Streit zwischen Apple und Google: Was bringt uns RCS?

Google und Apple beherrschen gemeinsam den globalen Smartphone-Markt und sind deshalb erbitterte Konkurrenten. Dieses Konkurrenzdenken geht mitunter so weit, dass die Kunden beider Konzerne darunter leiden. Neuestes Objekt im ewigen Streit der Giganten ist RCS.

Apple entwickelt iMessage

Wie so oft konnten oder wollten sich Apple und Google nicht auf die Entwicklung eines Instant-Messaging-Dienstes einigen, der sowohl von iPhones als auch von Android-Smartphones unterstützt wird. Dabei war schon vor Jahren klar, dass die antiquierte SMS und die erfolglose MMS einen funktionierenden und populären Nachfolger brauchten.

Apple stellte 2011 vielmehr seinen eigenen Dienst iMessage vor, der 2016 mit der Einführung der Betriebssystem-Version iOS 10 einige Veränderungen erfuhr. So gab es ab dann die Möglichkeit innerhalb des Chats ein Spiel zu spielen oder Sticker anzukleben. Spiele und Sticker konnten aus dem AppStore geladen werden oder wurden bei der Installation von Apps automatisch mitinstalliert.

Mit dem anstehenden Update auf iOS 14 wird iMessage laut Apple um weitere Funktionen ergänzt. Dazu zählen z.B. das Antworten auf Nachrichten, ähnlich wie beim Konkurrenten WhatsApp.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Interessanterweise diskutierte man in der Apple-Chefetage schon 2013 darüber, ob es nicht sinnvoll sein könnte, iMessage in eine plattformübergreifende Lösung zu integrieren, um die Kommunikation zwischen iPhones und insbesondere Android-Smartphones zu ermöglichen. Das wurde aber damals verworfen.

Im Prinzip entschied Apple damals richtig, hat der Konzern mit dem Apfel-Logo doch im wichtigen US-Heimmarkt derzeit einen Anteil von 80 Prozent bei den Instant-Messaging-Diensten. 2013 war noch nicht abzusehen, dass 2014 WhatsApp auf den Markt kommen würde. Dieser Dienst funktioniert aber im Gegensatz zu iMessage und RCS plattformübergreifend und ist deshalb mittlerweile auch weltweit führend.

Google entwickelt RCS

RCS, das steht für „Rich Communication Services“ und geht eigentlich auf eine Initiative des Branchenführers Nokia zurück, der dem Branchenverband GSMA 2008 einen Nachfolger für die damals schon antiquierte SMS vorschlug. Seit 2011 hieß die technische Plattform RCS und 2012 wurde der Dienst unter dem Markennamen Joyn unter anderem von Vodafone gestartet.

RCS wird seit 2015 von Google angeboten. Seither ist RCS auf vielen Android-Smartphones vorinstalliert, nämlich im Rahmen der Nachrichten-App Messages. Es gibt aber auch native Nachrichten-Apps von Herstellern wie z.B. Samsung, die RCS „verstehen“.

Über RCS können Bilder, Texte und Links versendet werden. Selbst eine gezielte Kommunikation zwischen Mobilfunk-Provider und Kunde ist möglich. Lange Zeit hatte RCS daran zu knabbern, dass der Instant-Messaging-Dienst – anders als der Konkurrent WhatsApp – keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bot. Dieses Problem löste Google im Jahr 2021.

Mieses Nutzererlebnis

Es wäre also nur logisch, dass Google und Apple sich nun daran setzen würden RCS und iMessage so miteinander zu verknüpfen, dass Android-Nutzer den Inhalt einer iMessage-Nachricht korrekt angezeigt bekommen und umgekehrt – doch das Gegenteil ist noch immer der Fall.

So können RCS-Inhalte auf dem iPhone gar nicht dargestellt werden. Umgekehrt kommend die von Apple-Nutzern versendeten Bilder, Videos und andere Medien unter Android so extrem komprimiert an, dass sie kaum noch zu erkennen sind. Das liegt daran, dass Apple diese Nachrichten als SMS bzw. MMS versendet und daher extrem verkleinert.

Google will Apple schon seit langem davon überzeugen stattdessen RCS als Back-Up für Android-Nutzer zu verwenden und verhandelt mit dem Konkurrenten hinter verschlossenen Türen, aber offenbar stößt man bei Apple noch immer auf taube Ohren. Schon vor einigen Monaten ging Google in die Offensive, doch jetzt bekommt die Kampagne nochmal eine ganz andere Dimension.

Druckaufbau per Petition

Google versucht Apple mit einem altbekannten Mittel unter Druck zu setzen. Unter „Get The Message“ ist eine Petition auf Twitter verlinkt, mit der Apple zum Umdenken gezwungen werden soll – Google versucht also die Smartphone-User gegen Apples Blockade-Haltung zu mobilisieren.

Auf derselben Seite führt Google die Vorteile von RCS gegenüber SMS und MMS auf. Zudem sind hier einige Beispiele frustrierter User zu sehen, die nicht mit ihren Freunden kommunizieren können nur, weil sie unterschiedliche Betriebssysteme nutzen.

Während die Situation in den USA festgefahren scheint, scheint diesseits des Atlantiks Bewegung in die Sache zu kommen. Der neue „Digital Markets Act“ des Europäischen Parlaments sieht nämlich vor, dass populäre Messenger-Dienste kompatibel mit kleineren Messengern werden sollten.

Druck aus Brüssel

Konkret heißt das, dass Brüssel möchte, dass sich die Marktführer WhatsApp, Facebook Messenger und iMessage für Wettbewerber öffnen müssen. Das betrifft nicht nur Nachrichten, sondern auch Dateien und Video-Telefonate. Eine „Interoperabilität“ der Messenger-Dienste soll dafür sorgen, dass Nutzer die freie Wahl bei ihrer App haben, aber alle kommunizieren können.

Das könnte die Chance für RCS sein, doch noch zum plattformübergreifenden Standard zu werden, als der RCS einst ersonnen wurde. Die Chancen stehen nicht schlecht, doch es dürfte noch einige Zeit vergehen, bis eine Entscheidung aus Brüssel ansteht.

Andererseits hat die EU schon einmal für klare Verhältnisse gesorgt, als die USB-Typ-C-Schnittstelle zur Standardschnittstelle für Smartphones und andere elektronische Geräte in Europa wurde, nachdem die Hersteller jahrelang ihr eigenes Süppchen gekocht und Unmengen von Elektronikschrott verursacht hatten. Eine ähnliche Entscheidung im Sinne der Verbraucher wäre auch jetzt angebracht.

© Tom Meyer
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