Strafbar? Mit 417 km/h über deutsche Autobahn

25.01.2022 Mit Flugzeug-Geschwindigkeit rast ein tschechischer Millionär über die Autobahn 2. Ein Video der Aktion sorgt für Aufsehen. Viele fragen sich: Darf man das? Und wie gefährlich ist es?

Ein Fahrzeug braust in der Dunkelheit über eine Autobahn. Wie schnell darf man eigentlich fahren? Diese Frage sorgt erneut für Diskussion. Foto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein tschechischer Multimillionär ist mit 417 Kilometern pro Stunde über eine deutsche Autobahn gerast - und hat ein Video davon ins Internet gestellt. Die Polizei hat Ermittlungen gegen den Mann wegen eines mutmaßlichen illegalen Straßenrennens eingeleitet, sagte eine Sprecherin in Magdeburg.

Die Staatsanwaltschaft werde den Fall prüfen, hieß es weiter. Nach dem Strafgesetzbuch ist auch ein sogenanntes Alleinrennen strafbar, wenn sich der Fahrer «mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen».

Aufnahmen auf Youtube veröffentlicht

In dem Video ist zu sehen, wie ein Sportwagen mit Wahnsinnstempo über die A2 schießt. Der offenbar abgefilmte Tacho zeigt eine Geschwindigkeit von bis zu 417 Stundenkilometern an. Dieses Verhalten sei nicht zu verantworten, sagte die Polizeisprecherin. Der tschechische Multimillionär Radim Passer veröffentlichte die Aufnahmen vor zwei Wochen auf seinem Youtube-Kanal. Mehrere Medien hatten über dieses und weitere Videos des 58-Jährigen, die im Juli 2021 entstanden sein sollen, berichtet.

Das Bundesverkehrsministerium äußerte sich kritisch. Jegliches Verhalten im Straßenverkehr, das zu einer Gefährdung von Verkehrsteilnehmern führe oder führen könne, werde abgelehnt, teilte eine Ressortsprecherin mit. Auf dem im Video gezeigten Streckenabschnitt zwischen Berlin und Hannover gilt den Angaben der Polizei zufolge keine Geschwindigkeitsbegrenzung. In der Straßenverkehrsordnung heißt es aber: «Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird.»

Der Multimillionär Passer ist in Tschechien bisher weniger als Freund schneller Autos, sondern als Immobilienmagnat in Erscheinung getreten. Sein Vorzeigeprojekt ist der Büro- und Geschäftskomplex BB Centrum, der zu den größten in Prag zählt. Die tschechische Ausgabe der Wirtschaftszeitung «Forbes» schätzt Passers Vermögen auf umgerechnet rund 270 Millionen Euro. 

Je höher die Geschwindigkeit, desto länger der Bremsweg

Nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist eine Fahrt mit mehr als 400 Kilometern pro Stunde höchst gefährlich. «Je höher die Geschwindigkeit ist, desto länger ist der Bremsweg. Und zwar nicht nur linear, sondern exponentiell, sprich bei doppelter Geschwindigkeit wird er mehr als doppelt so lang», sagte der emeritierte Professor der Deutschen Presse-Agentur.

«Wollen wir Multimillionären erlauben, auf öffentlichen Straßen ihre Späße zu treiben, die Menschenleben gefährden können?», kritisierte Dudenhöffer. Das Video sollte seiner Meinung nach der Anlass sein, darüber nachzudenken, was eigentlich auf deutschen Autobahnen erlaubt sein sollte und was nicht. Der Verkehrsminister könne etwa per Gesetz nur noch Autos zulassen, die eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit nicht erreichen.

Mehrere deutsche Autobauer wie BMW, Audi und Mercedes-Benz hatten sich bereits 1987 auf eine freiwillige Selbstbeschränkung und auf eine Tempo-Abriegelung bei 250 Kilometern pro Stunde geeinigt. Doch nicht jeder geht diesen Schritt mit. Der in dem Video gezeigte Bugatti Chiron wurde 2016 vorgestellt. Er verfügt nach den Informationen auf den Internetseiten des Herstellers über einen 16-Zylinder-Mittelmotor mit 1500 PS.

Die Entwicklung des Supersportwagens geht Dudenhöffer zufolge auf die Zeit zurück, als Volkswagen unter dem damaligen Chef Ferdinand Karl Piëch die Luxusmarke erworben hatte. «Ingenieure wollen ja immer zeigen, dass es möglich ist, Grenzleistungsbereiche zu überschreiten. Und das hat er mit dem Chiron gemacht.» Im Sommer verkaufte VW die Marke mehrheitlich an den kroatischen Elektrospezialisten Rimac.

In Tschechien fragen sich nun manche, wie Passers Fahrt mit seinen christlichen Überzeugungen zu vereinbaren ist. Nach dem Tod seines ersten Sohnes im Jahr 1998 wandte sich der Unternehmer nach eigenen Angaben Gott zu. Vier Jahre später gründete er die christliche Organisation «Maranatha». Sie ist benannt nach einem aramäischen Gebetsruf, den die Urchristen benutzt haben sollen. Passer will sich zu der Autobahnfahrt einer Sprecherin zufolge über die Angaben in seinem Youtube-Kanal hinaus nicht äußern.

Umwelthilfe fordert Umdenken

Für ein Umdenken sprach sich derweil die Deutsche Umwelthilfe aus. «Die Bundesregierung erlaubt mit ihrem Nein zum Tempolimit explizit diese Ultra-Raserei auf 70 Prozent der Autobahnstrecken», sagte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Er forderte den neuen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zum Handeln auf. «Wir brauchen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen jetzt - für Klimaschutz und Sicherheit», sagte Resch.

© dpa-infocom GmbH

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