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Erdbeben in Südostasien: Viele Tote, Hunderte Verletzte

Die Todeszahlen nach dem Erdbeben in Myanmar und Thailand steigen - und noch immer werden viele Menschen unter Trümmern vermisst. Es ist womöglich noch nicht vorbei: Schwere Nachbeben drohen.
Erdbeben in Myanmar
Erdbeben in Myanmar
Erdbeben in Thailand
Erdbeben in Myanmar
Erdbeben in Myanmar
Erdbeben in Thailand
Erdbeben in Myanmar
Erdbeben in Myanmar

Ein starkes Erdbeben mit Stärke 7,8 in Südostasien hat viele Menschenleben gekostet. Es gibt schwere Schäden an Gebäuden. In Myanmar herrscht Sorge, dass Dämme am Fluss Irrawaddy beschädigt worden sein und brechen könnten. Laut Wissenschaftler gibt es zudem eine realistische Gefahr von weiteren Erdbeben in der Region. Ein Überblick:

Die Opfer

In Myanmar, wo das Epizentrum lag, kamen nach Angaben des Militärführer Min Aung Hlaing mindestens 144 Menschen ums Leben. Über 730 wurden verletzt, wie die Junta im staatlichen Fernsehen bekanntgab. 

Im benachbarten Thailand wurden bislang drei Todesfälle offiziell bestätigt. Medienberichten zufolge sind bis zu zehn Tote inzwischen geborgen worden, 101 Menschen sollen allein in Bangkok noch vermisst sein. 

Das Auswärtige Amt teilte mit, es gebe keine Erkenntnisse über betroffene Deutsche. Die Lage sei aber noch sehr unübersichtlich, hieß es am Mittag. Auf den bei Urlaubern beliebten Inseln Koh Samui und Phuket spürten Anwohner nichts von dem Erdstoß. 

Die Lage in Myanmar

Das stärkere Beben ereignete sich etwa 50 Kilometer östlich von Monywa im Zentrum Myanmars. In dem östlich davon gelegenen Mandalay, der mit 1,6 Millionen Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes, kamen nach Medienberichten zehn Menschen beim Einsturz einer Moschee ums Leben.

In Taungoo brach ein Kloster ein, in dem Vertriebene untergebracht waren. In Sagaing stürzte eine alte Brücke ein. Fotos zeigten zudem beschädigte historische Pagoden in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw. Das Rote Kreuz in Myanmar spricht von verheerenden Schäden. Es bestehe große Sorge, dass Dämme am Fluss Irrawaddy brechen könnten.

Seit einem Militärputsch im Februar 2021 versinkt das frühere Birma ohnehin schon in Gewalt und Chaos, verschiedene Rebellengruppen kämpfen teils erfolgreich gegen die Armee. Aus dem Land dringen nur wenige Informationen nach außen.

Die Lage in Thailand

Im benachbarten Thailand stürzte in der Hauptstadt Bangkok der Rohbau eines mehr als 30 Stockwerke hohen Gebäudes nach den Erschütterungen ein. Videos im Internet zeigten, wie Arbeiter vor dem einstürzenden Hochhaus davonliefen. Thailands Institut für Notfallmedizin meldete dort drei Tote und 68 Verletzte. Nach Medienberichten wurden Stunden nach dem Beben noch mehr als 80 Arbeiter vermisst.

Hier hatte die Erde minutenlang gebebt, Menschen verließen in Panik ihre Häuser. 17 Krankenhäuser in Provinzen des Landes seien beschädigt worden, berichtete das Portal «Nation Thailand» nach Angaben des Gesundheitsministeriums. Vor allem hätten die Gebäude Risse. Thailands Ministerpräsidentin Paetongtarn Shinawatra erklärte am Abend (Ortszeit) aber, die Schäden hielten sich in Grenzen. Die Menschen könnten in ihre Wohnungen zurückkehren.

Das Erdbeben

Das Deutsche Geoforschungsinstitut (GFZ) in Potsdam verzeichnete für das Erdbeben eine Stärke von 7,8 in Myanmar in einer Tiefe von circa 24 Kilometern. Die US-Erdbebenwarte USGS maß die Magnitude 7,7 in zehn Kilometer Tiefe. Zudem registrierten beide Organisationen ein paar Minuten später etwas südlich ein weiteres Erbeben mit einer Stärke von 6,4. 

Laut dem GFZ ereignete sich das Erdbeben in der Sagaing-Verwerfung. Hier bewegen sich die indische Kontinentalplatte und die eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von etwa 18 Millimeter pro Jahr aneinander vorbei. Es bauen sich Spannungen auf, die sich immer wieder entladen - wie nun nach einer ruhigeren Phase, die über fast 70 Jahre angehalten hatte, erläuterte das Geoforschungsinstitut. Dessen Experten gehen aktuell von einer Bruchlänge von mehr als 200 Kilometern aus.

Die Wissenschaftler rechneten damit, dass in den nächsten Stunden bis Tagen Ereignisse der Stärke 6 bis 6,5 auftreten können. «Das ist ein typischer Prozess», sagte der Geophysiker Oliver Heidbach vom GFZ der Deutschen Presse-Agentur. Es könne Nachbeben-Serien geben, die in der Anzahl und Stärke mit der Zeit abnehmen. Alternativ kann es ein weiteres starkes Beben geben. Die seismischen Wellen könnten erhebliche weitere Schäden anrichten, da sie auf bereits beschädigt Gebäude treffen. 

Thailands Ministerpräsidentin sprach Lokalmedien zufolge von gut von einem Dutzend Nachbeben innerhalb von weniger Stunden.

Die Reaktionen

Myanmars Juntaführer Min Aung Hlaing sagte im staatlichen Fernsehen, dass er Hilfe der internationalen Gemeinschaft und anderen Organisationen angefordert habe. Und er habe bereits Indien und dem Verband südostasiatischer Nationen, abgekürzt ASEAN, erlaubt, Helfer in den Regionen zu unterstützen. Es wurde zudem in mehreren Regionen Myanmars der Notstand ausgerufen. 

Die EU unterstützt nach eigenen Angaben bereits mit Satellitenbildern und hat weitere Hilfe angeboten. Der Malteser Hilfsdienst stellt zunächst 250.000 Euro Nothilfe zur Verfügung - die Caritas weitere 100.000 Euro.

«Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar und Thailand sind unsere Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden», schrieb Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Plattform X. «Wir hoffen, dass die Suche nach Vermissten rasch gelingt und wünschen den Verletzten schnelle Genesung.»

© dpa
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