Durchhalten mit Aquaman und so

Wir haben immer noch die freie Wahl: Göttern zusehen, mit Superhelden spielen, Ratgeberbüchern folgen oder Zungenbrecher erfinden.
Jason Momoa als "Aquaman" in der gleichnamigen Comicverfilmung. Die Fortsetzung des Streifens soll 2022 in die Kinos kommen. © picture alliance/AP Photo / Warner Bros. Pictures via AP

Kommen wir zu Superheld*innen und Göttlichem. Beim Film- und Seriengucken lerne ich eine Menge; Dinge, die ich so noch nicht wusste. Zum Beispiel, wie genau es aussieht, wenn eine Liebesgöttin beim Sex ihre Partner*innen verschlingt. Allein deshalb lohnt „American Gods“. Beim Streamen nehme ich gerne ein Bad. Vor Corona habe ich wenig gebadet und mich oft rasiert, heute ist es andersherum. Während ich in der Wanne liege, gucke ich meinen Beinhaaren zu, wie sie sich sanft im Wasser wiegen und spiele mit Aquaman. Aquaman ist mein Lieblings-Superheld, weil er sehr gut aussieht. Es gibt ihn auch als Actionfigur. Ich lasse ihn mit tiefer Stimme große Sachen sagen: „Du hast Unschuldige getötet. Bitte die See um Gnade!“ Solche Sätze kann man irgendwann sicher gut gebrauchen.

Zwischendurch lese ich natürlich auch mal ein Buch. Andere tun das offensichtlich auch – die aktuelle Spiegel-Bestsellerliste zeigt perfekt, wie alle versuchen, die verraffelte Gesamtsituation mit Lektüre in den Griff zu bekommen. Ganz weit vorn: „Der Ernährungskompass“. Aha, man kann also auch mal ein Tomatenscheibchen auf die nächste Handvoll Chips legen? Ansonsten: Erziehungsratgeber für Homeschooling-Eltern kurz vor dem Durchdrehen. Und ein achtwöchiges Übungsprogramm für körperliche und mentale Stärke. Acht Wochen? Ach, was soll’s, die rocke ich jetzt auch schwach noch weiter auf einer Backe ab. An der Spitze der Bestsellerliste übrigens, kein Scherz: „Eingefroren am Nordpol“ und „Und erlöse uns von den Blöden.“ Ja, ich denke, das trifft es beides sehr gut.

Ich freue mich weiter auf meine geplante Sommerorgie. Ein Kollege sehnt sich nach etwas ganz Anderem: das Beste nach Corona, sagt er, wird sein, dass die 80 Millionen Virologen verschwinden, die in den sozialen Netzwerken alles immer besser wissen als die echten Virologen. Er sehnt sich nach den Zeiten der 80 Millionen Bundestrainer zurück.

Was gibt es sonst noch zu tun, außer durchzuhalten? Vielleicht Zungenbrecher erfinden. Meiner: „Ich bin eine impfinteressierte Impfimpulsive mit Impfinformation.“

© Nele Nielsen
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