Leuchtende Information

16.05.2022 Hochtechnologie spielt in Zukunft nicht mehr nur bei Antrieb und Infotainment eine Rolle, sondern auch beim Thema Licht. Neben der Sicherheit wird auch der Spieltrieb gefördert, wie Audi demonstriert.  

SP-X/Ingolstadt. Der Leiter Entwicklung Beleuchtung Innovation Michael Kruppa steht im unterirdischen Licht-Versuchskanal der Marke Audi neben dem A6 E-Tron Concept und zockt ein Videospiel. Die Grafik dafür werfen die Scheinwerfer der Studie an die Wand. Was ein bisschen nach Science Fiction klingt, ist schon zu einem großen Teil Realität. Denn Grafiken an die Wand werfen können die Leuchteinheiten des aktuellen Audi A8 jetzt schon – sie tun es beispielsweise zur Verabschiedung seiner Besatzung. „Erweiterte Lichtinszenierung“ heißt dieses Feature, und der User kann über das MMI-Benutzersystem aus verschiedenen, dynamischen Projektionen auswählen. So weit, so spielerisch.

Doch die Hightech-Scheinwerfer haben natürlich einen ernsteren Hintergrund. Sie sollen die aktive Sicherheit erhöhen und letztlich auch den Komfort insbesondere bei nächtlichen Überlandfahrten. Das demonstriert Audi denn auch bei einer Ausfahrt durch das ländliche Altmühltal nach Sonnenuntergang.  

Adaptive Scheinwerfer haben eine massive technische Entwicklung hinter sich. Anfangs war es bei diesen Leuchteinheiten so, dass mechanische Walzen eingesetzt wurden, um den Lichtkegel schablonenhaft zu lenken. Damit gab es die Möglichkeit, Leuchtbereiche auszublenden, um dauerhaft mit Fernlicht fahren zu können, ohne entgegenkommende Verkehrsteilnehmer zu blenden – seien es Fußgänger oder Autofahrer. Heute setzen die Ingolstädter einen Scheinwerfer ein, der über 1,3 Millionen Mikrospiegel verfügt; diese sind in der Lage, das Licht so kleinteilig zu zerlegen, dass es nicht nur maximal selektiv verteilt werden kann, sondern dass sogar komplexe Bilder und Grafiken dargestellt werden können analog zu einem Bildschirm.  

Dieses Potenzial machen sich die Oberbayern auch zunutze, um Grafiken auf den Boden zu projizieren. Dabei ist dieses Unterfangen nicht ganz einfach, wie Scheinwerfer-Entwicklungsleiter Michael Hamm erklärt. Denn neben der Auseinandersetzung mit den Behörden über die Thematik, was man überhaupt auf den Boden projizieren dürfe (Verkehrsschilder beispielsweise nicht), müssen die Techniker auch das richtige Helligkeitsmaß finden. Sind die erzeugten Grafiken zu hell, stören sie das Leuchtbild, oder womöglich Behörden. Sind sie zu dunkel, ist die Wahrnehmbarkeit eingeschränkt.  

In der Praxis kristallisiert sich heraus: Einen Tick prägnanter könnten die eingesetzten Spurführungspfeile schon sein. Wobei sich auch die Frage nach Auswahl projizierter Symbolik stellt. Spannender als die Hilfestellung bei der Spurführung, die nur in seltenen Fällen unklar ist, könnten Tempolimit-Schilder im Baustellenbereich sein oder ein Hinweis auf Glätte beispielsweise vor Brücken in winterlichen Situationen. Einsatzmöglichkeiten gibt es also genug, aber die bürokratischen Hürden wollen ebenfalls genommen werden – in diesem Spannungsfeld bewegen sich Techniker und Juristen.  

Allerdings nutzen die Ingolstädter einen Trick: Die projizieren zwar keine offiziellen Verkehrsschilder auf den Boden, aber ein Warndreieck mit Ausrufezeichen beispielsweise gibt es schon, falls über das digitale Netzwerk die Info einer Unfallmeldung oder Panne an den Rechner des Fahrzeugs herangetragen wird. Auf diese Weise warnt das Auto den Fahrer vor einem am Fahrbahnrand liegengebliebenen Pannenauto oder eben vor dem entsprechenden Unfallgeschehen. Hilfreich ist darüber hinaus die Erweiterung der selektiven Fahrbahnausleuchtung. Vollzieht der Fahrer einen Spurwechsel, werden die Fahrstreifen prägnanter ausgeleuchtet – außerdem erzeugt der Scheinwerfer bei Betätigung des Blinkers einen kleinen, ebenfalls blinkenden Leucht-„Rand“. Freilich haben die Lichtingenieure längst darüber nachgedacht, den Blinker gleich auf den den Boden zu projizieren, aber dann begäbe man sich wieder auf juristisches Glatteis. Für die Zukunft sind solche Szenarien aber denkbar.

Audis Lichtspiele beschränken sich indes keinesfalls nur auf die Frontscheinwerfer. Auch mit den grazilen OLED-Rückleuchten lassen sich manche hübschen Dinge anstellen, die durchaus auch sicherheitsrelevant sein können. So signalisieren die Schlussleuchten dem Hintermann durch Aktivierung aller Leuchtelemente, dass er sich auf das Fahrzeug zubewegt. Ob der Fahrer des hinteren Fahrzeugs diese Interaktion allerdings wahrnimmt, wenn er versehentlich losrollt, ist fraglich. Hier wären wieder die Behörden am Zug, denn die Technik erlaubt deutlich mehr Kommunikation. Audis schnieke OLED-Elemente könnten auch nach hinten komplexe Grafiken darstellen – da wäre es kein Problem, beispielsweise ein flackerndes Warndreieck zu platzieren, um den Hintermann hr zu warnen. Immerhin – mit einer konfigurierbaren Begrüßungs- und Verabschiedungssignatur dürfte Audi die Herzen mancher Kunden gewinnen. Während dieses Gimmick beim A8 sogar serienmäßig ist, muss der Lichttechnik-Fan für das digitale Matrixlicht 1.820 Euro extra berappen. Ein Kurs, der in der Oberklasse vermutlich zu verschmerzen ist.

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