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US-Geheimchat: Magazin veröffentlicht alle Nachrichten

Die Affäre um den brisanten Gruppenchat der Trump-Regierung weitet sich aus. Nachdem diese die Vorwürfe zurückwies und die Integrität der Enthüller infrage stellte, legen die nun alles offen.
Trumps Wunsch-Verteidigungsminister Hegseth
Hat Pentagon-Chef Hegseth Informationen via Signal geteilt, die als vertraulich eingestuft waren? Die US-Regierung bestreitet das. (Archivbild) © Alex Brandon/AP/dpa

In der Geheimchat-Affäre gerät die Regierung von US-Präsident Donald Trump zunehmend in Bedrängnis. Nachdem Trumps Mannschaft alle Vorwürfe zurückgewiesen und die Integrität der Enthüller infrage gestellt hatte, legte das US-Magazin «The Atlantic» nun den gesamten Chatverlauf offen. Daraus geht hervor, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth etwa eine halbe Stunde vor dem Beginn einer US-Militäroperation gegen die Huthi-Miliz im Jemen Mitte März in der Chatgruppe im Detail den Zeitplan, die genaue Abfolge der Bombardierung und die eingesetzten Waffensysteme teilte. 

Der Chefredakteur des Magazins, Jeffrey Goldberg, war - wohl aus Versehen - in den Gruppenchat ranghoher Regierungsmitglieder eingeladen worden und konnte die Pläne über die bevorstehende US-Militäraktion im Jemen dort live mitlesen. Er machte das dramatische Sicherheitsversagen später mit einem langen Artikel publik. Seitdem ist die Trump-Regierung in Erklärungsnot - was sich durch die neuen Details nur verschärft. 

Sicherheitsversagen von immensem Ausmaß

Mitglieder des Gruppenchats waren die obersten Führungsköpfe zur nationalen Sicherheit der USA: neben Hegseth unter anderem Trumps Stellvertreter J.D. Vance, Trumps Nationaler Sicherheitsberater Mike Waltz, der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, und die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard. Waltz hatte die Gruppe eingerichtet und dabei den Journalisten Goldberg hinzugefügt. 

Dass ranghohe Regierungsmitglieder überhaupt sensible Informationen über die kommerzielle App Signal austauschen, ist bereits ein Bruch mit den üblichen Sicherheitsstandards. Dass dort Details über einen bevorstehenden Militärschlag erörtert wurden - noch dazu vor den Augen eines Reporters, dessen Anwesenheit sich niemand bewusst war, gilt als Sicherheitsversagen von immensem Ausmaß. 

Trump-Regierung: Keinerlei vertrauliche Informationen

Das «Atlantic»-Magazin hatte zuerst lediglich auszugsweise aus dem Chatverlauf zitiert, die militärischen Details aus Rücksicht auf die Sicherheit von US-Soldaten jedoch ausgelassen. Trump, Waltz und andere Beteiligte und führende Regierungsmitglieder behaupteten jedoch unisono öffentlich, dass in dem Chat keinerlei vertrauliche Informationen geteilt wurden. Auch Hegseth bestritt vehement, «Kriegspläne» übermittelt zu haben. Stattdessen diskreditierten sie den «Atlantic» und dessen Chefredakteur. 

Das Magazin entschied sich daher für die Veröffentlichung auch der heiklen militärischen Passagen. «Es besteht ein eindeutiges öffentliches Interesse daran, die Art von Informationen offenzulegen, die Trump-Berater in unsicheren Kommunikationskanälen ausgetauscht haben», schrieb das Magazin zur Begründung - insbesondere, weil die Trump-Regierung versuche, die Bedeutung der Nachrichten herunterzuspielen. Man habe vor der Veröffentlichung verschiedene Regierungsmitglieder gefragt, ob sie Einwände hätten. Die meisten hätten nicht reagiert. Das Weiße Haus sei gegen die Veröffentlichung gewesen. 

Wetter, Kampfjet-Startzeiten, Reihenfolge

Die Nachrichten haben es in sich. Aus den Screenshots des Chatverlaufes geht hervor, dass Hegseth am 15. März kurz vor dem Beginn des US-Militärschlages im Jemen Einzelheiten zum geplanten Ablauf in dem Signal-Chat postete - inklusive Wetter, Startzeiten von F-18-Kampfjets und Drohnen und Reihenfolge der Angriffe. Wörtlich heißt es unter anderem: «Zielterrorist befindet sich an seinem bekannten Aufenthaltsort.» Genaue Orte der Militäraktionen nannte er in seiner Nachricht nicht. 

Trumps Sicherheitsberater Waltz spielte dies einmal mehr herunter und schrieb auf der Plattform X über die neue Enthüllung: «Keine Standorte. Keine Quellen und Methoden. Keine Kriegspläne.» Außerdem seien ausländische Partner bereits vorab über die bevorstehenden Angriffe informiert worden. 

In einer Stellungnahme des Pentagon hieß es wenig später, der «Atlantic» verbreite Fehlinformationen. Es handele sich um einen «erbärmlichen Versuch» des Magazins, von Trumps Sicherheitspolitik ablenken zu wollen. Die zusätzlich veröffentlichten Chatnachrichten bestätigten demnach, dass keine geheimen Informationen geteilt worden seien. Hegseth habe die Gruppe lediglich über einen bereits laufenden Einsatz informiert, der zuvor über offizielle Kanäle kommuniziert worden sei. 

US-Soldaten in Lebensgefahr?

Demokraten und Fachleute werten die Verbreitung derart konkreter Informationen zu einem unmittelbar bevorstehenden Militärschlag über einen Messenger-Dienst, der nicht ansatzweise den Sicherheitsstandards für den Austausch solcher Informationen genügt, jedoch als kompletten Tabubruch, der jene Soldaten, die an dem Einsatz beteiligt waren, in Lebensgefahr brachte. 

So schrieb eine frühere Sprecherin des Verteidigungsministeriums aus der Amtszeit des Demokraten Joe Biden, Sabrina Singh, auf X, Hegseth habe den Ablauf der gesamten Operation und die Flugzeugtypen offengelegt, bevor die Operation überhaupt stattgefunden habe. «Er setzte das Leben unserer Kampfpiloten aufs Spiel. Details wie diese sind geheim. Ich bin absolut fassungslos.»

Das US-Militär hatte Mitte März auf Befehl von Trump massiv Stellungen der Huthi-Miliz im Jemen angegriffen. Die Militärschläge gegen die Huthi gehen seitdem weiter. Die Miliz beherrscht große Gebiete in der Region und vor allem im Jemen. Sie fing nach Ausbruch des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2023 damit an, den jüdischen Staat aus Solidarität mit der islamistischen Terrororganisation mit Raketen und Drohnen anzugreifen. Zudem begannen sie mit Angriffen auf Schiffe - vor allem solche mit angeblicher Verbindung zu Israel - die entlang der Küste des Jemen auf einer der für den Welthandel wichtigsten Seefahrtrouten unterwegs sind.

Interne Diskussion über Außendarstellung der Angriffe

Die ranghohen Regierungsmitglieder diskutierten in dem Chat auch hitzig, wie die Attacken gegen die Huthi nach außen hin dargestellt werden sollten - und ob nicht am meisten Europa für seinen Handel davon profitiere, wenn die Schifffahrtsstraßen in der Region wieder sicher gemacht würden. 

So schrieb Vance demnach: «Ich hasse es einfach, Europa wieder aus der Klemme zu helfen.» Hegseth antworte: «Ich teile voll deine Abscheu vor dem europäischen Schmarotzen. Das ist erbärmlich.» An anderer Stelle zweifelte Vance offen an, ob sein Chef Trump sich im Klaren sei, wie die Aktion mit Blick auf seinen sonstigen Kurs zu Europa ankomme: «Ich bin mir nicht sicher, ob sich der Präsident bewusst ist, wie sehr dies im Widerspruch zu den aktuellen Botschaften über Europa steht.»

© dpa
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