Ein Mann, ein Klavier - Daniel Lanois ganz intim

Als Studiotüftler hat Daniel Lanois zahllosen Rock-Ikonen einen besonderen Sound verschafft. Mit seiner neuen Soloplatte ist der Kanadier nun jedoch in ganz anderen Stil-Regionen unterwegs.
Cover des Albums «Player, Piano» von Daniel Lanois: Der Studiozauberer gibt sich ganz intim. © ---/Warner Music/dpa

Der Titel des neuen Albums von Produzenten-Guru Daniel Lanois ist Programm, er sagt eigentlich schon alles: «Player, Piano» - ein Mann spielt am und mit dem Klavier. Der 1951 in Quebec/Kanada geborene Musiker hat sich von seinen vielfach ausgezeichneten Studiojobs für Rock-Größen wie U2, Peter Gabriel, Bob Dylan oder Neil Young (um nur die bekanntesten zu nennen) so weit wie möglich verabschiedet - und den Weg in die Innerlichkeit gesucht.

Nachdem Lanois im Vorjahr - ähnlich überraschend - ein gelungenes Gospel-Album («Heavy Sun») herausgebracht hatte, versenkt er sich nun über 13 Tracks in beruhigende Klavier-Melodien mit etwas Orgel und ein paar Keyboard-Spielereien, streift dabei auch Neoklassik und Ambient. Selbst wenn Titel wie «Parade», «Clinch» oder «Wild Child» mal Anderes erwarten lassen, geht es hier nie über melancholisches Balladen-Flair oder impressionistische Pianotupfer hinaus.

Für Fans des genialen Pop- und Rock-Produzenten Lanois mag das langweilig sein - für unvoreingenommene und stilistisch offene Hörer dagegen eine akustische Wohltat in Krisenzeiten. Der 71 Jahre alte Kanadier sagt etwa über seine hauchzarte Miniatur «Eau»: «Im Kern hat das Stück etwas von einem Schlaflied und von einer Hymne.»

Saiten mit Tüchern gedämpft

Die Aufnahmen seien für ihn «eine einzige große Reise» gewesen, so Lanois, dessen Solodebüt «Acadie» schon gut 30 Jahre zurückliegt. «Und das zu einer Zeit, in der ich genau genommen die Füße stillhalten musste und festsaß. (...) Ich hatte Begegnungen mit den Geistern von Leuten wie Erik Satie, Oscar Peterson und Harold Budd.»

Für einen besonderen Sound präparierte der mehrfache Grammy-Gewinner zusammen mit Co-Produzent Dangerous Wayne Lorenz drei Pianos im Studio. So verwendeten die Musiker Geschirrtücher, um die Saiten zu dämpfen, und befestigten Filzstücke auf den Köpfen, was den Anschlag weicher klingen ließ.

«Ich sagte mir: Wenn ich schon eine Klavierplatte mache, dann muss sie wie Aufnahmen aus den Vierzigern oder Fünfzigern klingen – denn damals hatte das Klavier noch diesen ganz weichen und wunderschönen Klang», erklärt Lanois. Das Experiment ist ihm geglückt - «Player, Piano» ist von sanft einlullender, makelloser Intimität.

© dpa

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