Das Gute in uns

09.11.2018 In uns wohnt viel Gutes. Selbst Dieter Bohlen lässt es hin und wieder raus. Das schaffen wir auch.

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Manchmal, wenn ich versehentlich um 6 Uhr früh wach bin, schlurfe ich in die Küche, um etwas Schokolade zu essen. Dann sehe ich draußen Lämpchen leuchten, es sind wackere Radfahrer, die zur Arbeit flitzen.

Wenn ich die Schokolade gegessen habe, gehe ich zurück ins warme Bett und schlafe weiter. Aber das Licht in der Küche lasse ich an, als kleinen Trost für die tapferen Radler. Sie sollen wissen: sie sind nicht allein, auch andere machen sich bereit, den frühen Wurm zu fangen. In meinem Fall stimmt das zwar nicht, aber ich bin ein guter Mensch und wenn ich mit einem kleinen Lichtlein hilfreich sein kann, bin ich dabei.

Auch Dieter Bohlen ist vielleicht ein guter Mensch. Bohlen ist Juror bei der TV Show „Deutschland sucht den Superstar“. Dort entwürdigt er die Kandidaten mit hämischen Bemerkungen. Ich kann Niedertracht wenig abgewinnen. Auf Instagram allerdings gibt Bohlen in kurzen Videos freundlich Einblick in sein Leben. Unter anderem ruft er gutgelaunt dazu auf, Anderen mal was Gutes zu tun. Er wirkt dabei wie ein drolliger Zwölfjähriger, der zum ersten Mal in seinem Leben jemandem seinen Sitzplatz in der U-Bahn abgetreten hat und der Welt nun mitteilt, dass sowas echt eine krass coole Sache ist.

Mein Übergangsmann ist auch ein guter Mensch. Wenn er mich besucht, geht er zuerst in meine Küche. „Ah“, sagt er, „wie schön, es gibt etwas zu tun.“ Dann kümmert er sich um das gestapelte dreckige Geschirr. Währenddessen erzählt er mir das Neueste aus der Welt der Bahnhöfe, denn er ist ein Eisenbahnnerd.

Also: Wenn man in Hannover die Treppen hinauf zu den Bahnsteigen bewältigt hat, steht dort auf dem Boden „Bitte weitergehen“. Das steht da wegen des ‚Nach mir die Sintflut-Syndroms‘, sagt der Übergangsmann. Wenn Reisende heutzutage einen Bahnsteig betreten, bleiben sie erstmal stehen. Warum? Sehen sie aufs Handy, ob während des Treppenaufstiegs irgendwelche spektakulären Nachrichten für eingetroffen sind? Man weiß es nicht. Früher hat man seinen Koffer zum Bahnsteig geschleppt, ist dort schnaufend ein Sekündchen stehengeblieben und hat dann seinen Hintern weiterbewegt, um niemandem den Weg zu versperren.

Wenn der Abwasch getan ist, gehen mein Eisenbahner und ich ins Bett, egal um welche Tageszeit. Ich möchte das den Herren unter Ihnen empfehlen: einer Frau den Abwasch zu erledigen, kann unmittelbare Vorteile nach sich ziehen.

© Nele Nielsen

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