Laden von E-Autos bei Lidl bald nicht mehr kostenlos

Einfach während des Einkaufs wieder volltanken - für E-Autofahrer ein verlockendes Angebot, vor allem wenn der Strom nichts kostet. Doch Lidl und Kaufland wollen ihren Kunden das Laden künftig in Rechnung stellen.
Kunden müssen bald auch bei Lidl fürs Laden von E-Autos zahlen. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Als E-Autos auf deutschen Straßen noch Seltenheitswert
hatten, lockte der Einzelhandel häufig mit kostenlosen
Lademöglichkeiten auf Parkplätzen. Doch mit der wachsenden Zahl der
E-Autos wird das Laden im Handel zunehmend kostenpflichtig. Diesem
Trend folgen jetzt auch Lidl und Kaufland, wie die Schwarz-Gruppe als
Mutterkonzern mitteilte.

Die Unternehmensgruppe führe «ab dem 12. September 2022 eine Gebühr
für den getankten Grünstrom ein», hieß es. Jede Kilowattstunde an
AC-Ladepunkten bis zu 43 Kilowatt Ladeleistung koste dann 0,29 Euro, an DC-Ladepunkten mit bis zu 149 Kilowatt
Ladeleistung seien es 0,48 Euro pro Kilowattstunde. An einzelnen
Standorten könne mit 150 Kilowatt oder mehr für 0,65 Euro geladen
werden. Mit dem Ende des Gratisladens solle der weitere Ausbau sowie
die Instandhaltung der E-Ladestationen gewährleistet werden.

Lidl und Kaufland betreiben derzeit rund 1300 Ladepunkte. Der Boom
der Elektroautos sei an diesen Ladestationen deutlich zu spüren, hieß
es. Im Jahr 2020 hätten im Durchschnitt vier Elektroautos am Tag an
einer E-Ladestation von Lidl ihre Akkus aufgeladen, bei Kaufland neun
Autos. 2021 habe sich diese Anzahl bereits bei beiden Handelssparten
verdoppelt. Mittlerweile verzeichne das Handelsunternehmen an
Spitzentagen im Durchschnitt bei Lidl rund 15 und bei Kaufland rund
20 Ladevorgänge je Station.

Bereits im Frühjahr hat eine Umfrage des Kölner
Handelsforschungsinstituts EHI gezeigt, dass die Zahl der Händler,
die für das Laden Gebühren verlangten, binnen Jahresfrist deutlich
zugenommen habe. Innerhalb von zwölf Monaten war demnach der Anteil
der Händler, bei denen das Laden grundsätzlich nicht mehr kostenfrei
war, von 29 auf 42 Prozent gestiegen. Rund 26 Prozent der Händler
boten für Kunden immerhin noch vergünstigte Tarife beim Laden an. Bei
15 Prozent der Händler durfte die Kundschaft weiter kostenfrei laden.
Weitere 15 Prozent boten das Laden für alle kostenlos an.

Die EHI-Projektleiterin Elektromobilität, Cathrin Klitzsch, betonte,
auch nach Abschluss der Studie habe sich der «Trend weg vom
kostenlosen Tanken im deutschen Handel weiter fortgesetzt».
Gleichzeitig sei aber auch die Leistung der auf den Parkplätzen an
den Einkaufsstätten neu installierten Ladesäulen Schritt für Schritt
größer geworden. Dadurch sei es möglich, in kürzerer Zeit mehr Strom
zu tanken.

© dpa
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