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Bambi-Gewinner Mads Mikkelsen: «Ich liebe Deutschland!»

Mit Mads Mikkelsen ist ein Hollywood-Star unter den Bambi-Preisträgern. Im Interview verrät der Däne, was ihn mit Deutschland verbindet, wie er Bösewichte verkörpert und was sein neuer Film mit all dem zu tun hat.
Mads Mikkelsen
Mads Mikkelsen über Deutschland: «Wir Dänen fühlen eine starke Verbindung zu Euch.» © Marcus Brandt/dpa

Als sich Mads Mikkelsen zum Interview per Zoom-Verbindung zuschaltet, ist er gerade rund 9000 Kilometer Luftlinie von seiner dänischen Heimat entfernt. Wieder einmal ruft ihn Los Angeles - diesmal, damit er seinen neuen Film «The Promised Land» bewerben kann. Ein dänisches Drama trifft auf das große Hollywood - den Spagat zwischen diesen beiden Welten meistert der 57-Jährige seit Jahren mit Bravour.

Wie schafft es einer aus Europa nach L.A. - und warum bleibt er dennoch in Kopenhagen zu Hause? Darüber und über viele andere Dinge spricht der dänische Schauspielstar vor seiner Auszeichnung mit dem Bambi im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Mads Mikkelsen, Ihnen wird am kommenden Donnerstag in München der Bambi in der Kategorie «Schauspiel International» überreicht. Herzlichen Glückwunsch!

Antwort: Danke! Ich fühle mich geehrt und bin sehr dankbar. Ehrenpreise wie dieser bedeuten, dass er mir nicht für etwas Bestimmtes, sondern für meine Arbeit ganz allgemein überreicht wird. Das macht mich stolz. Damit wird einem auf die Schulter geklopft und gesagt: Mach' weiter so, du machst etwas richtig.

Frage: Lassen Sie uns über Ihren neuen Film sprechen. In «The Promised Land» (Titel in Deutschland: «King's Land») des dänischen Regisseurs Nikolaj Arcel spielen Sie einen armen Soldaten, der die karge Region Jütland im 18. Jahrhundert kultivieren soll. Ist das ein zeitgemäßes Thema?

Antwort: Ich denke, die Charaktere und das, was sie durchmachen, haben einen sehr zeitgenössischen Anstrich. Meine Figur Ludvig Kahlen ringt mit seinem eigenen Schicksal. Er ist so fokussiert auf sein Ziel, dass er jeden um sich herum vergisst. Er ist bereit, die Welt niederzubrennen, und er will Teil von etwas sein, das er eigentlich hasst.

Frage: Sie sind gerade in Los Angeles, um den Film in Hollywood zu promoten. Ein dänisches Geschichts-Epos trifft auf das internationale Kino - passt das zusammen?

Antwort: Das schließt sich gegenseitig nicht aus. Nikolaj hatte nicht vor, einen historischen Film zu machen, sondern einen epischen Film mit einem großen Fokus auf sehr interessante Charaktere. Diese Kombination halte ich für faszinierend. Wir sind mit epischen Filmen aufgewachsen und machen nur wenige davon in Dänemark. Daher bin ich wirklich stolz, dass er den Handschuh aufgenommen hat und mit einem Budget von acht Millionen Dollar etwas geschaffen hat, das nach 80 Millionen aussieht.

Frage: Haben Sie in Ihrer Kindheit mehr dänische Filme oder internationale Filme geschaut?

Antwort: Internationale Filme. Wir hatten einige Filme, die waren sehr dänisch - jeder hat damals die Olsen-Bande geschaut. Aber vor allem waren da Scorsese und die Filme der 70er und 80er Jahre aus Amerika. Ich wuchs auf mit Bruce Lee und den epischen amerikanischen Sachen. Das war sicherlich eine erste Liebe von mir.

Frage: Ihr neuer Film hat mehrere Anknüpfungspunkte an Deutschland und wurde teils auch dort gedreht. Viele Dänen haben generell die eine oder andere Verbindung zum Nachbarn im Süden. Wie steht es um Ihre eigene Beziehung zu Deutschland?

Antwort: Nun, ich liebe Deutschland! Berlin ist eine meiner Lieblingsstädte in der Welt, eine magische Stadt! Und Deutschland ist für uns der große Nachbar. Wir haben eine Menge gemeinsam, viele historische Dinge verbinden uns. Natürlich ist da das geschehene große Böse, aber es sind auch sehr schöne Dinge zwischen unseren Ländern passiert. Wir Dänen fühlen eine starke Verbindung zu Euch.

Frage: In einigen Filmen sprechen Sie manchmal auch etwas Deutsch.

Antwort: Das ist immer interessant, weil ich nicht halb so gut Deutsch spreche wie Schwedisch oder Englisch. Aber es ist lustig, ich fühle mich in der deutschen Sprache irgendwie mehr zu Hause, weil eine Ähnlichkeit, etwas Heimeliges in ihr steckt. Also ja, ich habe eine Verbindung zu Deutschland. Mein Mittelname ist auch Dittmann. Irgendwo unter meinen Vorfahren sind Deutsche gewesen.

Frage: Das klingt nach Wurzeln Ihrer Familie in Deutschland.

Antwort: Ja, mein Vater hat sich das näher angeschaut und etwas herausgefunden, aber nicht gänzlich. Es hat sich herausgestellt, dass wir keine Barone waren. Wir waren arme Leute, aber wir waren dort.

Frage: Besteht denn eine Chance, dass Ihre Fans Sie eines Tages in einer deutschen Serie oder einem deutschen Film sehen werden?

Antwort: Tatsächlich habe ich vor einigen Jahren den deutschen Film «Die Tür» gemacht. Wegen der Sprache war das offensichtlich etwas schwierig, aber ich hatte ein paar großartige Freunde und Schauspielkollegen, die mir geholfen haben. Es war eine großartige Erfahrung, daher würde ich es liebend gerne noch einmal machen.

Frage: Sie haben in Ihrer Karriere alles vom Bösewicht Le Chiffre in «James Bond: Casino Royale» bis zu Helden und Anti-Helden wie etwa im Oscar-prämierten Film «Der Rausch» gespielt. Was macht mehr Spaß: das Verkörpern von netten oder fiesen Charakteren?

Antwort: Die meisten Schauspieler betrachten das nicht als Good Guys oder Bad Guys. Wir betrachten sie als Menschen - Menschen mit Fehlern. So gehe ich jedes Mal an Charaktere heran. Ludvig Kahlen zum Beispiel ist kein offensichtlicher Held und auch über weite Strecken des Films nicht unbedingt sympathisch. Aber weil wir ihn begleiten und bei ihm bleiben, beginnen wir, ihn zu verstehen. Dann zeigen sich letztlich kleine Risse in seiner Fassade, und Menschen, an die er nie gedacht hat, werden wichtig für ihn. Er macht eine menschliche Reise durch, ist sich dem aber nicht bewusst.

Frage: Etwas ganz anderes: Was macht Mads Mikkelsen eigentlich, wenn er gerade keine Filme dreht?

Antwort: Er macht Sport, alle möglichen Arten von Sport. Radfahren, Tennis spielen, alles, bei dem mir ein Ball begegnet. Darüber hinaus ist meine Familie natürlich das Allerwichtigste. Ich verbringe zu Hause auch eine Menge Zeit damit, Sachen zu bauen und zu reparieren. Ich liebe das.

Frage: Obwohl Sie immer wieder in Hollywood-Filmen zu sehen sind, leben Sie weiterhin daheim in Kopenhagen. Haben Sie jemals in Erwägung gezogen, nach Los Angeles zu ziehen?

Antwort: Nein, niemals. Ich verstehe, wenn man 18, 20 Jahre alt ist und dann dorthin geht. Ich aber hatte zwei kleine Kinder, als es anfing, in Amerika für mich zu laufen. Meine Kinder hatten eine tolle Zeit in der Schule und die Dreharbeiten für diese Filme fanden in Tschechien, London oder Deutschland statt. Am Ende wäre also meine Familie in L.A. gewesen und ich in Europa. Das ergab keinen Sinn.

Frage: Was ist für Sie das Beste an Dänemark?

Antwort: Das ist eine knifflige Frage. Wir betrachten so viel an unserem Land als selbstverständlich, die Lebensqualität, die Möglichkeiten und die Gleichberechtigung. Dänemark ist einer dieser Orte der Welt, wo man sich wirklich nicht beschweren kann. Wir müssen uns daran erinnern und wertschätzen, was früher für uns getan wurde. Jemand vor uns hat darum gekämpft, damit wir heute hier sein können.

Frage: Und was ist das Schlimmste an Dänemark?

Antwort: Im Grunde genau dasselbe. Wir nehmen manche hart erkämpften Dinge einfach als gegeben hin, als wären sie aus dem Nichts gekommen. Aber ich denke, das ist leider in vielen Ländern so.

Frage: Bei «The Promised Land» haben Sie erneut mit einem dänischen Regisseur zusammengearbeitet, Nikolaj Arcel. Bevorzugen Sie, wie Filme in Dänemark gemacht werden? Oder freuen Sie sich nach einigen dänischen Filmen auch wieder darauf, nach Hollywood zurückzukehren?

Antwort: Eher Letzteres. Es ist ein wenig so: Es hat Spaß gemacht, hier etwas zu machen und jetzt kann ich wieder dorthin gehen. Das ist eine fantastische Gelegenheit für jeden Schauspieler. In Dänemark zu arbeiten, ist mir zuletzt immer wichtiger geworden. Das sind meine Freunde, meine Geschichten, das ist auch meine Sprache. Daher ist es wichtig für mich, ab und zu dort zu arbeiten.

Frage: Ist es ein Spagat, mit einem Bein in Dänemark und mit dem anderen in Hollywood zu stehen?

Antwort: Darüber denke ich nicht so viel nach. Heute leben wir in einer kleinen Welt, Hollywood ist sechs, sieben, acht Stunden entfernt. Aber ich bin Däne, das hier sind meine Geschichten. Ich bin aber einer der Schauspieler, die sich so glücklich schätzen können, dass andere Leute in anderen Weltteilen ein Interesse daran haben, mit mir zusammenzuarbeiten. Dafür bin ich einfach sehr dankbar.

Frage: Zuletzt schien es so, dass insbesondere Hollywood-Filme immer länger werden und über drei Stunden dauern. Was halten Sie davon?

Antwort: Nun, gehen Sie mal in die 70er und 80er zurück. Coppolas «Der Pate» oder auch «Apocalypse Now» und «Deer Hunter», damals wurde kein Gedanke an die Zeit verschwendet. In Amerika haben sie letztlich immer längere Filme gemacht als in Dänemark. Wenn es einem Film nützt, drei Stunden lang zu sein, dann müssen Sie so weit gehen.

Frage: Gibt es denn etwas, das Hollywood vom dänischen Film lernen kann? Und etwas, das der europäische Film von Hollywood lernen kann?

Antwort: Jeder kann von jedem lernen. In Dänemark haben wir nicht das Budget wie in Amerika, aus gutem Grund: Unsere Sprache sprechen nur fünf Millionen Menschen und wir müssen schon extrem viel Glück haben, damit ein Film international auf Reisen geht. Aber wir können immer voneinander lernen. Ich liebe zum Beispiel die Energie beim dänischen Filmemachen: Wenn gerade die Sonne rauskommt, dann nimmt jeder etwas in die Hand und man dreht die Szene, die man gestern vergessen hat. Das ist ein absolutes No-Go in Amerika. Dort braucht man fünf Stunden, was wir in einer Minute erledigen können. Diese Effizienz schätze ich sehr. Andererseits können wir uns auch von den großen US-Filmen inspirieren lassen und so etwas auch im kleinen Maßstab versuchen. Wir können uns immer gegenseitig inspirieren.

© dpa ⁄ Interview: Steffen Trumpf, dpa
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