Auf dem Dorf

12.04.2019 Man munkelt, auf dem Dorf seien die Menschen herzlicher miteinander, als in der Großstadt. Hm.

Der Rauch einer brennenden Zigarette. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Meistens schreibe ich diese Kolumne an meinem Küchentisch. Wenn ich unterwegs bin, schreibe ich auch auf zugigen Balkonen, Kellertreppen oder in Hinterhöfen. Ich muss nämlich rauchen beim Schreiben ( jawohl, rauchen ist etwas ganz, ganz schlimmes) und anderswo als bei mir zuhause und in Hamburger Bars darf ich mir eigentlich kaum noch irgendwo eine Zigarette anzünden.

Just bin ich fern der Heimat und schreibe dies in einem offenen Gartenschuppen. Der kalte Aprilwind pfeift fröhlich hinein und meine Fingerchen sind klamm. Ich bin zu Besuch bei einem Teil meiner Verwandtschaft, den ich nur sehr selten sehe. Meist zu traurigen Anlässen, wie auch dieses Mal. Die Verwandtschaft lebt von mir aus gesehen am anderen Ende Deutschlands, in einem mittelgroßen Dorf und ist auf verzwickte Art und Weise komplett zerstritten. Jeder hält jeden für charakterlos, schäbig und eigensüchtig. Anfangs habe ich hin und wieder einen Einwurf versucht, etwas in der Art „vielleicht könnte man ja versuchen, drüber zu reden…“ Irgendwann habe ich dann verstanden, dass es manchmal zwischen Menschen tatsächlich so läuft wie zwischen Amerika und Nordkorea – viel Wahnsinn, keine Abrüstung.  

Auf dem Dorf, habe ich außerdem gelernt, ist es wirklich so, wie man immer hört. Man spricht miteinander, jeder mit jedem, und trägt, was man so hört, unverzüglich weiter. Irgendwann kommt alles immer genau dem zu Ohren, der es nicht hören soll. Abends beruhigt man sich durch ein anständiges Stück Leberkäse, eine gutgemachten Laugenbrezel und zwei bis drei Bier. Das Bier hier ist großartig. In den Gaststätten sitzen die Männer in Gruppen an großen Tischen beisammen und verdauen gemeinsam den Tag. Ich habe keine Ahnung, was die Frauen derweil machen.

Ich gebe das alles einfach mal so weiter, nur damit mir keiner hier auf die Idee kommt, aufs Land zu ziehen, weil er glaubt, dass das Leben da einfacher sei. Oder lustiger. Aber wer die Nase voll hat von Bars und Gin Tonic und nach sehr gutem Bier in geselliger Runde sucht, der ist auf dem Dorf sicher tadellos aufgehoben.

© Nele Nielsen

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