Luca-App: Zweites Leben nach Corona

15.02.2022 Die Luca-App verliert mit dem Wegfall der Kontaktverfolgungen ihren eigentlichen Zweck, weshalb schon einige Bundesländer die Verträge gekündigt haben. Die App soll deshalb bald neue Funktionen erhalten, die Gastronomie und Handel das Leben erleichtern sollen.

Vom Fax ins digitale Zeitalter

Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter in Deutschland hatten es nicht leicht. Corona brachte sie ans Limit, weil sie zu Beginn der Pandemie Anfang 2020 noch zum großen Teil „old school“ Kontakte nachverfolgen musste. Die Listen von Gastronomen und Hoteliers kamen wie anno 1990 per Fax herein. Den Menschen, die Kontakt zu Infizierten hatten, musste mühselig hinterher telefoniert werden.

Deshalb standen die Gesundheitsämter in der Kritik. Sie seien überlastet, zu langsam und begingen teils haarsträubende Fehler, so die Vorwürfe von Bürgern und Politikern. Dabei war es ja die Politik gewesen, die die Ämter bis dahin so miserabel ausgestattet hatte. Da griffen die für Gesundheitsfragen zuständigen Bundesländer gern zu einem Strohhalm namens Luca-App.

An den Grenzen der Belastbarkeit

Ich muss zugeben, dass ich selbst eigentlich nur positive Erfahrungen mit der Luca-App gemacht habe. Eines Abends ging ich mit einer Freundin lecker spanisch essen. Drei Tage später meldete sich die App bei mir, da ein Corona-Infizierter im selben Restaurant gespeist hatte und ich also theoretisch eine Kontaktperson sein konnte. Das war ich aber nicht und mein Selbsttest fiel negativ aus. Das konnte ich über den Betreiber der App direkt an das zuständige Gesundheitsamt melden – perfekt!

Das Feedback in den Medien war allerdings in der Regel nicht so rosig: Fehlerhafte Bearbeitungen und mangelnde Auskünfte im Hinblick auf das Infektionsgeschehen wurden beklagt. Die Gesundheitsämter beklagten, dass die Kontaktnachverfolgung anders als versprochen nicht erleichtert werde. Stattdessen komme man an die Grenze der Belastbarkeit.

Kündigungen am laufenden Band

Zudem geriet die Luca-App schnell in Verruf bei Datenschützern, die sich vor allem am Konzept einer zentralen Datenspeicherung störten. So warnte der Chaos Computer Club vor einem Missbrauch der Datenbestände, die über das Luca-System eingesammelt wurden. Dann sorgte die Omikron-Variante des Corona-Virus für über 200.000 Fälle pro Tag – und die Gesundheitsämter warfen das Handtuch. Die Kontaktverfolgung wurde eingestellt und damit entfiel auch der Zweck der Luca-App.

Seither flattert der in Berlin ansässigen Betreibergesellschaft Culture4Life unangenehme Post ins Haus. Erst kündigte Schleswig-Holstein den Vertrag mit der Firma, dann folgten andere Bundesländer diesem Beispiel. Wieder andere Bundesländer lassen die laufenden Verträge einfach auslaufen und erneuern sie nicht. Die professionelle Lobby-Arbeit von Musiker Smudo von den Fantastischen Vier scheint am Ende auch nichts mehr zu bringen.

Weiterentwicklung statt Ende

Daher soll eine Neuausrichtung den Fortbestand der oft kritisierten, aber trotzdem mittlerweile etablierten Luca-App sicherstellen. So strebt Culture4Life vor allem eine engere Zusammenarbeit mit den bestehenden Partnern aus Gastronomie und Kultur an.

Im Grunde genommen können Restaurant-Besitzer und Event-Veranstalter schon jetzt auf eine fertige App zurückgreifen und auf einen Blick den Impfstatus ihrer Gäste überprüfen. In einer neuen Version der Luca-App können Gäste darüber hinaus ihren Personalausweis lokal auf dem Smartphone speichern. Damit entfällt die zeitlich aufwändige, aber derzeit noch gesetzlich vorgeschriebene Überprüfung des Ausweises zusätzlich zur Überprüfung des Impfpasses.

Zusammenarbeit mit Partner-App

Luca arbeitet dafür mit einer Partner-App zusammen, die die Verifizierung des Personalausweises übernehmen soll. Das Dokument wird dabei als sogenanntes Token lokal auf dem Smartphone gespeichert. Tokens werden z.B. vom Finanzamt bei der Übermittlung von Steuerdaten verwendet und dienen als überprüfbarer Echtheitsnachweis.

Doch die geschäftstüchtigen Entwickler von Culture4Life denken noch weiter. Die Luca-App könnte künftig z.B. zu einem kompletten Zahlungssystem für Restaurants ausgebaut werden, heißt es aus Berlin. Bei der neuen Dienstleistung will Luca unter anderem mit geringeren Gebühren für Kartenzahlungen punkten und so etablierten Anbietern auf diesem Feld Konkurrenz machen.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Ob diese Vorhaben tatsächlich potenzielle Kunden hinter dem Ofen hervorlocken können, ist fraglich. Am Ende entscheidet die Corona-Pandemie, die einst zur enormen Beliebtheit der Luca-App beigetragen hat, wahrscheinlich auch über das Ende des Höhenflugs.

In mehreren europäischen Ländern wie z.B. Schweden oder Dänemark ist die Corona-Pandemie offiziell für beendet erklärt worden, d.h. eine Kontrolle der Menschen, die ein Restaurant, Hotel oder Konzert besuchen möchten, findet nicht mehr statt. Auch in Deutschland fordern immer mehr Politiker eine Exit-Strategie, allen voran die FDP. Sollten die Beschränkungen auch in Deutschland zeitnah fallen, könnte das Ende der Luca-Ära gekommen sein.

© Tom Meyer

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