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CovPass-App wird eingestellt: Rückschritt statt Digitalisierung

Zum 31. Dezember 2023 wird die CovPass-App eingestellt, mit der Bürger digital anzeigen können, welche Schutzimpfungen sie gegen das Corona-Virus erhalten haben. Das ist sehr schade, denn bei einer Weiterentwicklung der CovPass-App hätte man auch Zertifikate für andere Impfungen integrieren können.
Prozess um gefälschte Corona-Impfzertifikate
Corona-Impfung
CovPass-App wird eingestellt: Rückschritt statt Digitalisierung
CovPass-App wird eingestellt: Rückschritt statt Digitalisierung

Deutschland, so könnte man in diesen Tagen meinen, das ist das Land, wo man gern am falschen Ende spart. So sollen die deutschen Bauern ab 2024 jährlich rund eine Milliarde Euro mehr an Steuern für ihren Agrar-Diesel berappen, obwohl die meist kleinen und familiengeführten Betrieb die Lebensmittelsicherheit garantieren und finanziell meist sowieso schon mit dem Rücken zur Wand stehen.

Noch so ein Beispiel deutscher Dämlichkeit ist die überhastete Schließung gleich mehrerer Goethe-Institute in Frankreich und Italien. Die Vermittlung der deutschen Kultur und Sprache ist für die Bundesregierung nur noch ein Kostenfaktor selbst in zwei der wichtigsten Partnerländer der Bundesrepublik. Nun trifft es also auch die CovPass-App, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Hochzeiten der Corona-Pandemie entwickelt wurde. Zum Jahresende wird diese bestens funktionierende Infrastruktur einfach abgeschaltet.

Rund zwölf Millionen Downloads

Mit der App schuf das RKI im Jahr 2020 erstmals eine Möglichkeit COVID-19-Vakzine digital zu verwalten. Konzipiert war die CovPass-App für die freiwillige Nutzung und als Ergänzung zum bis dahin allein gültigen gedruckten gelben Impfbuch. Die Anwendung funktionierte nur für COVID-19-bedingte Situationen, auch wenn sie bisweilen als „digitales Impfbuch“ bezeichnet wurde.

Die Bundesbürger nahmen das Angebot des RKI dankend an. Laut Google luden Besitzer von Android-Smartphones die CovPass-App bis dato allein über zehn Millionen Mal herunter. Für den Apple AppStore gibt es keine gesicherten Zahlen, doch schätzungsweise zwei Millionen iOS-Nutzer dürften die Anwendung ebenfalls heruntergeladen haben.

Am 31. Dezember ist Schluss

Das RKI hat die CovPass-App am 14. Dezember 2023 letztmals aktualisiert. Seitdem werden die Nutzer darauf hingewiesen, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten durch die CovPass-App am 31. Dezember 2023 endet. Zum Jahresende werden die Server, die für einige Prozesse notwendig sind, seitens des RKI komplett abgeschaltet.

Die App schaltet am 1. Januar 2024 nach Auskunft des RKI in einen „Wallet Mode“, d.h. COVID-19-Zertfikate lassen sich zwar noch löschen oder exportieren, aber nicht mehr erneuern. Auch die Prüf-Funktion innerhalb der CovPass-App verliert dann ihre Funktion.

Die CovPass-App kann ab Neujahr auch nicht mehr aus den App-Stores von Google und Apple heruntergeladen werden, da sie hier entfernt wird. Für Standard-iPhone-Backups bedeutet das auch, dass die App nicht aus einem Backup heraus zurückgespielt werden kann, da Apple die Apps über seine Infrastruktur wieder zurückspielt. Wer sie sichern möchte, sollte eine alternative Backup-Methode wählen.

Corona ist noch immer aktuell

Dass gerade jetzt der Schlussstrich gezogen wird, dürfte mit den Sparzwängen der Ampel-Koalition zu tun haben, denn seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur unrechtmäßigen Umwidmung von Corona-Geldern für den Klimaschutz sucht aus SPD, Grünen und FDP gebildete Bundesregierung händeringend nach Möglichkeiten die staatlichen Ausgaben zu kürzen.

Gesundheitspolitisch ergibt die Entscheidung die CovPass-App einzustellen jedenfalls überhaupt keinen Sinn. Seit Ende September ist der neueste Corona-Impfstoff verfügbar und Menschen über 60 Jahren sowie Risikogruppen werden von der Ständigen Impfkommission dazu angehalten sich mit dem neuen Vakzin impfen zu lassen.

Wer das tut, muss übrigens fünf Euro dazu zahlen, wenn er nicht nur einen Eintrag ins gelbe Impfbuch, sondern auch in der CovPass-App haben möchte. Dass die App am Jahresende ausläuft, wissen viele Ärzte und Apotheker gar nicht.

Trotz der Aufrufe das neue Vakzin spritzen zu lassen ist das Corona-Virus laut RKI derzeit für 19% der aktuell rund neun Millionen Atemwegserkrankten in Deutschland verantwortlich. Damit liegt COVID-19 knapp hinter den RS-Viren, die vor allem Kinder heimsuchen (20%), aber noch vor den Influenza-Viren (18%). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geht zudem davon aus, dass Corona in der Zukunft eine Gefahr bleiben wird.

Corona-Warn-App der Bundesregierung

Man wird den Eindruck nicht los, dass man im Gesundheitsministerium die CovPass-App bewusst sterben lässt, um der Corona-Warn-App der Bundesregierung das Feld zu ebnen, falls das Virus in der Zukunft noch mal mit einer besonders gefährlichen Variante aufwarten sollte. Im Gegensatz zur CovPass-App wurde diese von der Deutschen Telekom für viele Millionen Euro entwickelte Anwendung am 1. Juni 2023 nämlich nur in einen Schlaf-Modus versetzt, d.h. sie kann jederzeit reaktiviert werden.

Das Problem der Corona-Warn-App war aber von Anfang ihr enormer Datenhunger. Viele Bürger hatten schlichtweg keine Lust den Behörden ihre persönlichen Daten zur Verfügung zu stellen. Die Ortung „infizierter“ Bürger war zudem extrem mangelhaft, da diese über GPS und eine offene Bluetooth-Schnittstelle erfolgte, theoretisch also auch Infizierte in der benachbarten Straßenbahn als potenzielle Corona-Herde ausgemacht wurden. Die offene Bluetooth-Schnittstelle war zudem immer ein latentes Einfallstor für Hacker.

Die CovPass-App dagegen war von Anfang an besonders datensparsam konzipiert. So war eine Anmeldung mit einer E-Mail-Adresse überhaupt nicht notwendig. Darüber hinaus wurden die Daten nur lokal auf dem Smartphone gespeichert.

Zurück ins Papier-Zeitalter

Das eigentlich erfolgreiche Projekt zur Digitalisierung von Impfungen, wenn auch nur für ein Virus, wird also zum Jahresende in Deutschland wieder eingestellt. Man hätte die CovPass-App – ähnlich der Corona-Warn-App der Bundesregierung – in einen Schlaf-Modus versetzen können, hat aber gleich Nägeln mit Köpfen gemacht. So wird das gelbe Impfbuch ab 1. Januar 2024 wieder von besonderer Bedeutung sein, denn es wird dann – Stand jetzt –der einzige Nachweis für Impfungen sein.

Während Deutschland also freiwillig ins Papier-Zeitalter zurückkehrt, machen andere, weniger reiche Länder vor, wie es gehen könnte. Nigeria z.B. gibt an seine Bürger nicht nur gedruckte Impfbücher nach WHO-Vorgaben (International Certificate of Vaccination or Prophylaxis, ICVP), sondern auf Wunsch auch eine „e yellow card“ aus, mit der man z.B. eine ganze Reihe von Impfungen nachweisen kann.

Das ist in Afrika, wo man für die Einreise in viele Staaten zumindest eine Impfung gegen Gelbfieber vorweisen muss, eine feine Sache. Schließlich spielt das Smartphone auf dem Kontinent eine große Rolle, da leistungsfähige Internet-Verbindungen meist nur mobil vorhanden sind und Bankgeschäfte schon seit Jahren vornehmlich über Apps abgewickelt werden.

Auch die WHO hat Versuche gestartet, das klassische Impfbuch zu digitalisieren. Allerdings geht die Gesundheitsbehörde der Vereinten Nationen da einen eher einfachen Weg, weil Zertifikate einfach als PDF-Dateien gespeichert werden sollen.

© Tom Meyer
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