Der "Tatort" - demnächst nur noch an jedem zweiten Sonntag?

07.05.2020 Drehstopp, abgebrochene Produktionen, Schauspieler, die auf ihren Einsatz warten - die TV-Branche steht Kopf. Wie lange können wir noch mit frischer Krimikost rechnen?

Die "Tatorte" aus Weimar, Münster, Dortmund und Wiesbaden. © MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer, WDR/Thomas Kost (2), HR/Bettina Müller

Gerade in den jetzigen, schwierigen Zeiten freut sich jeder über etwas Routine. Und sei es nur der all sonntägliche Krimi im Ersten. Doch die Meldungen über abgebrochene Dreharbeiten, stillstehende Kameras oder verschobene Produktionen mehren sich. Allein die Aufnahmen bei den beliebten "Tatorten" aus Münster, Dortmund und Köln mussten unterbrochen werden. Und auch der Dreh des zweiten Teils des Jubiläums-"Tatort "In der Familie II", in dem die Teams aus München und Dortmund erstmals gemeinsam ermitteln, ruht. Wie lange also können wir noch mit Kriminachschub rechnen?

 

Fernsehfilmchef des WDR Alexander Bickel sagt gegenüber prisma.de: "Insgesamt kann ich mir vorstellen, dass wir 2021 weniger "Tatorte" und andere Fiction-Premieren im Ersten sehen können, als es ohne Corona der Fall gewesen wäre. Die Ausfallzeiten, in denen nicht gearbeitet werden konnte, werden doch umfangreich sein."

Einige Studio-Produktionen, wie "Rote Rosen", "“Dahoam is Dahoam”, "Sturm der Liebe" und "In aller Freundschaft" können den Sicherheitsabstand leisten und setzen ihre Produktionen fort. Könnte unter Einhaltung strenger Vorsichtsmaßnahmen auch der "Tatort" wieder gedreht werden? Bickel macht da wenig Hoffnung. Er erklärt, dass die Zeiten zwischen Dreh und Ausstrahlung meist ein Jahr betragen, mit Drehbuchentwicklung vergingen manchmal sogar zwei Jahre. Sprich, wenn jetzt unter Sicherheitsabstand ein "Tatort" gedreht werden würde, befürchtet er, dass ein solcher Fall in ein oder zwei Jahren skurril wirken könne.

 

Und auch weitere Krimireihen sind betroffen. Im exklusiven Interview mit der GOLDENE KAMERA sagte die Hauptdarstellerin des "Bozen"-Krimis Chiara Schoras: "Es gab auch dort einen Stopp. Wir wissen gar nicht, wann, wie, wo wir weiterdrehen werden. Ob wir ein oder zwei Drehbücher dieses Jahr umsetzen werden, ist unklar. Das Letzte was ich gehört habe, ist, dass wir im Herbst weitermachen. Aber Prognosen in der jetzigen Situation zu äußern, ist schwierig... In unserer Berufsgruppe kennt man den Moment des Ausharrens. Wir warten oft, welches Rollenangebot als nächstes kommt. Aber sicherlich geht es unserer Branche gerade nicht gut. Sie steht still. Es wird so was wie ein Stau stattfinden, wenn das Rad wieder losgeht."

Diese Befürchtung hat Bickel auch: Gegenüber Prisma.de erklärte er, dass viele Mitarbeiter und Schauspieler dann auch in anderen Jobs drinhängen könnten und somit nicht verfügbar seien. Abschließend gibt er aber zumindest etwas "Hoffnung: "Ich denke trotzdem, dass wir mit unseren Premieren, seien es nun "Tatorte" oder andere Filme, im Jahr 2020 noch gut über die Runden kommen. Der Herbst ist in Sachen Filmpremieren auf jeden Fall "safe"."

Hier sehen Sie Szenenfotos vom neuen Kieler "Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" (Sonntag,10. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste):

 

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© Goldene Kamera ⁄ Kristina Heuer

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