Der einsame Rekord des Cristiano Ronaldo

Am fünften Tag der Fußball-WM in Katar hatte Cristiano Ronaldo seinen großen Auftritt. Befreit von den Querelen mit seinem früheren Arbeitgeber Manchester United feierte der portugiesische Welt-Star im ersten Spiel seiner fünften Weltmeisterschaft einen besonderen Moment.

Doch zunächst einmal bestimmte auch einen Tag nach der Niederlage gegen Japan das Mund-zu-Statement der DFB-Kicker die Schlagzeilen im Blätterwald. Von den meisten Politikern in der Heimat gab es Lob. Belgiens Kapitän Eden Hazard hingegen ätzte, man sei in Katar, um sich auf Fußball zu konzentrieren. Pikanterweise zeigte sich die Außenministerin seines Landes, die arabischstämmige Hadja Lahbib, ebenso wie zuvor die deutsche Innenministerin Nancy Faeser (SPD) neben FIFA-Präsident Gianni Infantino mit der „One Love“-Binde, die dieser den europäischen Mannschaftskapitänen untersagt hatte.

Für das DFB-Team gibt es am Sonntag gegen Spanien also gleich eine doppelte Motivationsspritze. Zum einen möchte man sportlich zeigen, dass man das Zeug zum Weiterkommen hat, indem man als Außenseiter gegen den Weltmeister von 2010 besteht. Zum anderen könnten Hansi Flicks Mannen im Achtelfinale, so man es doch noch erreicht, ausgerechnet auf Belgien mit Sprücheklopfer Hazard treffen.

Schweiz – Kamerun 1:0

Für den Schweizer Kicker Breel Embolo war das erste Spiel der „Nati“ gegen Kamerun ein ganz besonderes Match. Der 25-Jährige, der lange Jahre in der Bundesliga bei Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach aktiv war, wurde in Kameruns Hauptstadt Yaounde geboren. Seine Mutter ließ sich mit ihren beiden Söhnen in Basel nieder, da die Familie in Kamerun keine Perspektive sah. Im Dezember 2014, zwei Monate vor seinem 18. Geburtstag, wurde Embolo eingebürgert und erhielt den Schweizer Pass.

Nun also ging es gegen das alte Heimatland und ausgerechnet Embolo markierte in der 48. Minute das Tor des Tages. Shaqiri spielte den Ball von der rechten Seite in den Rücken der Abwehr Kameruns. Embolo stand frei und hatte keine Mühe, die Kugel aus sechs Metern im Tor unterzubringen. Überwältigt von seinen Emotionen entschuldigte sich Embolo sogleich in Richtung der kamerunischen Fans und jubelte kein bisschen.

Dabei war dieser Treffer umso wichtiger, als die Schweiz zuvor eine Menge Mühe mit den Kamerunern gehabt hatte. Die favorisierten Europäer bissen sich an den gut organisierten Abwehrreihen der Afrikaner die Zähne aus. Kamerun ging seinerseits selbst fast in Führung. Bei einer ersten Doppelchance vergaben Mbeumo und Toko Ekambi (10. Minute). Vier Minuten später scheiterte der bei Bayern München spielende Choupo-Moting, als er alleine auf den bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stehenden Schweizer Keeper Sommer zulief.

Mit zunehmender Spieldauer ging der Sieg der Eidgenossen aber immer mehr in Ordnung, denn die Elf von Nationaltrainer Murat Yakin hätte in mehreren Szenen das 2:0 nachlegen können. Allerdings fand Vargas seinen Meister in Kameruns Torwart Onana (66. Minute), Zambo Anguissa rettete in höchster Not vor Embolo (67. Minute) und der eingewechselte Seferovic ließ auch die letzte Möglichkeit in der Nachspielzeit liegen.

Fazit: Für die Schweizer ist der Sieg gegen Kamerun ein Auftakt nach Maß, denn in der Gruppe G muss man gegen die Konkurrenz um Platz zwei hinter Favorit Brasilien gewinnen, um weiterzukommen. Kamerun hat nun trotz guter Spielanlage nur noch wenige Chancen auf das Achtelfinale.

Uruguay - Südkorea 0:0

Wenn Engländer mit Wehmut an ihren einzigen WM-Titel von 1966 denken und von so und so viel „Jahren des Schmerzes“ fabulieren, können Uruguayer nur mit den Achseln zucken. 1950 gewann die „Celeste“ den letzten Titel, nachdem man 1930 sogar die allererste WM überhaupt für sich entscheiden konnte.

Dass die „Urus“ Weltmeister werden, erwartete in der Heimat vor dem Turnier in Katar niemand, aber das Erreichen des Achtelfinals erschien anhand der leichten Gruppe doch machbar. Gegen Südkorea sollten die ersten drei Punkte eingefahren werden, doch die Asiaten erwiesen sich auch bei diesen Titelkämpfen als äußerst unangenehmer, weil laufstarker und kämpferisch starker Gegner – und so blieb es bei der Punkteteilung.

Dabei wäre für den zweifachen Weltmeister aus Südamerika ein Sieg möglich gewesen, denn pro Halbzeit traf das Team jeweils einmal Aluminium. Oldie Godin stieg nach einer Ecke am höchsten, doch der 36-Jährige setzte den Ball an den linken Pfosten (43. Minute). Fede donnerte den Ball links oben an den Pfosten (90. Minute). Südkorea selbst kam kaum zu eigenen Chancen. Zielspieler Ui-Jo Hwang vergab aus kurzer Distanz überhastet (34. Minute). Der eingewechselte Gue-Sung Cho schoss aus guter Lage aus der Distanz vorbei (77. Minute).

Fazit: Uruguay war das bessere Team, muss aber gegen Portugal und Ghana eine Schippe Zielwasser drauflegen. Südkorea konnte technisch gefallen, war aber bei weitem nicht so effizient wie bei der WM 2018, als man die deutsche Elf mit 2:0 nach Hause schickte.

Portugal – Ghana 3:2

Schnell wird im Fußball ja zu Superlativen gegriffen, aber im Falle Cristiano Ronaldos ist das mehr als angebracht. Der mittlerweile 37 Jahre alte Welt-Star, der gerade bei Manchester United wegen eines Rundumschlags gegen Vereinsoffizielle und Trainer gefeuert wurde, spielt seine fünfte WM. Damit steht Ronaldo zum Beispiel auf einer Ebene mit Lother Matthäus.

Aber beim Portugiesen kam im Auftakt-Match gegen Ghana bei der Fußball-WM in Katar noch ein ganz besonderer Moment hinzu. Nachdem Ronaldo in einer ansonsten sterbenslangweiligen ersten Halbzeit ein regulärer Treffer aberkannt worden war, versenkte der er in der 65. Minute souverän einen Elfmeter. Es war, so muss man das sagen, eine Konzessionsentscheidung des schwachen Schiedsrichters Ismail Elfath aus den USA, vom Reporter wegen seines schnellen Zückens von gelben Karten gern süffisant „Lucky Luke“ genannt. Ronaldo wird’s egal sein, denn nun ist der einzige Spieler der Welt, der bei fünf Weltmeisterschaften mindestens einen Treffer erzielt hat.

Die Portugiesen schienen mit dem Tor ihres Super-Stars auf der Siegerstraße, vergaßen aber das Verteidigen. In der 73. Minute bestrafte das Ayew im Getümmel des Fünfmeterraums mit dem Ausgleich, doch dann zog Portugal erneut davon. Joao Felix in der 78. Minute und zwei Minuten später der eingewechselte Rafael Leao schienen erneut alles klargemacht zu haben.

Als dann in der 89. Minute Bukari der viel umjubelte Anschlusstreffer für Ghana gelang, war auf einmal die Hölle los. Rudelbildungen, Slapstick-Einlagen von Torhütern und Verteidigern, vergebene Chancen en masse – so eine vogelwilde Partie war nach den öden ersten 45 Minuten kaum zu erwarten gewesen. Ronaldo musste bei diesem Spektakel schon tatenlos zusehen, da er in der 88. Minute ausgewechselt worden war. Seine Mannschaftskameraden schafften es dann aber mit einer Menge Dusel doch das 3:2 zu halten.

Fazit: Die portugiesische Offensive war gegen Ghana wie erwartet bärenstark, aber dafür war die Defensive oft ziemlich unsortiert. Die von Jugend-BVB-Trainer Otto Addo trainierten Ghanaer müssen in den nächsten beiden Partien nur taktisch besser auftreten, denn kämpferisch war das eine sehr gute Leistung.

Brasilien – Serbien 2:0

Für Brasilianer ist das Trikot der Nationalmannschaft eine ernst, ja fast heilige Sache. Als die „Selecao“ 1950 im heimischen Maracana-Stadion den sicher geglaubten Titel gegen Uruguay aus der Hand gab, saßen noch Stunden später weinende Fans im weiten Rund. Wenig später wurde bekanntgegeben, dass das Team künftig nie wieder in weißen, sondern fortan in kanariengelben Trikots antreten durfte. Mit diesem Leibchen gewann allein der große Pelé drei Titel. 1994 und 2002 kamen zwei weitere hinzu, aber nun ist der Ruhm doch arg verblasst.

Dass das gelbe Trikot der Nationalmannschaft selbst in der billigen, gefälschten Version in Brasilien zurzeit ein Ladenhüter ist, hat indes weniger sportliche als politische Gründe. Der rechtsradikale Ex-Präsident Bolsonaro pflegte gern darin aufzutreten, doch nun verlor er die Wahl zum Präsidenten gegen den linken Kandidaten Lula. Viele, vor allem ärmere Brasilianer, die es mit Lula halten, haben also ein gestörtes Verhältnis zum Leibchen der „Selecao“.

Vielleicht liegt das aber auch an Kickern wie Neymar, die meist in Europa spielen und Gehälter verdienen, von denen Otto Normalbrasilianer nur träumen kann. In einem Land, in dem Nationalhelden gern Marotten verziehen werden, genießt der Star von Paris St. Germain mittlerweile nur noch bedingten Heldenstatus. Zu nervig sind seine Unsportlichkeiten, vor allem die legendären ewigen Rollen nach kleinen Fouls des Gegners.

Mit Serbien wartete im ersten WM-Match ein Gegner, der feine Technik mit rustikalem Abwehrverhalten paart – genau richtig für den Star der „Selecao“, der im ersten Durchgang denn auch weniger durch durchdachte Aktionen als durch schmerzverzerrte Grimassen auffiel. Die „Adler“ vom Balkan betrieben viel läuferischen Aufwand und wurden dafür belohnt.

In der zweiten Halbzeit war das Bild das gleiche, aber in der 60. Minute gelang Brasiliens Linksverteidiger Alex Sandro ein Gewaltschuss, der ans serbische Aluminium krachte – ein Weckruf für die bis dahin viel zu kompliziert spielenden Südamerikaner. Richarlison machte drei Minuten später mit einem Abstaubertor das 1:0. In der 73. Minute folgte vom Stürmer des FC Everton dann sogar ein sehenswerter Seitfallzieher, der im 2:0 mündete.

Was folgte, war ein brasilianisches Schaulaufen. Serbien konnte einfach nicht mehr mithalten. Casemiro traf nur den Querbalken (81. Minuten) und bis zum Schlusspfiff verhinderte Serbiens Keeper Milinkovic-Savic mit einigen Paraden eine noch höhere Niederlage.

Fazit: WM-Favorit Brasilien brauchte lange Zeit, um sich freizuspielen, trumpfte danach aber groß auf. Man muss nicht viel Fantasie haben, um den fünffachen Weltmeister mit einem Bein im Achtelfinale zu sehen. Die kampfstarken Serben sind allerdings auch noch lange nicht aus dem Rennen.

© Tom Meyer
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