Reduziert aber komplett: Ein Urban Bike mit allem dran

15.05.2022 Minimalistische Stadträder sind oft so reduziert, dass ihnen Licht oder Klingel fehlen. Der Trend zur Integration aber hilft: Unterwegs mit einem cleanen Stadtrad, das auch der Polizei gefällt.

Urban Bikes - darunter verstehen Fahrradfans Modelle, die vor allem schick sind, schick im Sinne des Verzichts. Schutzbleche und Ständer, Gepäckträger und Beleuchtung - all das fehlt. Ausstattung am Bike, das gilt als Ballast, der nur die Optik stört. Alles, was den glatten Look stört, gilt als uncool.

Doch wenn Reflektoren fehlen, keine Klingel vorhanden ist und der Radler keine Beleuchtung zum Anklipsen mitführt, ist das schlecht. Dann verstößt so ein Fahrrad gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), die diese Bauteile für den Betrieb auf der Straße dann vorschreibt. Das Bußgeld hält sich mit 20 Euro zwar in Grenzen, doch im Dunkeln umher zu radeln, birgt ein erhöhtes Unfallrisiko.

Urban Bikes sind oft als Pedelecs ausgelegt - ein E-Motor unterstützt beim Treten. Bei den elektronischen Bauteilen klappt der Tarnlook schon gut: Batterien kommen von außen unsichtbar im Rahmenrohr unter, der Motor ist in der Hinterradnabe untergebracht. Das ist viel unauffälliger als ein Mittelmotor. Versuche, auch die Beleuchtung zu integrieren, gab es schon. Doch sie auf kleinstem Raum StVZO-konform hinzubekommen, war lange ein Problem. Beim getesteten Modell Sneak+ vom Hersteller Rose scheint es dank eines Zulieferers gelöst.

Der Einsatzzweck: Durch die Stadt zu Radeln bedeutet in vielen Fällen, Pedale tretend zur Arbeitsstätte zur kommen. Für diesen Zweck ist auch das Sneak+ gedacht, mit dem Großstadtbewohner ihr Ziel erreichen sollen, ohne dabei groß ins Schwitzen zu geraten.

«Minimales Design, maximaler Einsatzzweck» war dabei ein Entwicklungsziel, sagt Anatol Sostmann von Rose Bikes. Bei der Gestaltung des Fahrrads nimmt man dem Leiter Produkt beim Bocholter Versandhändler den Anspruch ab. Doch dass ein Singlespeed-Fahrrad ein Alleskönner ist, darf bezweifelt werden. Allein der fehlende Gepäckträger schränkt zum Beispiel beim Einkauf ein.

Neben dem Design, verfeinert durch verspachtelte Schweißnähte am Alu-Rahmen und innen verlegten Zügen, war auch geringes Gewicht eine wichtige Vorgabe. Statt es Witterung und Dieben auszusetzen, könne man das «Next Gen Urban Statement Bike», wie Rose es tatsächlich tituliert, gut in den Keller oder auch mal den vierten Stock tragen.

14,6 Kilo in Größe M bringt das Sneak+ auf die Waage, das ist wenig für ein E-Bike. Gut so: Denn zur Steckdose muss man es ebenfalls befördern, da der Akku fest verbaut ist.

Die Technik: Auch das Sneak+ ist ein Pedelec im Tarnlook - die Antriebsbatterie im Unterrohr, der Motor an der Hecknabe. Nur ein Ritzelpaket könnte ihn besser verhüllen. Aber das Fahrrad hat als Singlespeed ja keine Schaltung und nur einen Gang. Der Akku hat eine Kapazität von 250 Wattstunden und soll laut Hersteller für bis zu 100 Kilometer Reichweite genügen.

Der bis Tempo 25 beim Treten unterstützende Motor von Mahle stemmt 40 Newtonmeter auf die Achse und wiegt 3,5 Kilo. Die muskuläre Kraftübertragung von der Kurbel zur Nabe wird herkömmlich von einer Kette bewerkstelligt. Zu den Clous im Sinne des Minimalismus zählt die Bedieneinheit des Sneak+. Zum Mahle «X35 smartbike system» gehört ein im Oberrohr eingelassener Bedienknopf mit LED-Kranz. Über diesen «iWoc One»-Button wird das Bike zum Leben erweckt, auch die drei Unterstützungsstufen lassen sich über ihn anwählen.

Ausstattung, Zubehör, Peripherie: Reflektoren wie an Fahrrädern vorgeschrieben sind im Lieferumfang enthalten, auch das Ladegerät. Aber zur erwähnten Lichtanlage: Rose Bikes greift ins Regal des Zulieferers Lightskin. Der hat ein Beleuchtungssystem für Lenker und Sattelstütze entwickelt, das den Anforderungen der StVZO genügt und Prüfnummern vom zuständigen Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt bekommen hat.

Lightskin schreibt, die 13 mal 18,5 Millimeter messende Lenkerlinse sei die weltweit kleinste Linse, welche die für eine StVZO-Zulassung nötige Hell-dunkel-Grenze einhalte. Die Leuchtstärke liegt bei 150 Lumen. In der Sattelstütze stecken fünf weitere, rot abstrahlende LED, von denen drei im Sattelrohr versenkt werden können, um die Einschränkung bei der Sitzhöheneinstellung gering zu halten. Die Lichtanlage wird beim Sneak+ vom Antriebsakku gespeist.

Selbst die Klingel, Modell Oi vom Hersteller Knog, fällt kaum auf: Sie ist eine ringförmige Schelle, Ton in Ton mit dem Lenker.

Der ganze Anspruch an die Unauffälligkeit hat aber auch eine Schattenseite: Bei der Funktionalität gibt’s Abstriche, weil ein Display fehlt. Wer unterwegs Angaben unter anderem zu Batteriezustand, Drehmoment, Reichweite und Geschwindigkeit ablesen möchte, muss die kostenlose «Mahle ebikemotion»-App aufs Handy laden und dieses mit einer optionalen Halterung am Lenker befestigen.

Der Fahreindruck: Das Sneak+ lässt sich gut dirigieren und lenkt sich angenehm direkt, was auch der steifen Carbongabel zu verdanken ist. Die Sitzposition ist leicht gebückt, also sportlich angehaucht. Der Fahrkomfort hält sich in Grenzen, was auf Asphalt weniger auffällt als auf Kopfsteinpflaster. Zum Glück lässt sich dank der großvolumigen 47-Millimeter-Reifen mit dem Luftdruck spielen - je nachdem wie deutlich der Dämpfungseffekt ausfallen soll.

Dass dem Bike eine Schaltung fehlt, zählt zum besagten Statement. So lange es nicht zu steil wird, kommt man damit gut klar. Der Motor steuert bei, was man bei Steigungen an Beinkraft in die Pedale zusätzlich einbringen müsste, um ausbleibende Gangwechsel zu kompensieren. Doch irgendwann ist man selbst im dritten Unterstützungsmodus in den Wiegetritt gezwungen, um in Fahrt zu bleiben.

Im Auslieferungszustand fühlt sich die Kraftunterstützung bei langsamerer Fahrt um die 10 bis 15 km/h nur im ersten Unterstützungsmodus natürlich an. In den beiden kräftigeren Stufen ist der Anteil des Motorsupports dann eher heftig und relativiert sich erst, wenn man schneller fährt. Aber wem das nicht gefällt, kann die Charakteristik der einzelnen Unterstützungsstufen über die App verändern. Bei ausgeschaltetem Motor fährt sich das Bike erfreulich normal.

Der «iWoc One»-Knopf ist in der Bedienung gewöhnungsbedürftig. Seine Funktionen erschließen sich nicht intuitiv: Einmal kurz drücken, und das Bike ist angeschaltet, die LED leuchtet. Einmal länger drücken, und sie erlischt, dann ist der Antrieb aus. Doch dazwischen wird es komplizierter. Die Unterstützungsstufen wählt man je durch doppeltes Drücken an, wobei der Ring erst grün für die schwächste Stufe, dann orange für die mittlere oder letztlich rot für die stärkste Stufe blinkt.

Nach dem Moduswechsel ändert der Ring jeweils wieder die Farbe in konstant Weiß, Grün, Orange oder Rot oder beginnt, rot zu blinken - je nach Ladezustand in gewissen Prozentanteilen, die man dem Handbuch entnehmen kann und sich erstmal merken müsste.

Unterwegs kann da bei all dem Blinken und Farbwechseln schon mal Verwirrung eintreten - zumal auch das Licht zum Ein- und Ausschalten einen Code erfordert: einmal kurz drücken - der Ring blinkt - dann einmal lang drücken. Ein Vorteil: Hat man den Abstrahlwinkel des Frontlichts korrekt eingestellt, verstellt es sich nicht mehr. Es sitzt so fest wie der Lenker am Vorbau.

Der Preis: Das Sneak+ wird in drei Größen und den Rahmenfarben Schwarz und Weiß angeboten. Es kostet 2349 Euro inklusive Versand innerhalb Deutschlands. Damit liegt es auf dem Niveau der Konkurrenz wie von VanMoof, Cowboy oder Ampler. Wer 150 Euro mehr zahlt, bekommt die EQ-Ausführung mit Schutzblechen und Riemenantrieb.

Das Fazit: Unterwegs in der Stadt, von A nach B, ist das Sneak+ ein stylisher Begleiter mit angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis, der allerdings kein Gepäck an Bord nehmen kann. Wer Integration am Stadtrad liebt, wird vor allem an der unauffälligen Lichtanlage Gefallen finden. Ein Plus an Alltagstauglichkeit bietet die EQ-Version mit Schutzblechen. Dann aber leidet der Minimalismus.

© dpa

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