König der Gauner

01.10.2021 Wo gerade so viel Großes passiert, in unserem Land, wollen wir uns mal auf die ganz kleinen Abenteuer konzentrieren.

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Ja-ha, meine Damen und Herren, in Berlin ist wieder doll was los, eventuell auch im Rest des Landes, das weiß ich gerade nicht. In der Hauptstadt jedenfalls, berichtet mir ein aufmerksamer Berliner, hat Edeka neue Kassen eingerichtet. An den alten Kassen haben die Kassierer*innen gefragt: „Möchten Sie noch unseren fantastischen Extra Bon, mit dem Sie tolle Gutschriften für Ihren nächsten Einkauf bekommen?“ An den neuen Kassen müssen die Angestellten das nicht mehr fragen, wahrscheinlich sind sie froh, denn so ein Sätzchen einige hundert Mal am Tag zu sagen, ist nicht das größte Spaßvergnügen, denke ich mal. Jedenfalls spuckt nun ein Maschinchen den „tolle Gutschriften“-Bon direkt in ein Schälchen. Das Schälchen befindet sich hinter der Kasse, dort, wo man den Einkauf einpackt. Mein Hauptstädter sieht also das Schälchen, es quillt über von Zettelchen, niemand war an einer Gutschrift interessiert. Oh! Mein! Gott!, denkt der Mann, warum ignorieren die Menschen ihre Chance auf Prozente und Geschenke? Ist es Eile oder Dummheit? Und weil die Kassiererin schon mit dem nächsten Kunden beschäftigt ist, rafft er all seine kriminelle Energie zusammen, greift in das Schälchen, packt den ganzen Haufen Zettel und läuft nach Hause. Er fühlt sich wie der König aller Diebe, sieht Schampusflaschen vor sich und feinen Heringssalat, alle Herrlichkeiten des Edeka-Universums, gratis oder fast geschenkt. Zu Hause breitet er mit zitternden Fingerchen die Zettelchen auf dem Küchentisch aus, 30 sind es, mindestens, und liest: „5 Prozent auf unsere frischen Backwaren“, „20 Prozent auf einen Einkauf ab 3074 Euro“ und „Beim Kauf von 29 Six-Pack Irisches Starkbier: eine Flasche umsonst.“ So geht es weiter und weiter und der Mann fühlt sich nicht mehr königlich, sondern fast schon ein bisschen betrogen. Aber dann denkt er an das großartige Gefühl, als er die Zettelchen in seine Jackentasche stopfte und an den beseelten Nachhauseweg, als er noch glaubte, den Coup seines Lebens gelandet zu haben und diese Viertelstunde war klasse. Wenn er es genau bedenkt, war es sogar die beste Viertelstunde des Tages und also murrt er nicht weiter und öffnet eine Flasche Cremant, korrekt und ohne Rabatt gekauft bei Edeka.

Wer sich jetzt fragt: „gibt es diese Woche wirklich nichts Spannenderes zu berichten?“, dem antworte ich: „Schwierig, schwierig, denn momentan konzentriere man sich am besten darauf, Vorräte für den Herbst zu sammeln oder eine Kuscheldecke zu besorgen. Man kann auch einen einfachen Zwetschenkuchen backen oder einen Kuchen mit Äpfeln, aber mehr Aufregung sollte man sich gerade wirklich nicht zumuten.“

© Nele Nielsen

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