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Italien «zu leichtfertig»: Spätes Zittern nervt Spalletti

Italien siegt zum EM-Start gegen Albanien, leistet sich aber Unkonzentriertheiten. Das bringt Coach Luciano Spalletti in Rage. Kann der Titelverteidiger auch gegen Top-Teams wie Spanien mithalten?
Luciano Spalletti
Italiens Trainer Luciano Spalletti war mit dem Auftritt seines Teams nicht immer zufrieden. © Bernd Thissen/dpa

Kapitän Gianluigi Donnarumma und seine Mitspieler genossen noch den Jubel der Tausenden italienischen Fußball-Fans im Dortmunder Stadion, da setzte Trainer Luciano Spalletti schon zur ersten Wutrede an.

«Zu bequem» und «zu leichtfertig» habe sein Team beim 2:1 (2:1) gegen Albanien zum EM-Auftakt agiert, kritisierte der 65-Jährige. «Manchmal gefallen wir uns zu sehr. Wir haben gedacht, dass wir besser sind, als wir in einigen Situationen wirklich waren.» Gegen den Außenseiter lag der Titelverteidiger nach 22 Sekunden zurück und hätte den Sieg in der Schlussphase beinahe noch verspielt.

Entsprechend aufgewühlt und verärgert präsentierte sich Spalletti unmittelbar nach dem Schlusspfiff am TV-Mikrofon. «Auch wenn wir die Chance hatten, das Spiel zu verwalten, waren wir zu bequem und nicht aggressiv genug», sagte er. Bereits in der Schlussphase war der Coach wild gestikulierend an der Seitenlinie auf und ab gesprungen. Ein Remis gegen Albanien hätte den viermaligen Weltmeister in der Gruppe B mit Nations-League-Sieger Spanien und dem WM-Dritten Kroatien früh in eine schlechte Ausgangslage gebracht.

Barella wie «Pirlo plus Gattuso»

So können die Azzurri schon mit einem Sieg im Duell mit Spanien am Donnerstag den Einzug ins Achtelfinale perfekt machen. Allerdings: Die Iberer spielten beim 3:0 gegen Kroatien deutlich souveräner als die Italiener und dürften zum ersten echten EM-Gradmesser werden. «Spanien hat jetzt und in der Vergangenheit gezeigt, dass sie eine großartige Mannschaft sind», lobte 2021er-Europameister Federico Chiesa. «Aber das sind wir auch.»

Den endgültigen Beweis dafür blieb der Titelverteidiger gegen Albanien schuldig. Fast drei Jahre nach dem Triumph von Wembley zeigte die Squadra Azzurra zwar über weite Strecken, warum sie auch in Deutschland zum erweiterten Kreis der Titelanwärter zählt. Vor allem in der ersten Halbzeit lieferte das Team angeführt vom starken Inter-Profi Nicolò Barella eine absolut dominante Vorstellung und erspielte sich sehenswert mehrere Torchancen. 

Albanien mit dem frühesten Tor der EM-Geschichte

Einziges Manko: Durch Alessandro Bastoni (11. Minute) und Barella (16.) gelangen nur zwei Treffer. «Ja, wir hätten mehr Tore schießen müssen. Aber so ist der Fußball», sagte Barella, der nach muskulären Problem gerade rechtzeitig fit geworden war. «Barella ist Pirlo plus Gattuso», schwärmte der «Corriere dello Sport» mit Blick auf die beiden Italien-Legenden.

Auf der anderen Seite präsentierte sich der Ex-Weltmeister immer wieder schlampig und defensiv viel zu sorglos. Ein katastrophaler Einwurf von Federico Dimarco führte schon nach 22 Sekunden zum 0:1 durch Nedim Bajrami - das schnellste Tor der EM-Historie. Chiesa sprach von einem «positiven Schock» und erinnerte an das 0:1 im EM-Finale 2021 gegen England nach nicht einmal zwei Minuten. Er versprach: «Das wird uns eine Lehre sein.»

Donnarumma verhindert das 2:2

Auch Spalletti lobte immerhin die Reaktion der Mannschaft auf den frühen Rückschlag. «Alle haben gesagt: "Ok, das kann passieren. Holen wir uns das Spiel zurück."» Doch nach einer schwächeren zweiten Halbzeit musste Italien vor allem in der Schlussphase noch einmal kräftig zittern. Donnarumma rettete gegen Joker Rey Manaj (90.) den knappen Sieg. 

Auch diese Nachlässigkeiten, die von einem stärkeren Gegner wie Spanien oder Kroatien sehr viel härter bestraft werden dürften, verärgerten Spalletti. Nach rund zehn Monaten im Amt hat der Coach seinem Team zwar schon viel von seiner Spielidee vermittelt - zufrieden ist er aber noch lange nicht. Gegen Albanien sah er «viele guten Sachen», betonte aber auch: «Sie müssen irgendwo hinführen. Wenn sie ein Selbstzweck bleiben, nützen sie nichts.» 

© dpa ⁄ Miriam Schmidt und Heinz Büse, dpa
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