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Ukraine-Krieg: Auch im Internet wird gekämpft

Seit wenigen Tagen ist die Welt nicht mehr, wie sie war. Mit seiner Invasion der Ukraine hat Russland Völkerrecht gebrochen und den Krieg zurück nach Europa gebracht. Auch im Netz tobt die Auseinandersetzung.
Russische gepanzerte Fahrzeuge
Ukraine-Konflikt
Wladimir Putin
Mark Zuckerberg
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Wenn man es genau nimmt, führt der russische Präsident Wladimir Putin im Internet schon länger Krieg gegen die Ukraine im Besonderen und den Westen im Allgemeinen. Dabei bedient er sich vieler Kanäle, um die öffentliche Meinung im Ausland, aber auch in Russland selbst zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

AfD, Lega & Co.

Im Westen hat Putin Freunde vor allem auf den extremen Flügeln des Parteienspektrums. In Frankreich ist die rechtsradikale Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen seine größte Bewunderin – und Schuldnerin, steht sie doch bei russischen Banken in der Kreide. In Italien machte sich in den letzten Jahren Matteo Salvini von der antieuropäischen Lega für Russlands Sache stark und zeigte sich beim Besuch in Moskau sogar mit einem Putin-Fan-Shirt. In Ungarn regiert mit Viktor Orban ein Präsident, der selbst Justiz und Medien gleichgeschaltet und nur wegen massiven Drucks aus Brüssel für die EU-Sanktionen gegen Russland gestimmt hat. Lieferungen von Militärmaterial an die Ukraine durch Ungarn erlaubt er jedoch nicht. Und last but not least in Deutschland sind die Linkspartei auf der einen und die AfD auf der anderen Seite des politischen Spektrums eng mit dem Kreml verbandelt.

Alle diese Parteien bedienen sich seit Jahren der sozialen Medien, um für ihre eigenen Sache und die Putins zu trommeln. Einige tun es jetzt, wo der Diktator seine Maske fallen gelassen hat, immer noch. Ein besonders widerliches Beispiel ist die AfD in Sachsen-Anhalt, die ein Video verbreitete, die Putins Angriffskrieg als „berechtigt“ einstufte. Doch machen wir uns nichts vor! Die Fans der deutschen Rechtsausleger finden sich massenhaft in den Kommentarspalten der Facebook-Accounts wichtiger Publikationen wie „Spiegel“, „Zeit“ oder „Welt“ und regionaler Medien wie z.B. der „Rheinischen Post“ aus Düsseldorf.

Oder sie kommen wie Tobias Levels aus der Ecke der Verschwörungstheoretiker. Der frühere Fußball-Profi von Fortuna Düsseldorf, Borussia Mönchengladbach und FC Ingolstadt bezeichnete den russischen Krieg in der Ukraine als „Fake“, verbreite aber früher schon völlig absurde Corona-Theorien.

Putins Troll-Armada

Darüber hinaus ist vor allem auf Facebook eine ganze Armada russischer Trolle aktiv, die das skrupellose Verhalten des Kreml-Herrschers als „notwendige Operation gegen die Nazis in Kiew“ preisen oder sich wahlweise über den „baldigen Einmarsch der Russen in Berlin“ freuen. Gern wird auch die Mär vom „Versprechen“ der NATO erzählt, wonach die Osterweiterung des Bündnisses gegen eine alte Vereinbarung mit Moskau verstoße.

Alles Bullshit, der mit Verweis auf entsprechende Quellen wie Wikipedia schnell entkräftet werden kann, aber darum geht es auch gar nicht. Immer wieder will man Fake News verbreiten, denn irgendwas wird in den Köpfen der Leser schon hängen bleiben. Das ist der Auftrag von Putins Trollen, die in Friedenszeiten in ihrer Zentrale in St. Petersburg 600 Köpfe zählten und nun zahlenmäßig aufgestockt worden sein dürften. Darüber hinaus haben diese Spezialisten zahlreiche Bots geschaffen, also Maschinen, die die sozialen Medien mit Myriaden von Fake News überschwemmen.

Wie damit umgehen?

Wie sollten westliche Medien damit umgehen? Nun, die meisten Verlage oder Sender lassen die Trolle und Bots einfach in Ruhe und freuen sich wohl insgesamt über deren Aktivitäten, denn je mehr echte User echauffierte Gegen-Posts verfassen, um so höher die Monetarisierung. Manche Verlage und Sender setzen jedoch Mitarbeiter an, um die Posts der Putin-Fanboys zu löschen oder diese in ein Gespräch zu verwickeln, sofern es sich überhaupt um echte Menschen handelt, die hinter den Botschaften stecken. Manche gehen aber auch wie die Radiosendung „Zündfunk“ des Bayerischen Rundfunks so weit, dass sie die Kommentarspalten bei übermäßig vielen Troll-Posts einfach sperren.

Doch wie erkennt man Trolle? Ganz einfach: In der Regel gehen diese nach dem Absetzen ihrer Fake News gar nicht weiter auf Gegenargumente ein. Auch ein Facebook-Account ohne Gesicht und vor allem ohne Freunde ist ein Hinweis auf ein Fake-Profil. Wenn man sich nicht sicher ist, einfach mal einen verbalen Schlag unterhalb der Gürtellinie platzieren und schauen, ob eine Reaktion kommt. Bleibt diese aus, war wohl wieder mal Kolja aus St. Petersburg am Rechner und schon längst mit dem nächsten Post beschäftigt.

Facebook contra Kreml

Facebooks Muttergesellschaft Meta hat sich dieses Treiben über Jahrzehnte angesehen – und natürlich auch finanziell davon profitiert, doch selbst Mark Zuckerbergs Unternehmen ist es jetzt zu viel geworden. Auf Facebook und Instagram sind die Accounts der russischen Auslands-Propagandasender Russia Today und Sputnik in der EU nicht mehr erreichbar.

Allerdings muss man dazu sagen, dass auch auf Googles Video-Plattform YouTube, auf Twitter sowie auf Tiktok keine russische Propaganda mehr zu finden ist – dem Druck aus Brüssel und Washington sei Dank. Einzig der Instant-Messaging-Dienst Telegram bleibt ein offener Kanal, wohl auch, weil der in Dubai ansässige Anbieter ursprünglich von Russen gegründet wurde.

Die Gegenreaktion der russischen Seite ließ nicht lange auf sich warten. Facebook und Twitter wurden in dem Riesenreich kurzerhand gesperrt. Das passt aber auch sehr gut zum übrigen Vorgehen gegen westliche Medien, die wegen eines neuen Fake-News-Gesetzes ihre Korrespondenten aus Russland abziehen. Wer die russischen Streitkräfte „verunglimpft“, riskiert bis zu 15 Jahre Lagerhaft. Was Fake News sind, setzt natürlich die Moskauer Zensurbehörde fest. Es dürfte interessant sein zu beobachten, was die 820 Gigabyte Daten ergeben werden, die die Hacker-Gruppe Anonymous von den Servern dieser Behörde gezogen hat.

Mutige Russen

Insofern ist der Mut derjenigen, die in russischen Städten gegen den Krieg auf die Straße gehen, einfach nur zu bewundern. Mittlerweile ist schon eine fünfstellige Zahl an Demonstranten für ihre Meinungsäußerung festgenommen worden. Mutig ist aber auch, wer trotz der von Putin vorgegebenen Kriminalisierung das Internet nutzt, um seinen Protest gegen die völkerrechtswidrige Invasion zum Ausdruck zu bringen.

Dabei kommt in diesen Tagen Google Maps eine Schlüsselrolle zu. Zwar spielt Google in Russland wegen des örtlichen Konkurrenten Yandex als Suchmaschine nicht so eine wichtige Rolle wie im Westen, aber gerade in den Tagen seit dem Beginn des russischen Ukraine-Feldzugs kann man zunehmende Aktivitäten im Bereich der Rezensionen für Restaurants, Dienstleister und andere Firmen registrieren.

Da wird ein Moskauer Edel-Restaurant gar nicht bewertet, sondern nur geschrieben: „Putins Krieg gegen die Ukraine ist ein Verbrechen. Er bombardiert vor allem Zivilisten.“ Der Kommentar wird von Googles Algorithmen zwar bald als nicht zielführend erkannt und gelöscht und manchmal sind es auch die Geschäftsführer der betroffenen Etablissements selbst, die die Lösung beantragen, aber immer wieder erscheinen kurzzeitig sichtbare politische Nachrichten, die die russische Bevölkerung aufrütteln möchten.

Selenski in Hochform

Auch auf ukrainischer Seite hat man erkannt, dass die sozialen Medien Chancen bieten dem militärisch überlegenen Gegner zumindest moralisch zu schlagen. Bestes Beispiel ist der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, der vornehmlich YouTube, Facebook und Twitter für seine Botschaften auf Ukrainisch und Russisch nutzt, um den Durchhaltewillen der eigenen Armee und Bevölkerung zu stärken und gleichzeitig die Entrüstung in Russland über den Krieg gegen ein slawisches „Brudervolk“ zu schüren.

Man merkt, dass Selenski im früheren Leben Komiker und Schauspieler war. Das ist gar nicht abschätzig, sondern bewundernd gemeint, denn zum einen braucht es Mut um im belagerten Kiew auszuharren und zum anderen nutzt der erst 44-jährige Politiker die wichtigsten Regeln der Kommunikation über soziale Medien in geradezu begnadeter Art und Weise: Er liefert ständig neue Posts nach, wechselt die Themen und lässt sich an verschiedenen Orten Kiews filmen. So schafft er es seine Follower im In- und Ausland bei der Stange zu halten und eine vertraute Beziehung zu ihnen aufzubauen.

Dagegen sieht der 70-jährige Putin im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Er wendet sich fast ausschließlich über die klassischen Staatsmedien, also TV und Radio, an die eigene Bevölkerung und hat der modernen Zielgruppe im Westen – außer den besagten Wirrköpfen – kommunikativ nichts zu bieten. Das könnte auch daran liegen, dass Putin, so sagt man, zwar Hacker und Trolle als probates Mittel im Kampf gegen die Ukraine und den Westen sieht, das Internet privat aber überhaupt nicht nutzt.

Hoffnung auf Frieden

Die Erfahrungen mit dem Verhalten der russischen Armee in Tschetschenien, Syrien, Georgien und der Ost-Ukraine im Jahr 2014 lassen für die Menschen in der Ukraine nichts Gutes erwarten und dennoch könnte dieser Krieg bald enden, weil Putin aufgrund der nie dagewesenen westlichen Sanktionen schlicht das Geld ausgeht, um ihn zu führen – weder mit Panzern noch mit Fake News. Die Hoffnung, dass die Ukrainer bald wieder in Frieden leben können, bleibt weiter bestehen.

Und das Schöne an den sozialen Medien ist ja, dass sie nicht nur zum virtuellen Krieg taugen, sondern auch die Koordination von Hilfe ermöglichen. Die Bilder von flüchtenden Menschen auf Facebook, Twitter, YouTube & Co haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es im Westen eine massive Bereitschaft zur Unterstützung gibt.

© Tom Meyer
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