«A E I O U» - Ungewöhnliche Lovestory mit Sophie Rois

22.06.2022 Was würde passieren, wenn man dem Menschen wiederbegegnet, der einem gerade die Tasche geklaut hat? Ein neuer Film mit Sophie Rois und Milan Herms findet darauf eine eigentümliche Antwort.

Udo Kier als Michel und Sophie Rois als Anna in einer Szene des Films «A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe». © Reinhold Vorschneider/Port au Prince Picture/Komplizen Film/dpa

Der Regisseurin Nicolette Krebitz ist vor Jahren etwas Ungewöhnliches passiert. Sie habe selbst mal einen Taschendieb verfolgt - und daraus sei später die Idee zu ihrem neuen Film entstanden.

«A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe» erzählt eine Liebesgeschichte zwischen einer älteren Schauspielerin (Sophie Rois) und einem jungen Mann (Milan Herms), der ihr die Tasche klaut. Vier Monate nach der Berlinale kommt der Film nun ins Kino.

Rois' Filmfigur wirkt wie aus der Zeit gefallen. Anna lebt in einer großen Berliner Altbauwohnung, ist aber so pleite, dass schon eine kaputte Waschmaschine nach Existenzkrise schreit. Begegnet sie anderen Menschen, streckt sie ihnen geziert ihre Finger entgegen, um einen Handkuss zu bekommen. Anna kocht mit Schürze und versteckt ihre Zigaretten auf dem Küchenschrank.

Zumutung des Berufs mit Arooganz begegnet

Ihre Wohnung hat ein bisschen was von Designmuseum. Und schon vor Jahren hat sie Moderatoren im Fernsehen für sexistisches Verhalten zurechtgestutzt. Wenn sie die Ausschnitte von damals heute jemandem zeigen will, legt sie eine Videokassette ein.

«Das mochte ich von Anfang an, dass es eine Frau ist, die nicht noch irgendwo mitmachen möchte», sagte Rois (61) der «Berliner Zeitung». «Die hat bessere Zeiten gesehen, die hat lustige, schöne Dinge gemacht in ihrer Vergangenheit. Doch jetzt ist sie an einem anderen Punkt.» Anna trete den Zumutungen ihres Berufs mit einer gewissen Arroganz gegenüber, liege lieber ihrem Vermieter auf der Tasche, gehe in die «Paris Bar», statt sich in den nächsten Fernsehkrimi einzuklagen.

Als ihr eines Abends jemand auf der Straße die Handtasche klaut, erzählt sie ihrem Vermieter (Udo Kier) davon. «Das Verrückte ist», bemerkt sie verwundert, «ich hatte überhaupt keine Angst. Ich war bereit zu sterben». Dann lässt sie sich eine Zigarette anzünden. Als Anna kurz darauf widerwillig einen Job annimmt, steht der Taschendieb plötzlich wieder vor ihr: Sie soll ihm Sprechunterricht geben, für eine Theateraufführung in der Schule.

Während die beiden miteinander Aaaaaaas und Uuuuuus üben, entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung. «Alles fängt mit A an - das Leben, der Schmerz, die Erkenntnis und die Liebe», heißt es an einer Stelle. Der Film hat etwas von einem mal überdrehten, mal melancholischen Märchen. Man kann ihn schauspielerisch steif und die Erzählung konstruiert finden. Aber der Film hat viele Szenen, die in Erinnerung bleiben und auch als Kommentare auf die heutige Welt taugen.

Leicht und etwas absurd

Regisseurin Krebitz (49) hat mit «Wild» bereits eine besondere Liebesgeschichte gedreht - darin verliebte sich eine Frau in einen Wolf. Ihr neuer Film hat nicht die gleiche Wucht, aber eine andere Qualität. Er ist leicht geworden, etwas absurd. Man kann den Film auch als Protest dagegen deuten, dass Frauen jenseits der Jugend oft als nicht mehr begehrenswert abgestempelt werden.

Krebitz hat ihre eigene Erfahrung mit einem Taschendieb in Italien gemacht. «Ich habe mal in Venedig gedreht und vor meiner Nase wurde einer Dame eine Handtasche gestohlen», hatte sie der Deutschen Presse-Agentur zur Berlinale mitgeteilt. «Ich bin dem Dieb hinterher gelaufen und konnte ihn tatsächlich in einer Gasse stellen.» Sie habe also plötzlich vor ihm gestanden und er vor ihr.

«Naja, und es war eben nicht mehr so einfach, etwas zu sagen. Er tat mir leid, aber ich fand ihn auch super schön und ich hatte natürlich auch Angst vor ihm.» Ein Glück sei ihr der damalige Kameramann hinterhergelaufen und habe die Situation aufgelöst. «Vielleicht wäre ich sonst auch mit dem Dieb durchgebrannt. Man weiß es nicht...»

- A E I O U - Das schnelle Alphabet der Liebe, Deutschland 2022, 105 Min., FSK ab 6 Jahren, von Nicolette Krebitz, mit Sophie Rois, Milan Herms und Udo Kier.

© dpa

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