe abgelehnt und über seinen Bruder mitteilen lassen, er sei «daran kein bisschen interessiert». Der Snooker-Star begründete seine Treue zu World Snooker: «Ich bin sehr glücklich, wo ich bin. Ich brauche etwas mit Geschichte und Erbe. Ich brauche etwas, wofür ich spielen kann.»

Der Weltverband ist dabei sogar zu Kompromissen bereit. Profis sollen in einem Zeitraum von zwölf Wochen bei anderen profitablen Turnieren spielen dürfen, wenn diese nicht mit Events von World Snooker kollidieren. Man sehe ein, «dass die Monopolstellung, die wir haben, für den aktuellen Markt, in dem wir tätig sind, nicht richtig ist», sagte Snooker-Boss Barry Hearn. Man könne allerdings nicht von den Vorteilen des Weltverbandes profitieren und dann bei gleichzeitig stattfindenden Konkurrenzevents teilnehmen, warnte Hearn.

Vertrag mit Sheffield endet 2027

Der siebenmalige Champion Ronnie O'Sullivan hat sich - anders als Trump - offen für lukrative Angebote gezeigt. «Ich möchte umsorgt werden, möchte verwöhnt werden. Wer mich verwöhnen und betreuen möchte, für den bin ich der richtige Mann. Ich bin hier - bestes Angebot, sprechen Sie mich an», sagte «The Rocket» gewohnt offen. Schließlich hätten alle Spieler Familien zu ernähren. Schon vor der WM hatte O'Sullivan mit seinen Forderungen, die WM künftig in Saudi-Arabien oder China statt wie bisher in Sheffield auszutragen, Aufsehen erregt.

Der aktuelle Vertrag mit dem Crucible läuft bis 2027, dann wären 50 Jahre WM in Sheffield voll. Snooker-Boss Hearn würde gerne bleiben, doch der traditionelle Standort hat nur 980 Zuschauerplätze und eine Infrastruktur, die mit Konkurrenzorten nicht mithalten kann. «Es hat keinen Sinn zu sagen: Oh, denkt an die Geschichte. Die Geschichte kann man nicht essen», sagte Hearn bei Eurosport in aller Deutlichkeit. Dass Riad als Alternative bereits feststehe, dementierte er. Die Hauptstadt in Saudi-Arabien sei «eine Option unter vielen».

WM-Teilnehmer beklagt Gestank

Auch die Sheffield-Debatte verläuft kontrovers. Szenekenner verweisen gerne auf die große Tradition des Snooker-Palasts. Der irische Ex-Weltmeister Ken Doherty sagte der BBC: «Manche Dinge sind heilig, haben Geschichte und Nostalgie. Das Crucible Theatre hat all das. Ich bin kein Geschäftsmann, ich bin Traditionalist.»

Doch die Liste der Kritikpunkte ist lang - und bezieht sich nicht nur auf die kleine Sportstätte. «Hier bekommt man vielleicht einen guten Tee oder eine Lasagne, wenn gekocht wird. Aber das war's auch», meckerte O'Sullivan vor WM-Beginn über den Service.

Sein iranischer Kollege Hossein Vafaei wurde während des Turniers noch deutlicher und sagte: «Man will irgendwo hingehen, wo es wirklich schön ist. Wenn man im Crucible herumläuft, riecht es wirklich übel. Ich bin ehrlich. Alles ist so schlecht.» Ob er zurückkommen wolle? «Auf keinen Fall.»

© dpa ⁄ Patrick Reichardt, dpa
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