«Brigitte Bardot der DDR» - Eva-Maria Hagen gestorben

Sie war eine der populärsten Schauspielerinnen der DDR: 1977 folgte Eva-Maria Hagen ihrem ehemaligen Lebensgefährten Wolf Biermann in den Westen. Jetzt ist die vielseitige Künstlerin gestorben.
Die Schauspielerin und Künstlerin Eva-Maria Hagen starb im Alter von 87 Jahren. © Stephanie Pilick/dpa

Sie galt als «Brigitte Bardot der DDR»: Jetzt ist die Schauspielerin, Sängerin und Autorin Eva-Maria Hagen am 16. August im Alter von 87 Jahren in Hamburg gestorben, teilte das Management im Auftrag der Familie mit.

Die DEFA-Filmkomödie «Vergesst mir meine Traudel nicht» hatte die Mutter von Punk-Sängerin Nina Hagen und Großmutter von Schauspielerin Cosma-Shiva Hagen populär gemacht, bis 1965 wirkte sie in rund 50 TV- und Kino-Filmen mit. Im selben Jahr lernte Eva-Maria Hagen den regimekritischen Liedermacher Wolf Biermann kennen. 1977 folgte sie dem Ex-Lebensgefährten nach Hamburg, wo sie bis zuletzt lebte.

«Am 16. August 2022 hat unsere geliebte Eva-Maria Hagen diese irdische Welt verlassen und ist uns in die ewige Heimat vorausgegangen. Wir trauern voller Sehnsucht, in Liebe und Dankbarkeit. Nina, Cosma und Otis Hagen - sowie alle ihre Freunde, Freundinnen, Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen», so die Nachricht, die das Management im Auftrag der Familie verbreitete.

Geboren wurde Eva-Maria Hagen am 19. Oktober 1934 in Költschen in Hinterpommern im heutigen Polen. Nach der Flucht in den Westen, die sie in ihrem Buch «Eva jenseits vom Paradies» beschrieb, fand die Familie eine neue Heimat im mecklenburgischen Perleberg. Nach einer Lehre zur Maschinenschlosserin begann sie 1952 ein Schauspielstudium in Ost-Berlin, wo sie 1953 unter der Leitung von Bertolt Brecht am Berliner Ensemble debütierte. Binnen kurzem avancierte sie zu einer der erfolgreichsten Schauspielerinnen der DDR, nicht zuletzt wegen ihres Dauererfolgs als Blumenmädchen Eliza im Musical «My Fair Lady».

Biermann markierte Wendepunkt in ihrem Leben

Die Begegnung mit Biermann wurde zu einem Wendepunkt in ihrem Leben. Die Filmdiva wurde wegen Staatsverleumdung angeklagt und gastierte fortan in Provinztheatern. Als sie 1976 gegen Biermanns Ausbürgerung öffentlich protestierte, entließ man Hagen fristlos und belegte sie mit Berufsverbot. 1977 folgte sie ihrem Ex-Lebensgefährten zusammen mit Tochter Nina, die aus der früheren Ehe mit dem Schriftsteller Hans Oliva-Hagen stammt, nach Hamburg. Neben dem Film und dem Theater baute sie sich im Westen eine zweite Karriere als Chansonsängerin auf. Auch als Autorin machte sie sich einen Namen, so veröffentlichte sie 1998 den Briefwechsel mit Biermann in ihrem Buch «Eva und der Wolf».

Erst nach dem Mauerfall drehte Hagen wieder Filme in Babelsberg in Potsdam, stand als «Medea» oder «Mutter Courage» auf der Bühne oder sang Brecht-Lieder. Auch im Fernsehen übernahm sie in vielen Serien Gastrollen, spielte zusammen mit Harald Juhnke in «Jugendsünde». Im Kino spielte sie sowohl in Komödien wie «Dinosaurier - gegen uns seht ihr alt aus!» (2009), als auch in Dramen wie «Nimm die dein Leben» (2004) und «Lore» (2012). Zusammen mit Tochter Nina und Enkelin Cosma-Shiva stand sie für den Schneewittchen-Film «Sieben Zwerge - Männer allein im Wald» vor der Kamera. 2014 synchronisierten alle drei Hagen-Frauen gemeinsam den neuen «Biene Maja»-Film.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) würdigte Leben und Werk: «Mit Eva-Maria Hagen verlieren wir eine großartige, vielseitige und mutige Künstlerin, in deren Biographie sich die deutsch-deutsche Geschichte spiegelt - sie hat mit ihrer Kunst Geschichte geschrieben», hieß es am Freitag in einer Erklärung.

«Zweiter Weltkrieg und Vertreibung, Stasi-Überwachung und Berufsverbot - all das hat das bewegte Leben von Eva-Maria Hagen geprägt. Nachdem sie sich mutig dem SED-Regime widersetzt hatte und schließlich die DDR verlassen musste, begann sie in Westdeutschland von vorn und zeigte erneut, dass sie als Schauspielerin und Sängerin, Autorin und Malerin ein einzigartiges Multitalent war», so Roth.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Champions League: 0:2 in Porto: Seoane muss um Job bangen, Gerüchte um Alonso
People news
Rechtsstreit: Angelina Jolie erhebt neue Vorwürfe gegen Brad Pitt
Tv & kino
«Megalopolis»: Francis Ford Coppola holt Dustin Hoffman für Film an Bord
Musik news
Mit 90 Jahren: «Tochter eines Bergmanns»: Country-Star Loretta Lynn ist tot
Auto news
Flache Limousine: Möglichst wenig Widerstand: Hyundai fährt Ioniq 6 vor
Das beste netz deutschlands
Featured: iOS 16: So kannst Du das Suchfeld über dem Dock ausschalten
Job & geld
Statistik: Zahl der Lehramtsabsolventen nimmt etwas zu
Internet news & surftipps
Elektronik: Europaparlament macht Weg für einheitliche Ladekabel frei
Empfehlungen der Redaktion
Regional thüringen
Theater: DDR-Filmstar und Autorin: Eva-Maria Hagen gestorben
Regional thüringen
Künstlerin: Steinmeier: Eva-Maria Hagen wird fehlen
Regional thüringen
Theater: Kulturstaatsministerin Roth würdigt Eva-Maria Hagen
Regional berlin & brandenburg
Theater: Giffey und Woidke zum Tod von Eva-Maria Hagen
Regional mecklenburg vorpommern
Autorin : Jenny Erpenbeck wird mit Uwe-Johnson-Literaturpreis geehrt
Regional niedersachsen & bremen
Gesellschaft: Goslar: Angela Merkel würdigt 1100-jährige Geschichte
Tv & kino
TV: Nicht verpassen: Die besten TV-Tipps der Woche
People news
Hollywood: Die Überdiva - Marlene Dietrich starb vor 30 Jahren