Der Mimimi-Modus

30.11.2018 Jammern wir ein andernmal, jetzt müssen wir die Zähne zusammenbeißen – bei Sex und Schlachtenfilmen geht es hart zu.

Foto: Christoph Schmidt © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ich brauche eine neue Matratze. Die alte scheint nach 30 Jahren doch etwas abgenutzt. Das habe ich nicht selber rausgefunden, die Werbung hat mich darauf hingewiesen. Eine gute Matratze ist anscheinend unbedingt notwendig für ein schönes, gesundes Leben. In der Bettenabteilung eines gediegenen Kaufhauses finde ich Hilfe. Der Verkäufer ist kein Verkäufer, sondern ein Bettenberater. Er ist über 60 und trägt eine Krawatte, alles ist so seriös, wie es sich gehört.

Der Berater belehrt mich über alte Matratzen und deren Gefahr für Leib und Seele, es ist ein langer Vortrag. Dann fragt er Privates ab („Schlafen Sie alleine? Wie oft?“) und weist mir die Matratze seiner Wahl zu. Es liegt sich angenehm auf ihr, vielleicht etwas weich. Ich frage den Berater, ob die Matratze für Sex nicht etwas zu anschmiegsam ist. „Nun“, sagte er tadelnd. „Wollen Sie Sex oder guten Schlaf? Für Sex müssen Sie schon auf den Boden gehen.“ Wie ich schon immer sagte: unterstützt den Einzelhandel, liebe kaufwütige Gemeinde, und haltet Euch an kompetente Krawattenträger, bevor sie aussterben.

Hart auf den Boden geht es auch in Mittelerde. Dort spielt der grandiose Fantasyfilm „Der Hobbit. Die Schlacht der fünf Heere“. Es ist ein toller Film, kämpfende Völker, es fließt sagenhaft viel Blut. Der Film ist von 2014. Als ich ihn damals im Kino ansah, habe ich angemessen reagiert: Gehirn ausschalten, abwechselnd Luft anhalten und ergriffen schnaufen. 

Nun lief ‚Der Hobbit‘ im Fernsehen. Der Film hat sich nicht verändert, er ist immer noch famos – nur mit mir ist zwischenzeitlich etwas Unheimliches geschehen. Während Zwerge und Orks sich gegenseitig die Köpfe abschlagen, zähle ich zwanghaft die Hauptdarsteller durch. Es sind 36. Zwei davon sind Frauen. Elfen natürlich. Eine der beiden darf mitkämpfen, die andere ist für mysteriöses Lächeln zuständig. Vor vier Jahren war mir das noch nicht aufgefallen, aber mittlerweile hat sich die heftige Gleichberechtigungsdebatte der letzten Jahre in mein Hirn gefräst. So sehr, dass ich selbst bei einem unschuldigen Schlachtenepos in den Mimimi-Modus gerate. Der Mimimi-Modus zeichnet sich durch übertriebenes Rumgejammere und unnötige Aufgeregtheit aus: „Mimimi! Nie dürfen Frauen mal jemanden enthaupten! Mimimi! Immer machen nur Männer die coolen Sachen!“

Ernsthaft: wie kriege ich das wieder weg?

© Nele Nielsen

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