MIXTAPE 17 – Dicke-Eier-Riffs und Pizza (Teil I)

10.07.2018 Die Band kommt verschlafen und übermüdet aus dem Hotel und alle brauchen erstmal ganz viel Kaffee. Hamburg ist nicht gerade auf meiner Seite, wenn es darum geht, ein paar Rockmusiker am Morgen frisch und munter im Studio erscheinen zu lassen. (Toma Moon)

© Mondbasis Hamburg / Steffen Gottschling

Direkt nach Produktionsschluss werden sie von der Reeperbahn verschluckt und erst in den frühen Morgenstunden völlig im Eimer in einer Seitenstraße wieder ausgespuckt. Vom Koffein einigermaßen wieder hergestellt, sprechen wir, gemütlich im Hof sitzend, über die letzten Tage und unsere heutigen Aktivitäten. Wir haben bereits fast die ganze Platte auf links gedreht, ein paar Songs komplett gestrichen und jede scheiß Note hinterfragt. Bevor ich das Raumschiff hochfahre und auch nur einen Ton aufnehme, kommt alles auf den Prüfstand. Wir arbeiten unermüdlich an den Songs, am Zusammenspiel, Ausdruck, Attitüde, Timing, Intonation, Hooklines und es wird reduziert bis zum Umfallen. Nicht selten war nach drei oder vier Tagen noch nicht einmal das Mischpult eingeschaltet.
 

Wenn ich produziere, beginnt das immer mit einer tagelangen Kreativphase, während der wir natürlich nicht nur am Material arbeiten, sondern auch den Sound entwickeln und eine Vision entsteht. Ab da bin ich im Tunnel und quasi von außen nicht mehr erreichbar. Ich mach es zu meinem Baby und werde einfach Teil der Band. Deshalb nehme ich nur Produktionen an, auf die ich Bock hab. Ich muss das mögen und voll eintauchen können, sonst interessiert mich das nicht.  
 

Mittlerweile sind wir alle ganz hinten in Studio 1 angekommen und unterbieten uns gegenseitig im Niveau unserer Wortwitze, während wir aufbauen, einrichten, mikrofonieren und es uns gemütlich machen. Alles was jetzt kommt, ist irgendwas zwischen Spitzensport und Totalausfall und da kommt noch einiges, denn es liegen noch schweißtreibende Wochen harter Arbeit vor uns. Bei mir gibt es kein Standard Setup, kein Mikrofon, das ich immer für dieses oder jenes benutze und keine Voreinstellung von irgendwelchen Parametern im Pult oder sonstiges. Ich fange jede Produktion komplett bei null an. Während Schlagzeug, Bass und Gitarren Dicke-Eier-Riffs ins Mischpult prügeln, versucht der Sänger sich in der Küche am Mittagessen (glaubt mir, niemand will über Wochen jeden Tag Pizza essen). Kulinarisch ist das dann meist heiter bis wolkig aber nach ca. 10 Produktionen kaum erträglicher bis unterirdischster Nahrungsaufnahme, kommt da einer, der das auch schon mal gemacht hat. Der Gute muss nur leider immer wieder in die Aufnahmeregie sprinten, um den Jungs trällernd über Kopfhörer irgendeine Orientierung zu geben (ohne Text, rein instrumental, kann die Songstruktur schon mal vor die Hunde gehen).

Dass ich diese Geschichte heute nicht mehr zu Ende bekomme, hab selbst ich gemerkt, scrolle wieder nach oben und hänge ein „Teil I“ an die Headline. Wir sind noch weit entfernt von auch nur einem fertigen Song, wie den im Video (dieser Sänger war übrigens eher Kategorie 5 Sterne Koch).

 

Toma Moon, Inhaber und Geschäftsführer der Mondbasis Hamburg, ist vor allem kreativer Kopf, Produzent, Soundfetischist und Kommunikator. Als detailverliebter Perfektionist und konsequenter Geschmacksverstärker holt er auch das letzte Quäntchen Talent aus seinen Schützlingen heraus und ist als Dozent und Musikproduzent seit vielen Jahren mit Projekten wie der SchoolTour, dem Robert Johnson Guitar Award oder dem Wacken Music Camp in der Nachwuchsförderung engagiert... Mit viel Feingefühl, Geschmackssicherheit und Entscheidungskraft schafft der Musikproduzent, Tonarzt, A&R Manager, Multiinstrumentalist und Business Punk immer wieder großartige Klangbilder, schnell eine angenehme Atmosphäre und gilt als nicht aus der Ruhe zu bringender Problemlöser. Mehr Infos hier: Wikipedia

mondbasis-hamburg.de

© Mondbasis Hamburg ⁄ Toma Moon

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