MIXTAPE 44 – Campino und Helene Fischer – Dürfen die das?

18.02.2019 Als prominenter Musiker ist man in der Pflicht, auch politisch Stellung zu beziehen. Man trägt ja Verantwortung. Muss man das wirklich? Warum fragt eigentlich nie jemand, ob man das überhaupt darf? Wollen wir wirklich die Meinungen der Promis aufgedrückt bekommen? (Toma Moon)

© Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Mal ehrlich Leute, wenn Xavier Naidoo über Glaubensfragen spricht und singt, rollen alle Atheisten mit den Augen. Und davon gibt es viele in Deutschland. Dann heißt es: muss der uns schon wieder mit diesem Zeug vollballern? Aber das war es auch schon, weil die Kirche und Deutschland eben doch auch irgendwie verbunden sind. Wenn er sich politisch äußert, sieht das schon anders aus. Dann interpretiert irgendwer irgendwas da rein und zack, der Mann ist Rechtspopulist. Ich kenne Naidoo nicht persönlich und ich würde nie auf die Idee kommen, ihm sowas zu unterstellen. Warum? Weil ich ihn nicht persönlich kenne! 
 

Wenn Campino als einer der bekanntesten deutschen Punkrocker ein Statement gegen rechts abgibt, interessiert das nicht wirklich jemanden außerhalb seines Dunstkreises, weil das sowieso alle von ihm erwarten. Wenn Helene Fischer das macht, hat das ne ganz andere Wirkung. Das ist dem guten Campino auch klar und vielleicht hat er sich deshalb auch genau das von ihr gewünscht. Vielleicht wollte er sie auch in eine Zwickmühle bringen aber das z.B. wäre jetzt schon wieder eine unerhörte Unterstellung, wenn ich es nicht mit einem „vielleicht“ versehen hätte. Ich kenne Helene Fischer nur auch nicht persönlich und es wäre müßig, hier jetzt irgendwas vom Stapel zu lassen. Das machen andere schon viel zu oft und wenn irgendwas als populistisch bezeichnet werden sollte, dann vielleicht diese Unart, ständig irgendwelchen schlecht recherchierten Mist über Menschen, die man nie persönlich getroffen hat, als Wahrheit zu verkünden.

Campino ist mir tatsächlich mal über den Weg gelaufen. Im Sommer 1997 war ich mit einer Autoladung Freunde auf dem Bizarre Festival in Köln und weil wir schon nen Tag früher da waren, sind wir abends noch in die Live Music Hall, um uns „Die Sterne“ reinzuziehen. Irgendein Special Guest sollte dann auch noch da spielen, was mich erstmal nicht wirklich tangierte, denn ich war echt im Eimer (wir sind den ganzen Tag gefahren und haben einmal die komplette Ost-West-Achse Deutschlands absolviert). Im Publikum fanden sich auch Tocotronic und so manch andere Berühmtheiten wieder. Dann kam auch Campino und hatte scheinbar den gleichen Instinkt für einen guten Platz, wie wir (eine abgesperrte Treppe bot auch sitzend wunderbare Sicht auf die Bühne).

Er setzte sich hinter mich und fragte, wo wir herkommen. Ehrlich gesagt, war mir schon damals relativ egal, mit wem ich da rede (einen Promibonus gabs bei mir noch nie). Mein Tag war bereits gelaufen und ich hatte echt keinen Bock auf eine Unterhaltung. Ich sagte: „wir kommen aus der niederschlesischen Oberlausitz“. Er sagte daraufhin nichts mehr und ich bin mir nicht sicher, ob er beleidigt war oder einfach keine Ahnung hatte, wo das sein soll aber das war auf einmal komplett egal, denn besagter Special Guest waren die Foo Fighters und ich war plötzlich wieder wach…

 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

© Mondbasis Hamburg ⁄ Toma Moon

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