Jetzt schön Liegenbleiben

26.11.2021 Manche Menschen haben Ziele und gehen ihre Tage hochkonzentriert an. Kann man machen. Genauso gut: mal alles links liegenlassen.

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Toll, was man alles erfährt, sobald man sich die Welt mal zu einer anderen Uhrzeit anschaut. Normalerweise gehe ich zu dieser Jahreszeit vor 14.00 nicht aus dem Haus. Aber jetzt hatte das Auto einen TÜV-Termin. Um 8.30 stehe ich also in der Werkstatt, ungewaschen und quasi besinnungslos vor Müdigkeit, der Prüfer und der Meister sind schon lange zugange, die putzmunteren Erdmännchen, und freuen sich auf den Feierabend. „Jetzt gehst Du mal schön ins Einkaufszentrum umme Ecke,“ befiehlt der Meister mir, „da trinkst Du ‘nen Kaffee und in ‘ner guten Stunde bist du zurück.“ Ich mache alles, was der Meister sagt, immer, denn er weiß Bescheid. Vor dem Einkaufszentrum staunte ich durch die Glasfront auf zwei lange Rollbänder, eines fährt in den Bauch eines Discounters hinein, das andere aus ihm heraus. Beide Richtungen sind pickepacke vollgepackt, lauter hochkonzentrierte Menschen mit Einkaufswagen. Die auf dem Weg hinaus haben sich tiefgefrorene Gänse, Karamellikör und Waschmittel gesichert… ha!, noch nicht neun Uhr und sie haben die Sonderangebote im Sack, tadellose Arbeit, eindeutig. Die anderen, die jetzt erst einfahren, sehen etwas sorgenvoll aus, sie haben gebummelt beim Frühstück und wissen nun nicht, ob die Regale schon leergekauft sind. Ein Wahnsinn, was am Morgen so abgeht und irre natürlich auch, was ich an Action verpasse, nur weil ich nicht aus dem Bett komme.

Aktuell schlafe ich nach dem Frühstücken einfach weiter, das ist das bewährte Prinzip des Winterschlafs, es schützt vor dem Grau und der Gesamtsituation da draußen. Über das reichliche Schlafen bin ich zur Expertin geworden: der allerbeste Schlaf ist tatsächlich der, wenn man eigentlich aufstehen müsste, aber einfach liegenbleibt. Der zweitbeste Schlaf ist das Nickerchen auf der Couch, aber nur, wenn man es auf etwa 20 Minütchen ansetzt, die dann zu anderthalb Stunden werden. Wenn mir zwischendurch doch mal langweilig wird, fache ich im Bett per WhatsApp ein wenig Drama mit verflossenen Liebhabern an, damit etwas Pfeffer in die trostlose Bude kommt. Immer schön das Zwischenmenschliche hochhalten, meine Herrschaften, immer am Ball bleiben, sonst fliegt er ins Aus, dann bleibt nur noch Kräutertee trinken und das wollen wir doch alle nicht.

© Nele Nielsen

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