Kein guter Tag für arabische Teams

Nach dem Aus von Gastgeber Katar ist mit Tunesien die zweite arabische Mannschaft so gut wie ausgeschieden. Polens Star Lewandowki erzielte gegen Saudi-Arabien endlich sein erstes Tor bei einer Weltmeisterschaft. Argentiniens Star Messi fand die Erlösung.

Es ist schon auffällig, wie wenig die Bilder des Protests gegen das iranische Mullah-Regime beim Freitagsspiel zwischen Wales und Iran bei den Gastgebern für Rührung sorgen. Ganz im Gegenteil: Viel lieber macht man sich über die Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Japan lustig, weil die DFB-Elf es gewagt hatte beim obligatorischen Mannschaftsfoto vor der Partie mit zugehaltenen Mündern gegen die Einschüchterung durch die FIFA zu protestieren.

„Das passiert, wenn du dich nicht auf Fußball konzentrierst“, so der katarische Journalist Mohammed Al-Kaabi via Twitter. Obwohl, kann man überhaupt von einem echten Journalisten reden? Schließlich unterliegen die Medien in dem Emirat der staatlichen Zensur. Wir haben es also mit dem Tweet eines regimetreuen Lakaien zu tun, der sich bei seiner Obrigkeit lieb Kind machen möchte.

Tunesien – Australien 0:1

Während Katar versucht das blamable Ausscheiden nach nur zwei Spielen mit billiger Häme zu übertünchen, beschäftigt man sich in Tunesien lieber damit die eigene Mannschaft zu unterstützen – eine Disziplin, in denen die Kataris aber wirklich allen Fans bei dieser WM unterlegen sind, verließen doch viele Scheichs gegen den Senegal schon zur Halbzeit das Stadion. Ganz anders die tunesischen Fans, die lautstark gegen Australien auch wirklich alles gaben.

Es nutzte allerdings nichts, denn Australien gewann dank des Tors von Duke in der 25. Minute nicht ganz unverdient gegen die Nordafrikaner. Dieser schraubte sich nach einer Flanke von Goodwin hoch und volendete per Kopf.

Die „Socceroos“ waren in der restlichen ersten Halbzeit das bessere Team und kontrollierten die Angriffsbemühungen der Tunesier problemlos. Die beste Chance für die „Adler von Karthago“ vergab Msakni. Der Kapitän schoss in der Nahchspielzeit nach einer flachen Hereingabe Zentimeter rechts vorbei.

Im zweiten Durchgang war fast nur Tunesien am Drücker, doch echte Chancen blieben Mangelware. Lediglich zwei Schüsse von Msakni binnen 30 Sekunden (72. Minute) sorgten für Gefahr, doch auch die Australier hatten die Vorentscheidung auf dem Fuß: Leckies Fuß war nach Maclaren-Zuspiel eine Nummer zu klein (71. Minute) und Mooys Fernschuss strich knapp über das tunesische Gehäuse (74. Minute).

Fazit: Tunesien steht mit nur einem Punkt vor dem fast sicheren WM-Aus, denn als dritter Vorrundengegner wartet ausgerechnet der amtierende Weltmeister aus Frankreich auf die Truppe. Australien hat hingegen gegen Dänemark den Einzug ins Achtelfinale in der eigenen Hand.

Polen – Saudi-Arabien 2:0

Vor dem Spiel der Polen gegen Saudi-Arabien richteten sich alle Augen auf Robert Lewandowski. Der frühere Bayern- und jetzige Barcelona-Star hatte ja im ersten Spiel gegen Mexiko einen Strafstoß verschlossen, weshalb die Favoriten aus Osteuropa am Ende nur zu einem torlosen Unentschieden kamen. Würde der frühere Weltfußballer diesmal einnetzen?

Man merkte den Polen allerdings zunächst einmal den Respekt vor den schnellen Kontern der Saudis an, denen gegen den haushohen Favoriten Argentinien im ersten WM-Spiel zwei Chancen für zwei Tore und somit für den Sieg gereicht hatten. Und schon in der 13. Minute leitet einen Angriff über die rechte Seite der Saudis ein und bekam den Ball dann halbrechts am Strafraumrand zurück. Polens Torhüter Szczesny lenkte den folgenden Rechtsschuss über die Latte.

Polen verließ sich auf seine stabile Abwehr und setzte punktuell auf Offensive. In der 26. Minute scheitert Bielik noch mit einem Kopfball, doch in der 40. Minute traf dann Zielinski zum 1:0. Lewandowski hatte den Ball noch vor der Torauslinie erreicht und nach innen gepasst.

In der Nachspielzeit stand dann wieder Szczesny im Mittelpunkt, nachdem der VAR auf Foulelfmeter für die Saudis entschieden hatte – eine absolute Fehlentscheidung, denn Al-Sheri hatte sich nach einem minimalen Kontakt im Zweikampf theatralisch fallen lassen. Umso schöner, dass der polnische Keeper nicht nur den Strafstoß von Al-Dawsari, sondern auch den Nachschuss von Al-Burayk parieren konnte.

Saudi-Arabien rannte nach der Pause weiter an. In der 55. Minute blockte Bereszynski Al-Najeis Abschluss. Im Gewühl prallte der Ball zu Al-Dawsari, der aus vier Metern an Szczesny scheiterte – der polnische Torwart avancierte immer mehr zum „Man of the Match“.

Doch dann sorgte Lewandowski mit seinem ersten WM-Tor überhaupt für die Vorentscheidung. Al-Malki ließ einen Querpass unter der Sohle durchrutschen. Der lauernde Top-Stürmer nutzte die Gelegenheit und schob den Ball an Al-Owais vorbei aus elf Metern ins linke Eck. Anschließend wurde Lewandowski mit Tränen in den Augen von der gesamten Mannschaft gefeiert.

In der 90. Minute ließ er dann aber eine große Möglichkeit liegen und scheiterte mit einem Heber am saudischen Keeper. Da waren viele Fans der Araber schon längst nicht mehr im Stadion.

Fazit: Saudi-Arabien war über weite Strecken die bestimmende Mannschaft, aber viel zu fahrig in den entscheidenden Situationen. Trotzdem ist gegen Mexiko vieles möglich. Polen hat mit nunmehr vier Punkten gute Karten, muss aber im dritten Spiel gegen Argentinien ran.

Frankreich – Dänemark 2:1

Im 17-Uhr-Spiel wurde den Fans nach dem eher müden Kick der Polen und Saudis ein echter Fußball-Leckerbissen serviert. Der zweimalige Welt- und zweimalige Europameister Frankreich traf auf den einmaligen Europameister Dänemark.

Auch so war die Partie zumindest nominell äußerst interessant, schließlich galten die Dänen vor dem WM-Turnier als ein Geheimfavorit und wurden wegen ihrer vielen Talente als „neues Belgien“ betitelt. Frankreich seinerseits hat noch einige Weltmeister von 2018, aber auch ein paar vielversprechende junge Spieler in seinen Reihen.

Wie zu erwarten hatte Frankreich von Anfang an mehr vom Spiel, allerdings ohne wirklich zwingend zu sein. Koundés Versuch wurde vor der Linie geblockt (31. Minute), Schmeichel parierte einen Schuss von Griezmann aus spitzem Winkel (33. Minute), Giroud köpfte am Kasten vorbei (37. Minute) und Mbappé schoss freistehend über das Gehäuse (40. Minute). „Danish Dynamite“ kam nur zu einem Abschluss. Cornelius verfehlte nach einem Konter das rechte Eck nur knapp (36. Minute).

Nach der Pause ging es so weiter. Griezmann war zwar frei im Strafraum, zielte aber über das Tor (59. Minute). Kurz darauf war es aber so weit. Mbappé vollendete nach einem Doppelpass mit Theo aus kurzer Distanz zur französischen Führung (61. Minute). Die Franzosen wollten sich nun auf der Führung ausruhen, wurden aber prompt bestraft. Nach einer Ecke von Eriksen verlängerte Andersen an den zweiten Pfosten zu Christensen, der vor Rabiot am Ball war und aus wenigen Metern zum 1:1 traf (68. Minute). Fünf Minuten später kam Dänemark durch Lindstöm sogar fast zur Führung.

Diese erzielte aber der an diesem Abend überragend Mbappé. Eine lange Griezmann-Flanke von rechts kam herein und er war schneller als die dänischen Abwehrspieler am Ball. Mit dem Oberschenkel erzielte der Star von Paris St. Germain das entscheidende 2:1 (86. Minute).

Fazit: Frankreich steht im Achtelfinale und konnte gegen starke Dänen meist überzeugen. Diese haben den Einzug ins Achtelfinale selbst in der Hand. Im „Endspiel“ wartet Australien.

Argentinien – Mexiko 2:0

Ein ewig junges Duell des lateinamerikanischen Fußballs ist die Partie Argentinien gegen Mexiko. Diverse Male standen sich beide Teams bei der Copa América gegenüber. Bei einer WM trafen sie zuletzt 2006 im Leipziger Zentralstadion zusammen, als Argentinien mit 2:1 die Oberhand behielt, um anschließend gegen Deutschland im Elfmeterschießen zu verlieren.

Nun also wieder Argentinien gegen Mexiko – allerdings in ungewohnten Rollen. Die erfolgsverwöhnten „Gauchos“ waren aufgrund der Niederlage gegen die Saudis in Zugzwang, während Mexiko eigentlich schon ein Punkt reichte, um die Chancen auf das Achtelfinale zu wahren. Für einen WM-würdigen Rahmen war jedenfalls gesorgt, denn alle 80.000 Tickets waren ausverkauft und auf den Rängen herrschte eine ohrenbetäubende Lautstärke.

Entsprechend nervös verlief die erste Halbzeit. Es wurde auf beiden Seiten ordentlich geknüppelt, doch wirkliche Torgefahr entstand auf keiner Seite. Die beiden Torhüter mussten jeweils nur nach Freistößen eingreifen. Mexikos Ochoa war bei Messis Versuch mit den Fäusten zur Stelle (34. Minute). Argentiniens Martinez musste sich bei Vegas Schlenzer schon deutlich mehr strecken (45. Minute).

Auch im zweiten Durchgang zeigte sich Favorit Argentinien erstaunlich ideenlos. Den einzig sich bietenden Freiraum nutzte Super-Star Messi dann aber prompt aus. Nach Zuspiel von di Maria hatte er drei, vier Meter Platz und traf aus der Distanz per Flachschuss ins rechte untere Eck (64. Minute). Anschließend ließ er sich mit Tränen in den Augen vor den Fans der „Albiceleste“ hinter dem mexikanischen Tor feiern.

Die konsternierten Mexikaner warfen nun alles nach vorn, fanden gegen die tief stehende Abwehr der „Gauchos“ aber kein Mittel. So sorgte wiederum Messi für die Entscheidung. Der Kapitän der argentinischen Elf bediente nach einer kurz ausgeführten Ecke den eingewechselten Enzo Fernandez, der sich stark im Dribbling durchsetzen konnte und ins rechte obere Eck zum 2:0-Endstand schoss (87. Minute).

Fazit: Mexiko ist nun Gruppenletzter und muss gegen Saudi-Arabien unbedingt gewinnen, um eine Chance auf das Achtelfinale zu wahren. Argentinien kann nur durch einen Sieg gegen Polen den Gruppensieg einfahren, hat aber auch so gute Chancen auf das Weiterkommen. Wirklich überzeugen konnte das Team aber auch im zweiten WM-Spiel nicht.

© Tom Meyer
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