Auto Union: Wie es zu den vier Ringen am Kühlergrill kam

28.06.2022 Die vier Ringe stehen auf deutschen Straßen heute für Autos von Audi. Doch ihren Ursprung haben sie in Sachsen. Dort stand das Logo einst für den zweitgrößten deutschen Autohersteller: die Auto Union. Vor 90 Jahren wurde sie gegründet.

Im Zwickauer Horch-Museum bekommen Besucher einen Einblick in die Geschichte der Auto Union. © Bodo Schackow/dpa

Diese glänzenden Cabriolets lassen die Herzen vieler Oldtimerfans höherschlagen: Ein Audi Baujahr 1934 mit 40 PS, ein viersitziger DKW F7, ein Horch 830 BL mit acht Zylindern und ein Wanderer W40 mit Porschemotor.

Im Zwickauer Horch-Museum stehen sie jeweils für einen der vier Ringe - das Signet des einst zweitgrößten deutschen Autoherstellers. Vor 90 Jahren wurde die Auto Union durch die Fusion von vier zuvor eigenständigen Herstellern gegründet. Während der Firmenname weitgehend verschwunden ist, ist sein Logo auf den Straßen noch immer präsent. Seit 2021 werden auch in Sachsen wieder Autos mit dem heutigen Audi-Signet gebaut.

Mehrere Fusionen in den Zwanzigern

Nach den Anfangsjahren der Autoindustrie kam es Ende der 20er Jahre zu zahlreichen Fusionen: Daimler und Benz etwa, BMW und die Dixi-Werke in Eisenach oder General Motors und Opel. Auch die sächsischen Hersteller standen unter Druck, potente Geldgeber zu finden. Das Ergebnis war 1932 die Auto Union mit Sitz in Chemnitz, die zu 75 Prozent in der Hand der Sächsischen Staatsbank lag.

«Kraft der vier Ringe» haben die Zwickauer Ausstellungsmacher ihre Schau zur Geschichte des Unternehmens überschrieben. Denn die Sachsen avancierten so zu einer der Triebfedern der Motorisierung im Straßenverkehr - nicht nur im damaligen Deutschen Reich, sondern auch durch den Export in zahlreiche Länder. Das schlug sich in den Büchern nieder: Der Konzernumsatz kletterte von 65 Millionen (1932) auf 276 Millionen Reichsmark (1938), die Beschäftigung von 8000 auf 23.000 Menschen, die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge von knapp 6700 auf fast 52.200. Das waren nach Museumsangaben weniger als Opel, aber weit mehr als doppelt so viele wie Daimler-Benz.

Die Auto Union sei für ihre Zeit ein moderner Mehrmarken-Konzern gewesen, der wichtige Synergien etwa im Vertrieb und dem zentralen Konstruktionsbüro genutzt habe, erläutert Ralf Friese, Fachmann für die Audi-Unternehmensgeschichte in Ingolstadt. «Dabei hatte jede Marke ihr eigenes Profil.» Während DKW robuste Kleinwagen in größerer Zahl lieferte, bediente Wanderer die Mittelklasse, Audi die obere Mittelklasse, und Horch stand mit seinen eleganten Fahrzeugen für die Oberklasse im Konzern. Zudem produzierte das Unternehmen auch Motorräder und avancierte damals zum größten Hersteller der Welt.

Der erste Nachkriegsaudi kam 1965

Die Zäsur brachte der Zweite Weltkrieg. Damals wurde auch die Auto Union in den Dienst der Rüstungsproduktion gestellt, mussten viele Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge etwa Autos und Motorräder für die Wehrmacht bauen, ebenso wie gepanzerte Kettenfahrzeuge, Torpedos und Maschinengewehre. Nach dem Krieg und der Enteignung wurden zwar nach einiger Zeit auch an den ehemaligen Standorten der Auto Union in Sachsen wieder Fahrzeuge gebaut - die vier Ringe zogen aber nach Bayern und wurden dort zur Keimzelle der heutigen Audi AG.

«Es war ein dorniger Neuanfang», erklärt Friese. Zunächst sei es um die Ersatzteilversorgung der noch vorhandenen Fahrzeuge gegangen. Dann habe man mit der Produktion eines Lieferwagens und eines Motorrads begonnen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Der Name Audi spielte dabei zunächst keine Rolle. Ab 1950 sei mit dem DKW F89 ein einfaches Auto gebaut worden, das in die Zeit gepasst habe. Doch mit der Zeit sei der Zweitaktmotor in Verruf gekommen, so dass sich der Hersteller schließlich auf den Namen Audi statt DKW besann. Der erste Nachkriegs-Audi wurde dem Experten zufolge 1965 auf der Internationalen Automobilausstellung vorgestellt.

Der Begriff Auto Union war noch bis Mitte der 80er Jahre Bestandteil des Firmennamens. Heute findet er sich nur noch in der Anschrift des Herstellers in Ingolstadt wieder. Inzwischen werden wieder Autos mit den vier Ringen an ihrem Ursprungsort in Sachsen hergestellt: Im Zwickauer Volkswagen-Werk laufen seit vorigem Jahr zwei Elektromodelle von Audi vom Band. Und auch der Name Horch taucht in dem Unternehmen wieder auf: Allerdings nicht als eigene Marke wie einst, sondern als Version der Oberklasselimousine A8 für China.

© dpa

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