Mann für Geschichte: Sebastian Koch wird 60

Mit Sebastian Kochs Filmen kann man durch deutsche Geschichte streifen. Warum er mittlerweile weniger dreht, ein «Nein» sinnvoll findet - und weshalb die Erde für ihn eigentlich schon das Paradies ist.
Schauspieler Sebastian Koch bei der feierlichen Eröffnung der 69. Berlinale. Heute wird er 60. © Britta Pedersen/dpa

Sebastian Koch hat mal gescherzt, er wisse kaum noch, wie sich eine Jeans eigentlich anfühle. So oft hat er früher für Dreharbeiten historische Kostüme getragen.

Seine Filme erzählen von der DDR («Das Leben der Anderen») und vom Nationalsozialismus («Stauffenberg»), vom Kalten Krieg («Bridge of Spies») oder von Literatur («Die Manns»). Nun kommt er zum Interview ins Berliner Café Einstein und umarmt erstmal eine Mitarbeiterin.

Früher, so erfährt man, war er häufig dort. Das Restaurant an der Kurfürstenstraße zählt zu den Adressen, an denen man öfter Menschen trifft, die man aus der Zeitung kennt. Mit dunklen Haaren und Dreitagebart sitzt er nun an einem Tisch im Garten. Diesen Dienstag (31. Mai) wird Koch 60 Jahre alt.

Er bestellt Cappuccino mit Hafermilch und stellt fest, wie schön der Schaum auf dem Kaffee aussieht («Wie schön die das immer machen»). Gerade erst war er in der Serie «Euer Ehren» im Ersten zu sehen und die «Süddeutsche Zeitung» nannte ihn einen «grandiosen Hauptdarsteller». Liest Koch solche Kritiken noch?

Lange Filmografie

Sein Umfeld schicke ihm oft die Lobeshymnen und auch die ganz bösen Kritiken. «Und natürlich lese ich die auch. Aber ich bin niemand, der einen Google-Alert hat und wartet, bis der nächste Text kommt», sagt Koch. «Aber es ist schön, wenn man so viel Liebe und Zeit in etwas hineingesteckt hat und dann ein schönes Echo bekommt. Das ist toll.»

Guckt man nach, welche Filme er gedreht hat, starrt man auf eine ziemlich lange Liste. Manche erinnern sich vielleicht an die Neuauflage von «Der Seewolf», andere an das Drama «Werk ohne Autor». Der Film von Florian Henckel von Donnersmarck war für den Oscar nominiert - etliche Jahre zuvor hatten sie die Auszeichnung auch gewonnen, für «Das Leben der Anderen». In Videoaufnahmen sieht man, wie sich bei der Verleihung damals freuten.

Koch dreht mittlerweile weniger als früher. «Ich mache nur noch wenige und sehr ausgewählte Sachen», sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe mich selbst immer öfter sagen hören: "Ich mache jetzt bald mal eine Pause." Und dann fiel mir auf, dass ich das vor zwei, drei Jahren auch schon gesagt habe. Irgendwann klang dieser Satz dann so albern, dass ich wusste, wenn ich sie jetzt nicht mache, dann nie - und dann habe ich die Pause endlich gemacht.»

Viele Angebote für Koch

Er habe entschieden, dass er länger an einem Ort sein, mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen und nicht mehr so viel in der Welt umherziehen wolle. «Das kann sich auch wieder ändern. Aber diesen Raum wollte ich mir schaffen», sagt Koch, der in Karlsruhe geboren wurde und in Berlin lebt. Gedreht hat er schon mit Hollywoodregisseur Steven Spielberg und auch in einem «Stirb langsam»-Teil war er dabei.

Er sei in der glücklichen Position, viele Angebote zu bekommen. «Es sind zum Teil sehr, sehr schöne Sachen dabei, spannende Angebote, auch viel Mist, aber dann sind da auch immer wieder welche, die man einfach machen muss», sagt Koch. Er freue sich immer über neue Angebote - und beobachtet dabei eine Eigenart an sich. «Ich habe die Angewohnheit, die Drehbücher stets komplett zu lesen.» Selbst wenn er ein Drehbuch nicht wirklich möge, müsse er es trotzdem fertig lesen.

Lesungen mit Musik

In seinem Beruf hat er etwas gelernt, was auch sonst als Lektion im Leben eigentlich nicht schaden kann. «Als Schauspieler habe ich eine Erfahrung gemacht: Du hast eine tolle Power und die ist: nein zu sagen», sagt Koch. «Das kann einem extrem viel Freiraum schaffen. Und damit ist es ja auch nicht vorbei. Denn wenn ich zu etwas Nein sage, sage ich zu etwas anderem Ja.»

«Ich versuche, sehr bei mir zu bleiben. Im Moment zu sein. Und ehrlich mit mir zu sein», sagt Koch. Oft tritt er mittlerweile auch bei Lesungen mit Musik auf. «Und das macht mir irre Spaß. Zum Beispiel habe ich zusammen mit Daniel Hope das Programm "Paradise" entwickelt. Das ist ein wunderschönes Projekt.»

«Ich habe mich vor fünf Jahren gefragt: Was bedeutet eigentlich Paradies für mich? Wie hat sich das verändert?», erzählt Koch mit ruhiger Stimme. «Mit dem christlichen Gedanken, mit dem ich aufgewachsen bin - dass wir uns das Paradies erarbeiten müssen -, stimmte irgendwann etwas nicht mehr. Ich komme zu dem Schluss, dass wir im Paradies leben. Wir sind da. Wir sind vielleicht ein bisschen zu verkopft, um es wahrzunehmen, es zu beschützen und gut damit umzugehen. Aber die Voraussetzungen sind da und sie sind hervorragend.»

© dpa
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