Autoreparatur: Geld mit gebrauchten Ersatzteilen sparen

Wer bei der Autoreparatur auf gebrauchte Teile setzt, kann ordentlich Geld sparen. Allerdings bieten viele Werkstätten das von sich aus nicht an - oft aus Gründen der Sicherheit oder wegen Garantien.
Mit gebrauchten Auto-Ersatzteilen sparen
Auf Halde: Gerade bei älteren Autos können gebrachte Teile vom Verwerter Reparaturkosten überschaubarer machen. © Marijan Murat/dpa/dpa-tmn

Stoßdämpfer, Türen, Scheinwerfer oder auch ein Lenkrad - die Liste der Teile ist lang, die bei der Verwertung eines Autos anfallen. Und je nachdem wie alt der Wagen war, handelt es sich oft noch um neuwertige Fahrzeugteile, die eigentlich zu schade sind, um sie wegzuschmeißen. Aber geht das überhaupt, ein Auto mit gebrauchten Teilen zu reparieren?

Welche Teile eignen sich für eine Reparatur mit Gebrauchtteilen?

«Grundsätzlich können alle Teile durch Gebrauchtteile ersetzt werden. Bei Verschleißteilen muss man natürlich sehr genau darauf achten, dass diese noch genügend Rest-Haltbarkeit besitzen», sagt Arnulf Thiemel vom ADAC. Besondere Vorsicht ist aber bei sicherheitsrelevanten Gebrauchtteilen angeraten.

Wenn diese etwa von einem Unfallauto stammen, dessen genaue Beschädigungen nicht bekannt sind, sollte man gegebenenfalls lieber andere Teile wählen, rät Thiemel und sagt: «Bei einem kleinen Parkrempler vorn mag ein gebrauchter Hinterachslenker vertretbar sein, sofern er sonst keine Beschädigungen aufweist. Bei einem Auffahrunfall im Heck dagegen nicht.»

Speziell bei Design- und Innenraumteilen hingegen gibt es dem ADAC zufolge nach einigen Jahren manchmal gar keine Neuteile mehr. Viele Autohersteller und Drittanbieter würden mittlerweile auch generalüberholte Teile anbieten. «Die sind in der Regel deutlich günstiger, bieten aber die gleiche hohe Qualität - teilweise sogar mit voller Neuteilgarantie», so Thiemel.

Bieten das alle Werkstätten an?

Markenwerkstätten verbauen - teilweise erst auf Nachfrage - zum Teil industriell aufbereitete Teile ihres Herstellers. «Freie Werkstätten bieten manchmal auch Reparaturen mit Gebrauchtteilen an», sagt Thiemel. Allerdings kann dann die Haftung dafür ausgeschlossen werden, weil nicht jede Werkstatt zwingend Teile von einem Verwerter bezieht, der Garantie darauf gibt.

Schwierig wird es laut Thiemel auch, wenn ein solches Teil kaputt geht. «Den Ausbau und das neue beziehungsweise andere Teil muss dann meist der Kunde bezahlen. Denn es ist schwer zu unterscheiden, ob das Teil selbst schon einen Mangel hatte - oder ob der Mangel beim Einbau von der Werkstatt verursacht wurde», sagt Thiemel.

Was sagt das Kraftfahrzeuggewerbe?

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) hat sich bereits vor Jahren mit Gebrauchtteilen befasst, speziell im Zusammenhang mit Unfallreparaturen - und nennt Unsicherheiten.

«Wesentliche Voraussetzung für den Einsatz von Gebrauchtteilen ist, dass diese Teile eindeutig identifiziert werden können und dass bei Verwendung dieser Teile kein Sicherheitsrisiko entsteht», sagt Ulrich Köster vom ZDK. Insbesondere bezogen auf die Problematik der eindeutigen Identifizierung gebrauchter Ersatzteile jedoch habe sich deren Verwendung bislang nicht durchgesetzt.

Heißt: Bei einem Gebrauchtteil kann zuweilen nicht ganz klar erkennbar sein, um welches es sich handelt - etwa weil eine entsprechende Bezeichnung oder Markierung wie ein Farbcode fehlt.

Ein entsprechender Anforderungskatalog von Marktteilnehmern wie dem ZDK wurde zwar erstellt, aber noch nicht umgesetzt. Um möglichen Haftungsfragen aus dem Weg zu gehen, verzichten dann manche Werkstätten auf den Einsatz.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial?

Sehr hoch. Wenn alles glattgeht, kann man dem ADAC deutlich Geld sparen. Insbesondere dann, wenn man einfachere Reparaturen mit nicht sicherheitsrelevanten Gebrauchtteilen selbst durchführt. Hagen Hamm beziffert das Einsparpotenzial auf gut 50 Prozent.

Sind Gebrauchtteile genauso sicher wie Neuteile?

Das hängt dem ADAC zufolge stark davon ab, aus welcher Quelle sie stammen. Wenn sie von großen, bekannten Verwertern stammen, geprüft wurden und mit einer Garantie versehen sind, ist das Risiko überschaubar.

Anders sieht es bei Teilen aus unbekannten Quellen oder von privat aus, wenn es keine Infos zu weiteren Beschädigungen des Autos gibt. Hier und bei sicherheitsrelevanten Teilen rät der ADAC dazu, auf ein anderes Angebot oder aber ein aufbereitetes Original- beziehungsweise Neuteil zu setzen.

Wo gibt es Gebrauchtteile?

Generalüberholte Teile gibt es zum Teil bei Herstellern oder Drittanbietern. Daneben bieten die Fahrzeugverwerter gebrauchte Teile direkt an. «Über ein Online-Formular kann jeder gezielt nach dem Fahrzeugmodell suchen, für das er ein Teil benötigt», sagt vom Verbund deutscher Autoverwerter.

Die Branche ist gut vernetzt und bietet über ihr Portal www.ecarsearch.de neben der Teilesuche auch die Suche nach einer passenden Werkstatt an, die das Gebrauchtteil einbauen kann.

Wirken sich die Gebrauchtteile auf die Pkw-Garantie aus?

Das kommt auf den Einzelfall an. «Bei einem Neuwagen mit laufender Herstellergarantie sehen die Garantiebedingungen oft vor, dass ausschließlich neue Originalersatzteile des Herstellers zur Reparatur verwendet werden dürfen», so der ZDK.

Das betrifft also vor allem jüngere Fahrzeuge. Besteht für ein Fahrzeug eine Gebrauchtwagengarantie, kommt es auch hier darauf an, inwiefern die Bedingungen eine Reparatur mit Gebrauchtteilen zulassen.

Gibt es auf gebrauchte Autoteile eine Teilegarantie?

Bei Teilen aus seriöser Quelle ja. Die Garantiedauer kann jedoch variieren. «Wir geben auf alle Teile immer sechs Monate Garantie», sagt Hagen Hamm. Bei generalüberholten Teilen von Herstellern oder Drittanbietern kann die Garantiezeit variieren.

Warum werden Gebrauchtteile nicht häufiger verbaut?

Das liegt Hamm zufolge hauptsächlich an drei Gründen:

  • Das Auto hat noch Garantie, wird also beim Händler repariert und der greift in der Regel zu Neuteilen, weil das auch so in den AGB steht.
  • Die Reparatur wird von der Versicherung bezahlt. «Gerade Versicherungen sind in dem Punkt zurückhaltend. Sie haben oft spezielle Vereinbarungen mit Werkstätten und sparen eher auf diesem Weg Kosten ein», sagt Hagen Hamm.
  • Das Fahrzeug ist geleast. Und dann fordern in der Regel die Vertragsbedingungen eine Reparatur mit originalen Neuteilen.

© dpa ⁄ Claudius Lüder
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