Die Filmstarts der Woche

16.05.2022 Reisen durch Raum und Zeit: Es geht zum Prenzlauer Berg, nach Malmö und ins sowjetisch besetzte Estland.

Mit Leander Haußmann geht es zurück in die DDR-Vergangenheit und in Malmö wartet der junge Zlatan Ibrahimovic auf den Beginn einer großen Karriere. Das sind die Kinostarts der Woche.

Feier der Feigheit: Die Stasi als Komödie

«Leander Haußmanns Stasikomödie» wirft einen eigenwilligen Blick zurück auf den Berliner Prenzlauer Berg der 1980er Jahre. Die DDR-Trilogie des «Sonnenallee»-Regisseurs ist damit abgeschlossen. Im Ostberlin der 1980er Jahre lässt sich der junge Ludger Fuchs (David Kross) von der DDR-Staatssicherheit anwerben für eine neue Einheit. Die Aufgabe: die «negativ-dekadente Szene» von Künstlern und Lebenskünstlern im Prenzlauer Berg auskundschaften und «zersetzen».

Fuchs tarnt sich mit einer Levi's Jeans und der Legende, Schriftsteller werden zu wollen, und bezieht Posten in einer Altbauwohnung im Szenekiez. Doch dann sind da eine sehr schöne Nachbarin und ein alter Freund, die ihn in berauschende Feste der Boheme einführen und alles verändern. Es kommt, wie es muss: zu Verwicklungen.

Leander Haußmanns Stasikomödie, Deutschland 2022, 116 Minuten, FSK ab 12, von Leander Haußmann, mit David Kross, Jörg Schüttauf, Antonia Bill, Deleila Piasko, Henry Hübchen

«I Am Zlatan»: Großes Ego, großes Kino?

Zlatan Ibrahimovic stammt aus einem der berüchtigtsten Problembezirke von ganz Schweden. Dennoch schaffte es der Ausnahmekicker in die größten Fußballarenen Europas. Seinen Weg dorthin zeichnet nun eine Kino-Filmbiografie über seine jungen Jahre nach.

Aufgewachsen ist Ibrahimovic im Malmöer Problemviertel Rosengård, wo auch der Film ansetzt. Er ist ein frühes Genie - aber eines, das an familiären und pubertären Problemen zu scheitern droht. Er hadert immer wieder mit seinem Temperament und daraufhin mit Mitschülern wie Mitspielern. Der Film zeigt letztlich auch, wie schmal der Grat zwischen dem Abrutschen in die Kriminalität und dem großen Ruhm ist.

I Am Zlatan, Schweden/Dänemark/u.a. 2022, 102 Minuten, FSK ab 12, von Jens Sjögren, mit Granit Rushiti, Dominic Andersson Bajraktari, Cedomir Glisovic, Merima Dizdarević

«Firebird»: Liebesdrama mit politischem Anspruch

In kunstvoll komponierten Bildern und mit viel gefühlvoller Musik wird in «Firebird» vom Soldaten Sergey (Tom Prior), dessen Jugendfreundin Luisa (Diana Pozharskaya) und Oberst Roman (Oleg Zagorodnii) erzählt. Die drei dienen in den 1970er Jahren auf einem sowjetischen Luftwaffenstützpunkt. Die zwei Männer verlieben sich ineinander - doch es kann nicht sein, was nicht sein darf. Der Geheimdienst ist ihnen auf den Fersen.

Davon und von ihrem durch die Kraft der Liebe angefachten Aufbegehren erzählt der Film mit emotionaler Wucht. Die Szenen wirken wie aus dem Leben gegriffen. Was daran liegt, dass Regisseur Peeter Rebane und Hauptdarsteller Tom Prior («Kingsman: The Secret Service») das Drehbuch auf Grundlage der Memoiren des russischen Schauspielers Sergei Fetissow geschrieben haben.

Firebird, Frankreich 2021, 107 Min., FSK ab 12, Regie: Peeter Rebane, mit Tom Prior, Oleg Zagorodnii, Diana Pozharskaya

«Fuchs im Bau»: Pennäler hinter Gittern

«Fuchs im Bau» erzählt von der Welt jugendlicher Straftäter und den Menschen, die sich um sie kümmern. Beinah dokumentarisch mutet das Drama an, das von den Erlebnissen des Gefängnislehrers Wolfgang Riebniger inspiriert ist. Die Gefängnisklasse steht unter der Obhut der engagierten Frau Berger (Maria Hofstätter). Wegen ihres Alters kann sie den stressigen Job aber nicht mehr lange machen; ein neuer Lehrer (verkörpert von Aleksandar Petrović) muss her. Den Schülern bereitet es großen Spaß, den titelgebenden Herrn Fuchs zunächst ordentlich zu demütigen. Dass auch er ein Trauma mit sich herumträgt, lässt uns Regisseur und Autor Arman T. Riahi («Die Migrantigen») erst langsam erahnen.

Fuchs im Bau, Österreich 2020, 102 Min, FSK ab 12, von Arman T. Riahi Arman, mit Maria Hofstätter, Aleksandar Petrović, Sibel Kekilli

© dpa

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