Von Bienen und Bullen

29.05.2022 Seit 20 Jahren wird bei Porsche auch sächsisch gesprochen. Damals begann in Leipzig die Produktion des Porsche Cayenne. Das dicke SUV wurde zum Retter des kriselnden Sportwagenbauers und das moderne Werk zum Vorzeigeobjekt, bei dem Porsche vieles auch abseits der Werkshallen richtig gemacht hat.   

SP-X/Leipzig. Große Frachtflieger, meist gelb lackiert, steigen im Minutentakt in den Leipziger Himmel, vor allem nachts verbinden sie die sächsische Großstadt mit aller Welt. Leipzig ist der viergrößte Frachtflughafen Europas, DHL oder die Luftflotte von Amazon sind hier zu Hause. Gerade mal fünf Kilometer entfernt hat sich vor 20 Jahren auch Porsche angesiedelt, baut dort seitdem Modelle wie den Macan, den Panamera oder bis 2017 auch den Cayenne. Auch innerhalb der Werksgrenzen spielt die Farbe Gelb eine wichtige Rolle. Sie ist das Erkennungszeichen von drei Millionen Werksangehörigen, die in keinen Personalakten zu finden sind, nicht auf der Gehaltsliste stehen und auch ohne Hausausweis unermüdlich im Einsatz sind.

Auf dem Areal der Fabrik hat Porsche ein Übungsgelände errichtet, auf dem sich frisch gebaute Offroader wie der Macan bewähren müssen, sich die Kunden vor der Abholung ihres sportlichen SUV schon mal austoben dürfen oder Porsche-Experten zögernde Käufer von den Fähigkeiten des Hochbeiners davon überzeugen wollen, dass man mit einem echten Porsche auch abseits fester Straßen eine gute Figur machen kann. Das Gelände ist 132 Hektar groß, davon beansprucht die Berg- und Talstrecke nur 33. Der Rest bleibt ein Biotop, naturbelassen und von der Zivilisation nebenan verschont. Hier leben eben jene gelben Mitarbeiter, verteilt auf 50 Völker mit je 60.000 Bienen. Sie produzieren aus den Blüten von Weißdorn, Robinien und Linden gut 2,7 Tonnen Honig pro Jahr, die auf 5.500 Gläschen verteilt werden und dann im Porsche-Shop im Kundenzentrum unter dem Namen „Turbienchen“ verkauft werden.

„Die gezielte Aufbereitung und Pflege von mehr als 1,2 Hektar Blühwiesen auf unserem Naturgelände ermöglicht Insekten eine Lebensgrundlage. Zugleich sind sie ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems im Offroad-Gelände“, sagt Beke Dubbels, verantwortlich für Naturschutz bei Porsche in Leipzig. Unter ihrer Ägide leben auf der Fläche auch 75 Auerochsen und 25 Exmoor-Ponys. Jüngst kamen noch finnische Landschafe hinzu, die dafür sorgen, dass das Gelände nicht zuwuchert. „Ich erhalte eine ertragsreiche Weidefläche und Porsche kann auf die mechanische Bewirtschaftung der Grünfläche durch Maschinen verzichten“, sagt Lars Kühne, der Schäfer in Porsche-Diensten. „Gleichzeitig schafft die Beweidung Lebensräume für Vogelarten und eine abwechslungsreiche Pflanzenwelt.“

Beim ersten Spatenstich durch Ex-Chef Wendelin Wiedeking flankiert von zwei Politikern in gelben Gummistiefeln stand all das noch nicht im Vordergrund. Trotzdem wollte das Leipziger Porsche-Werk schon immer etwas anders sein als nur ein Herstellungsort für teure Autos. Nach der Eröffnung vor fast genau 20 Jahren diente es zunächst nur als sogenanntes Montagewerk für den Cayenne, dessen Bauteile von anderen Fabriken geliefert und dann in Sachsen zusammengebaut wurden. Es gab noch keine Lackiererei und andere Fertigungsstraßen, die ein komplettes Autowerk ausmachen. Doch das Kundenzentrum mit der markanten Schüsselform war schon fest eingeplant. Hier konnten Käufer ihre neuen Autos abholen, Andenken einkaufen, das Museum besuchen oder im Panorama-Restaurant auf ihr neues Prachtstück anstoßen.

Bald kam auch eine werkseigene Rennstrecke dazu und eben jener Geländeparcours. Seit Anfang Mai darf sich die Anlage auch „Porsche Experience Center“ nennen, einer von weltweit zehn „Erfahrungs“-Stützpunkten und nach dem Hockenheimring das zweite in Deutschland. Hier können Fahrevents gebucht werden, bei denen Profis auf der Rennstrecke die Kunst des Schnellfahrens lehren. Wer mit dem E-Auto kommt, kann im neuen Ladepark unter 20 Säulen wählen. Erfolgreich auch die Vermietung von Porsche-Modellen für Jedermann. So können Fans für 399 Euro pro Tag ein 911 Coupé mieten, für 419 Euro dessen Cabrio. Zudem müssen sie 2.500 Euro Kaution hinterlegen. Wer den Panamera oder vollelektrischen Taycan ausprobieren möchte, zahlt 499 Euro und 5.000 Euro an Kaution. Allerdings sollte man seit mindestens fünf Jahren einen Führerschein haben.

In den zwei Jahrzehnten wurde das Werk immer wieder erweitert und so zur vollwertigen Fabrik. Zum Beispiel für den Supersportwagen Carrera GT (2004), für die Edel-Limousine Panamera (2006 und 2014) oder für den Kompakt-Offroader Macan (2011). Die letzte Erweiterung 2019 soll jetzt den Weg für das zweite elektrische Porsche-Modell ebnen. Der Macan mit 800-Volt-Ladetechnik erscheint im nächsten Jahr, das sogenannte Pilotband für die Vorserie ist schon in Betrieb.

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