Die Zeit der Fußballzwerge ist vorbei

Früher sprach man im Fußball gern von „Fußballzwergen“, aber diese Zeiten sind definitiv vorbei. Kamerun trotzte Serbien ein Unentschieden ab und Ghana spielte gegen Südkorea groß auf. Die Fußball-Großmächte Portugal und Brasilien stehen indes schon im Achtelfinale.

Zunächst aber noch ein Wort zum Gastgeber Katar, der es einfach nicht lassen kann, sich über die Mund-zu-Geste der deutschen Mannschaft vor dem Spiel gegen Japan aufzuregen. Die katarische Sendergruppe Al-Kass fokussiert sich nun, da unsere Jungs beim 1:1 aufgetrumpft haben, auf eine Zuschaueraktion mit Bildern von Mesut Özil beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Spanien.

Dies sei eine Geste gegen „westliche Doppelmoral“, so der Sender auf Twitter, wo die Fotos gezeigt wurden. Zuschauer hatten am Sonntagabend im Al-Bayt-Stadion die Özil-Fotos und -Zeichnungen in die Höhe gehalten. Einige hielten sich zudem die Hand vor den Mund, um die Geste der DFB-Spieler zu imitieren.

Doppelmoral? Das behaupten ja die Richtigen! Dazu passt jedenfalls eine Reportage des ZDF im Vorfeld des Spiels, die die unfassbar miesen Lebensumstände von Gastarbeitern in Katar zeigte. Die Migranten, die zumeist aus armen asiatischen und afrikanischen Ländern stammen, werden gezwungen die Spiele abgesondert von der einheimischen Bevölkerung beim Public Viewing anzuschauen. Ein Ticket für ein WM-Spiel könnten sie sich niemals leisten, denn das sei so teuer wie ein halber Monatslohn.

Ein weiteres Thema der Reportage war die Tatsache, dass vor allem eben jene Fremdarbeiter bevorzugt angesprochen werden, wenn es darum geht Menschen zur Organspende zu bewegen – noch ein Detail einer menschenverachtenden Zwei-Klassen-Gesellschaft, die dem früheren Apartheid-System in Südafrika in nicht vielem nachsteht.

Kamerun – Serbien 3:3

Die Fußballprofis leben in ihrer eigenen Welt, aber wer will es ihnen verdenken, dass sie sich auf das Turnier konzentrieren wollen? So auch die Spieler von Kamerun, die seit den Erfolgen bei der WM 1990 in Italien selten für so richtig Furore sorgen konnten. Das Team um Bayern-Star Choupo-Moting musste versuchen mit zumindest einem Punkt die Möglichkeit auf ein Weiterkommen am Leben zu halten.

Der Moment war günstig, denn Gegner Serbien hatte sich mit einer selten dämlichen Aktion selbst ins Knie geschossen. Nach dem 0:2 gegen Brasilien tauchte ein Foto aus der Kabine der Serben in den sozialen Netzwerken auf. Darauf sah man eine Fahne, welche die Umrisse des Kosovo in den serbischen Farben mit der Botschaft „Niemals aufgeben“ zeigte. Das rief den Fußballverband des Kosovo und die FIFA auf den Plan, aber bislang konnte der Verantwortliche nicht ermittelt werden.

Fußball wurde dann allerdings tatsächlich auch noch gespielt – und das gar nicht mal schlecht! Wegen der üblen Mittagshitze gingen beide Teams aber zunächst nicht mit Volldampf ins Match. Erst in der 10. Minute sorgte Mitrovic für den ersten Aufreger, als er aus spitzem Winkel nur den Innenpfosten traf.

Die Serben blieben danach tonangebend, doch Kamerun ging in Führung. Verteidiger Castelletto drückte den Ball nach einem Eckball aus kurzer Distanz über die Linie (29. Minute). In der 43. Minute sorgte Kunde fast für das 2:0 für die Afrikaner, aber eben nur fast.

Das war wohl so eine Art Weckruf für die Serben und in der Nachspielzeit ging die Post ab. Erst traf der in Salzburg spielende Pavlovic nach einem Freistoß per Kopf zum Ausgleich. Wenig später schob Milinkovic-Savic aus 17 Metern ins rechte Toreck ein. Kameruns Keeper Epassy sah dabei alles andere als glücklich aus.

Nach dem Pausentee erhöhte Serbien sogar auf 3:1! In der 53. Minute eroberten sie den Ball und spielten über sechs Stationen, bis Mitrovic ins verwaiste Tor Kameruns schießen konnte.

Kameruns Trainer Song reagierte mit der Einwechslung von Stürmer Aboubakar für Mittelfeldspieler Hongla (55. Minute). Eine Maßnahme, die sich kurz darauf bezahlt machte, denn in der 63. Minute machte der Joker nach Steilpass das 2:3 aus Sicht der Afrikaner. Der Schiedsrichter entschied auf Abseits, doch diese Entscheidung wurde zurecht vom VAR korrigiert.

Die serbische Abwehr glich nun einem Hüherhaufen. Wieder hob Milenkovic das Abseits bei einem Steilpass zu Aboubakar auf, der diesmal Choupo-Moting bediente. Der Stürmer des FC Bayern München blieb eiskalt und schloss aus kurzer Distanz das 3:3 (66. Minute). Zwar hatte Mitrovic in der 89. Minute noch die Chance zum vierten Tor für Serbien, doch am Ende stand eine gerechte Punkteteilung.

Fazit: Kamerun ist trotz seines famosen Auftritts gegen den Favoriten aus Serbien so gut wie aus dem Turnier, denn im letzten Vorrundenspiel wartet Brasilien. Die Serben brauchen schon einen Sieg gegen die Schweiz, um weiterzukommen.

Südkorea – Ghana 2:3

Ghana war die zweite afrikanische Mannschaft, die am Montag ins Turniergeschehen eingriff. Das vom Deutsch-Ghanaer Otto Addo trainierte Team hatte im ersten Match der Gruppe H gegen Portugal zwar verloren, beim 2:3 aber auch eine gute Mischung aus Technik, Physis und Willen gezeigt. Südkorea seinerseits hatte dem Favoriten Uruguay ein 0:0 abgetrotzt.

Für beide Teams galt es also nun den vermeintlich leichtesten Gegner in dieser Vorrundengruppe zu schlagen. Und Ghana hatte gleich den besseren Start. Nach 25 eher öden Minuten schlug Ayew zum 0:1 zu. Der VAR checkte zwar noch ein eventuelles Handspiel der Ghanaer kurz zuvor, aber das Tor wurde gegeben.

Die Südkoreaner versuchten weiter geordnet zu stehen, schliefen in der 34. Minute aber erneut. Ayew wurde im Halbfeld nicht richtig angegriffen. Nach seiner schönen Flanke wurde Kudus bei seinem Kopfball von zwei Gegner nicht richtig attackiert – das zweite Tor für die „Black Stars“!

Südkorea suchte nun die Lücke. Jung schnappte sich die Kugel und suchte den Abschluss nahe des linken Strafraumecks. Sein Zirkelschuss verfehlte sein Ziel etwa einen Meter – Glück für Ghana! Danach ging es in die verdiente Pause bei schwülen 30 Grad.

In der 50. Minute scheiterte der Ghanaer Lamptey aus 14 Metern mit seinem schwächeren linken Fuß an. In der 53. Minute hatten die Koreaner dann fast den Ausgleich erzielt. Eine schöne Flanke von links erreichte den Kopf von Cho, doch dessen Ball wurde von Keeper Zigi aus dem Winkel gefischt.

Vier Minuten später war aber Cho erfolgreich. Nachdem der eingewechselte Lee schön von der linken Außenlinie geflankt hatte, köpfte er den Ball aus sechs Metern in die Maschen. Dann tatsächlich der Doppelpack! Cho bekam wieder einen hohen Ball von links und war wieder aus kurzer Distanz mit dem Kopf zur Stelle – 2:2!

Nun belauerten sich beide Teams und Ghana legte wieder einen drauf. Ein Ball kam mit Speed durch den Strafraum, der eigentlich völlig freie Williams schlug in einer Slapstick-Einlage über das Leder, aber weiter rechts war Kudus ebenso frei und versenkte den Ball mit einem satten Schuss ins lange Eck (69. Minute). Koreas Super-Star Son von den Tottenham Hotspurs versuchte in der 70. Minute mit einem Freistoßtor zu antworten, doch Ghanas Torwart Zigi tauchte rechtzeitig ins linke untere Eck ab.

Danach ging es weiter hoch her mit Chancen hüben wie drüben. In der zehnminütigen Nachspielzeit stand vor allem Son im Zusammenspiel mit Cho im Mittelpunkt, aber Letzterer vergab aus drei Metern die große Chance zum Ausgleich. Die Südkoreaner zogen nun ein Powerplay mit diversen Flanken auf, aber keine fand ihr Ziel.

So siegte am Ende Ghana nicht unverdient mit 3:2. Südkoreas Trainer Bento bekam noch nach dem Schlusspfiff die rote Karte, nachdem er Schiedsrichter Taylor wegen einer nicht mehr gegebenen Ecke für sein Team beleidigt hatte.

Fazit: Ghana hat gegen Uruguay nun das viel zitierte „Endspiel“ um den Einzug ins Achtelfinale. Südkorea muss sich enormen Chancenwucher vorwerfen lassen. Gegen Portugal müssen die Asiaten schon deutlich effizienter spielen, um noch etwas reißen zu können.

Brasilien – Schweiz 1:0

Das Problem südamerikanischer Teams bei Weltmeisterschaften ist ja meist, dass sich alles auf einen Super-Star konzentriert. Bei Argentinien ist das Messi, bei Brasilien Neymar. Letzterer bekam beim WM-Debüt gegen Serbien aber ordentlich auf die Socken und fehlte gegen die Schweiz.

Kein großer Verlust, denn der für seine Exzentrik und Schauspieleinlagen bekannte Star von Paris St. Germain wollte sein erstes Tor ausgerechnet dem abgewählten brasilianischen Präsidenten Bolsonaro widmen. Der „Tropen-Trump“ hatte in seiner Amtszeit für die beschleunigte Abholzung des Regenwalds und eine miserable Corona-Politik gestanden.

Ganz anders tickt da Richarlison, der mit zwei wunderbaren Treffern der „Selecao“ den 2:0-Sieg gegen Serbien geschenkt hatte. Er ließ sich frühzeitig impfen, spendete Geld für Krankenhäuser in Manaus und übernahm die Patenschaft für einen Jaguar, um auf die Bedrohung der Natur aufmerksam zu machen.

Ähnlich wie gegen Serbien ließen es die Brasilianer in der ersten Hälfte gegen die Schweiz gemütlich angehen. Die Eidgenossen erwarteten die „Selecao“ mit zwei Viererketten. Dafür waren Embolo und Vargas bereit für Konter. Kein Wunder also, dass Höhepunkte Mangelware waren.

Fred und Lucas Paqueta machten das Spiel in der 12. Minute plötzlich schnell und Richarlison war rechts frei durch. Seine Hereingabe für Vinicius Junior war jedoch zu kurz und die Schweiz konnte die Situation entschärfen. Sieben Minuten später tauchte Richarlison diesmal zentral auf, aber Elvedi passte auf.

In der 27. Minute dann musste Brasilien einfach das 1:0 machen. Nach mustergültiger Flanke von Raphinha war Vinicius Junior von Real Madrid völlig blank, aber die Direktabnahme ging unbrasilianisch schief. Sommer lenkte den Ball mühelos zur Ecke. Der Schweizer Keeper in Diensten von Borussia Mönchengladbach konnte auch der 25-Meter-Linksschuss von Eder Militao in der 31. Minute nicht schocken. Den fing er quasi mit der Mütze.

Kurz vor Pause fiel dann auch das Flutlicht aus, was für allgemeine Erheiterung sorgte. Nach dem Pausentee bot sich dann das gleiche Bild wie zuvor. Brasilien war dominant, spielte aber zu langsam. Die Schweizer waren kaum in Ballbesitz, aber standen kompakt.

Danach brach nach einem feinen Pass von Casemiro Vinicius Junior über links durch und versenkte den Ball in der langen Ecke (64. Minute), doch der Jubel war verfrüht. Weil Richarlison zuvor im Abseits gestanden hatte, nahm Schiedsrichter Barton das Tor zurück.

In der 83. Minute war es aber dann soweit: Mit einem No-Look-Pass bediente der eingewechselte Rodrygo Casemiro, der den Ball aus circa elf Metern per Drop-Kick ins Schweizer Netz jagte. Keeper Sommer war ohne Chance, weil Akanji den Schuss noch abgefälscht hatte.

Fazit: Brasilien ist souverän für das Achtelfinale qualifiziert und neben Frankreich im Moment der größte Favorit auf den Titel. Die Schweizer sind nun im brisanten Duell mit Serbien gefordert, aber ein Punkt sollte ihnen zum Weiterkommen reichen.

Portugal – Uruguay 2:0

Im ersten WM-Spiel sorgte Portugals Super-Star Ronaldo für einen besonderen Moment, als er das 1:0 per Elfmeter markierte. Damit ist er der einzige Spieler, der jemals bei fünf Weltmeisterschaften mindestens ein Tor erzielt hat. Trotz des 3:2-Siegs blieb aber ein fader Beigeschmack. Gegen Außenseiter Ghana zeigte sich die portugiesische Abwehr merkwürdig unsortiert.

Uruguay seinerseits kam gegen Südkorea nicht über ein torloses Unentschieden hinaus. Der Weltmeister von 1930 und 1950 vertraute aber auch gegen Portugal auf jede Menge Erfahrung: Zwar saß Suarez auf der Bank, aber Godin und Cavani spielten – und alle drei haben die 30 lange überschritten.

Uruguay eröffnete zwar mit einem Abschluss von Olivera (2. Minute), doch fortan verlegten sich die Südamerikaner fast ausschließlich auf das Verteidigen. So kam die „Selecao“ auf eine Ballbesitzquote von über 70%.  Es fehlte jedoch an kreativen Einfällen gegen den von Abwehrrecke Godin orchestrierten Abwehrriegel. Ganz im Gegenteil hatten die „Gauchos“ in der 32. Minute die beste Gelegenheit der ersten Hälfte, doch Bentancur scheiterte mit einem versuchten Schuss durch die Beine von Torhüter Diogo Costa.

Das Signal für mehr Attacke gab in der 52. Minute dann Joao Felix. Der 23-Jährige setzte den Ball aus spitzem Winkel ans Außennetz (52. Minute) und eröffnete damit eine erfolgreiche Druckphase der Portugiesen. Nach Zuspiel des eingewechselten Dortmunders Guerreiro flankte Bruno Fernandes zwei Minuten später den Ball butterweich und mit Schnitt zum uruguayischen Tor.  Cristiano Ronaldo kam zwar nicht mehr ran, irritierte aber Keeper Rochet, so dass der Ball im langen Eck einschlug.

Nun überließen die Portugiesen dem Gegner das Feld und die „Gauchos“ zeigten, dass sie durchaus Offensive können. Gomes knallte einen Schuss an den rechten Pfosten (75. Minute). Drei Minuten später schoss der eingewechselte Suarez vorbei. In der 79. Minute konnte Arrasceta Diogo Costa mit einem Heber nicht überwinden.

Schließlich hatten die Südamerikaner ein weiteres Mal Pech, als Gimenez im eigenen Strafraum grätschend zum Ball ging und Bruno Fernandes seine Stützhand anschoss (89. Minute). Der VAR schritt ein und der iranische Referee Alireza Faghani zeigte tatsächlich auf den Punkt – eine ganz klare Fehlentscheidung, die nicht nur die Fans aus Uruguay, sondern jeden auf die Palme brachte, der etwas von Fußball versteht. Bruno Fernandes ließ sich trotzdem nicht lange bitten und übernahm den Elfmeter für den bereits ausgewechselten CR7 - 2:0!

Fazit: Uruguay muss gegen Ghana gewinnen. Sonst fährt der zweifache Weltmeister schon nach der Vorrunde nach Hause. Portugal hingegen kann sich schon mal Gedanken über mögliche Gegner im Achtelfinale machen.

© Tom Meyer
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