Geschickt kaschiert

Bei Mercedes war der Buchstabe T eigentlich den Kombiversionen von Limousinen vorbehalten. Jetzt dient er außerdem als Baureihen-Name für einen Hochdachkombi. Der ist neu, aber kein Unbekannter.

SP-X/Köln. Mercedes hat einen Ruf von Strahlkraft, den es zu verteidigen gilt. Etwas verwunderlich mutet es deshalb an, dass ein Sternträger im Kern gar kein echter Mercedes ist. Es geht um die frisch gestartete T-Klasse, die, wie der von 2012 bis 2021 gebaute Vorgänger Citan, der Partnerschaft mit Renault entstammt. Doch anders als den Citan erlebt man die neue T-Klasse kaum noch als Kangoo unter falscher Flagge. Mercedes hat dem mit reichlich Pkw-DNA gesegneten Hochdachkombi einen eigenen Stempel aufgedrückt, der dem Ruf der Marke gerecht wird.

Da wäre die Optik. Im Gegensatz zum alten Citan mit seinen unharmonischen Proportionen ist die neue T-Klasse eine Wohlgestalt, die mit eigenständigem Frontdesign dem großen Stern im Kühlergrill einen zudem würdigen Rahmen verleiht. Im Gegensatz zum Kangoo verzichtet das Stuttgarter Pendant auf SUV-Allüren. Dennoch ist auch die T-Klasse eine imposante Erscheinung. Das liegt natürlich an der schieren Größe, denn mit viereinhalb Meter ist der Benz ziemlich lang, mit 1,81 Meter ziemlich hoch und mit 1,86 Meter ziemlich breit.

Der Größenprotz ist kein leeres Versprechen, denn innen erlebt man die T-Klasse ebenfalls als Riesen. Der Entfaltungsspielraum für die maximal fünf Insassen ist über jeden Zweifel erhaben. Dank der im 90-Grad-Winkel öffnenden Türen genießen vordere Gäste einen bequemen Einstieg und außerdem eine leicht erhöhte Sitzposition. Die vielfach einstellbaren Sitze bieten angenehmen Pkw-Komfort auch auf langen Strecken. Das gilt ebenfalls für die über Schiebetüren erreichbaren Fondsitze auf der Rückbank.

Das Cockpit überrascht mit viel Look-and-Feel à la Mercedes. Sieht man einmal von der Bedienoberfläche der Klimaautomatik ab, bleiben die Ähnlichkeiten mit der Kangoo-Einrichtung gering. Das optionale Lederlenkrad mit Touch-Bedienfeldern, der belederte Automatikwahlhebel, runde Belüftungsdüsen, die Bordcomputer-Grafik – alles trägt eine Mercedes-Handschrift. Dabei dominiert die Farbe Schwarz, was gepaart mit reichlich Chromschmuck durchaus schick wirkt. Was beim genauen Hinsehen allerdings auffällt: Bei den Oberflächen dominiert Hartplastik. Lediglich Kunstleder-Inlays in den Türinnenverkleidungen und ein samtiger Überzug in Lederoptik auf dem Armaturenbrett vermitteln ein wenig haptische Finesse. Wichtiger jedoch: Die Verarbeitung scheint insgesamt besser als beim Renault-Pendant zu sein. Anders als bei der Fahrpräsentation des neuen Kangoo in 2021 haben wir dieses Mal Knarzgeräusche nicht mehr wahrgenommen.

Mercedes-Feeling kommt außerdem auf, wenn man die rechte Hand auf den griffigen Lederschaltknauf der Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe legt und nach dem Start des Benziners mit sattem Schaltgefühl auf D schiebt. T 180 heißt die von uns getestete Topmotorisierung, deren 1,3-Liter-Vieryzlinder 96 kW/131 PS mobilisiert. Damit erledigt der 1,6-Tonner den Sprint auf 100 km/h in 11,6 Sekunden, maximal sind knapp über 180 km/h drin. Im Zusammenspiel mit dem Selbstschaltgetriebe nimmt man den Benziner als angenehm ruhig wahr, zumal die mit dem Tempo anschwellenden Windgeräusche und steigenden Verbrauchswerte zu eher entspannter Fahrweise verleiten. In unserem Fall haben wir auf Autobahntouren bei vorwiegend Tempo 130 pro 100 Kilometer 7,6 Liter Sprit verfahren. Das Fahrverhalten ist Pkw-artig verbindlich und neutral, mit sänftenartigen Nehmerqualitäten - wie man sie eigentlich von einem Mercedes erwarten würde – kann der Unterbau indes nicht dienen.

Die T-Klasse ist ein Nutzfahrzeug-Typ, was mit einigen praktischen Vorteilen einhergeht. In den Kofferraum passen fensterhoch bereits über 500 Liter Gepäck. Wird die Lehne der Rückbank umgelegt, wächst der Stauraum dank absenkender Sitzflächen auf über 2.100 Liter. Fast schon überdimensioniert wirkt die große Heckklappe, die zum Schließen Körpereinsatz verlangt. Das Gepäckabteil erleichtert im Gegenzug mit niedriger Ladekante das Einladen schwerer Gegenstände. Die Laderaumlänge wächst durchs Umklappen der Rückbanklehne von 1,02 auf 1,88 Meter. Wer will, kann sich im Heck der T-Klasse für ein Nickerchen oder gar für eine Nacht ausstrecken. Auch Fahrräder lassen sich einfach ohne Radausbau einladen. Familien oder Freizeitsportler – die gern mit Kind, Sack, Hund und/oder Kegel auf Reise gehen – kommen hier wie beim Kangoo oder dem ebenfalls seit diesem Jahr verfügbaren Schwestermodell Nissan Townstar also auf ihre Kosten.

Apropos: Im Kostenkapitel erreicht das T-Modell ebenfalls Mercedes-Niveau. Rund 32.000 Euro rufen die Schwaben für die von uns getestete Topmotorisierung T 180 auf. In unserem Fall stieg der Preis zusammen mit der höchsten Ausstattungslinie Progressive, Automatik und einigen weiteren Extras auf fast 45.000 Euro, was zugleich das obere Limit der Baureihe markiert. Ausstattungswünsche bleiben dann nur noch wenige offen. Einer war ein Abstandstempomat, der allerdings nicht angeboten wird. Eine Distronic, so die Mercedes-eigene Bezeichnung für diese Funktion, soll laut Hersteller allerdings zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Mercedes-Benz T 180 7-Gang-DCT - Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Hochdachkombi mit Frontantrieb, Länge: 4,50 Meter, Breite: 1,81 Meter, Höhe: 1,86 Meter, Radstand: 2,72 Meter, Kofferraumvolumen: 520 bis 2.127 Liter

1,3-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, 96 kW/131 PS, maximales Drehmoment: 240 Nm bei 1.600 U/min, 0-100 km/h: 11,6 s, Vmax: 184 km/h, Durchschnittsverbrauch: 6,6 l/100 km, Testverbrauch: 7,6 Liter, CO2-Ausstoß: 151 g/km, Abgasnorm: Euro 6d

Preis: ab 32.285 Euro

Preis des Testwagens: 48.828 Euro

Mercedes-Benz T-Klasse - Kurzcharakteristik:  

Warum: weil man viel Nutzwert, Platz und Mercedes-Prestige haben will

Warum nicht: weil Renault die gleiche Antriebsversion zu kleineren Preisen bietet

Was sonst: Renault Kangoo, VW Caddy, Ford Tourneo Connect, Opel Combo und die Geschwister von Stellantis, Nissan Townstar,

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