Kampfkraft schlägt Arroganz

Spaniens Trainer Luis Enrique wird wohl als der arroganteste Coach dieser WM in die Geschichte eingehen, hatte er doch in der Vorrunde sein Team bewusst gegen Japan verlieren lassen, um Zweiter zu werden. Gegen Marokko war dann Endstation im Achtelfinale. Und Portugal kann ohne Cristiano Ronaldo sogar noch besser spielen.

Wir erinnern uns: Für die leidgeprüften Fans der deutschen Nationalmannschaft war es einfach zum Verzweifeln. Man selbst gewann sein letztes Spiel mit 4:2, doch Spanien wollte partout nicht mitspielen.

Offensichtlich waren die Iberer bestens informiert über den Stand im Parallelspiel und nahmen das japanische Tor in den letzten 20 Minuten gar nicht mehr ins Visier. Der zweite Platz war Trainer Enrique lieber, denn so konnte man Brasilien erst im Finale begegnen. Wäre man Gruppenerster geworden, hätte ein Match gegen die „Selecao“ den Iberern schon im Viertelfinale gedroht.

Besonderes Geschmäckle: Die Fußballverbände Spaniens und Japans hatten kurz vor dem Vorrunden-Match eine Kooperation vereinbart. Unter anderem sollen die Japaner für die Bewerbung Spaniens, Portugals und der Ukraine für die Fußball-WM 2030 in Asien die Werbetrommel rühren. Umso schöner, dass die „Blue Samurai“ ebenso wie ihre neuen Freunde nach äußerst luschig geschossenen Elfmetern gegen Kroatien den Kürzeren zogen.

Marokko – Spanien 3:0 n.E.

Anders als mit Arroganz kann man die enorme Fehleinschätzung des spanischen Trainer-Teams nicht erklären, denn wer Marokko in der Vorrunde gesehen hatte, wusste, dass die Nordafrikaner vor allem in der Defensive enorm stark sind. Nur ein Eigentor handelten sie sich in drei Spielen ein.

Dazu kam die in Marokko früher ungekannte Fähigkeit im entscheidenden Moment den Sack zumachen zu können. Das mussten die ebenfalls mit einer gewissen Überheblichkeit kickenden Belgier erfahren, als sie kurz vor Schluss erst das 0:1 und in der Nachspielzeit nach einem schönen Konter sogar das 0:2 hinnehmen mussten – und Belgien war vor dem Turnier nominell sicherlich nicht schlechter als Spanien eingestuft worden.

Doch zurück zum Achtelfinale: Die Partie gegen Marokko begann für die „Furia roja“ zunächst ganz ordentlich. Nach einem Flugball von Jordi Alba setzte Asensio die Kugel ans Außennetz (27. Minute). Zwei Minuten zuvor hatte Gavi zwar die Latte getroffen, Vorlagengeber Ferran Torres aber im Abseits gestanden. Am Ende der ersten Halbzeit stand eine Ballbesitzquote von 75% für Spanien, aber wie wir alle wissen, ist Ballbesitz nicht gleich Torerfolg.

Angetrieben von ihrem fanatischen Anhang wurden die Marokkaner in der zweiten Halbzeit mutiger und sorgten ein ums andere Mal für Entlastung. Spanien seinerseits hatte sich mit seinem öden Ballbesitz-Fußball selbst eingeschläfert und kam erst in der Nachspielzeit durch Olmo zu einer guten Gelegenheit, doch Keeper Bono war auf dem Posten.

In der Verlängerung verteidigte Marokko weiter leidenschaftlich, doch Entlastung gab es kaum noch. Nur Cheddira hatte im Duell gegen Spaniens Torwart Simon eine große Möglichkeit, vergab diese aber kläglich. So hätten die Iberer die Partie in der Nachspielzeit für sich entscheiden können, doch Sarabia scheiterte nach einer Halbfeldflanke mit einer Direktabnahme am Pfosten.

Fun Fact: Trainer Enrique hatte den Spielern der spanischen Nationalmannschaft in den Monaten zuvor als Hausaufgabe mitgegeben immer wieder Elfmeter zu üben. Zu sehen war davon nichts, denn Sarabia, der extra für das Elfmeterschießen für den zuvor eingewechselten Williams gekommen war, krachte das Leder an den Pfosten. Die Schüsschen von Soler und Busquets hielt Keeper Bono danach quasi mit der Mütze.

Fazit: Mit Genugtuung sieht man als deutscher Fan gern zu, wie Möchtegern-Weltmeister Spanien nach einer uninspirierten Leistung die Heimreise antritt. Wie groß wäre die Freude, wenn man die Iberer bei der Heim-EM in zwei Jahren aus dem Stadion schießen würde! Marokko erkämpft sich hingegen das Viertelfinale mit einer starken Willensleistung, die Respekt abnötigt.

Portugal – Schweiz 6:1

Nach dem Ausscheiden der DFB-Elf prasselte ja vor allem aus der arabischen Welt jede Menge auf Deutschland ein, aber auch aus der Schweiz kam Kritik an der Bundesrepublik. Der Moderator Andreas Böni nahm dabei vor allem den grünen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ins Visier.

„Der reist im Frühjahr fröhlich nach Katar und bettelt um Gas und im Herbst sagt er dann Manuel Neuer, es wäre gut, wenn er die Kapitänsbinde trägt“, so Böni. „Das ist für mich Doppelmoral vom Feinsten!“

Eine sehr erstaunliche Feststellung, ist doch gerade die Schweiz dafür bekannt es bei Kontoeinzahlungen durch Diktatoren und Mafiosi nicht allzu genau mit der Moral zu nehmen. Zudem verweigert die Schweiz der von Russland bedrängten Ukraine die Lieferung dringend benötigter Munition für von Deutschland gelieferte Gepard-Flugabwehrpanzer. Da ist man dann neutral. Wenn das mal keine Doppelmoral ist…

Doch kommen wir zurück zum Sportlichen: Wie die Spanier verloren auch die Portugiesen ihr dritten Vorrunden-Match gegen Südkorea, nachdem sie schon für das Achtelfinale qualifiziert waren. Coach Santos hatte auf gleich sechs Positionen rotiert.

Nun gab es gegen die Schweizer die Rolle rückwärts. Aus der Partie gegen die Koreaner blieben nur Keeper Diogo Costa, Diogo Dalot und Pepe in der Startelf. Der mittlerweile 37-jährige Super-Star und Kapitän Cristiano Ronaldo fand sich indes unverhofft auf der Bank wieder.

Für die Schweizer ergab sich in der Vorrunde wenig Raum für taktische Spielchen. Sie mussten Serbien schlagen, um in die Runde der letzten 16 und schafften dies nach zwischenzeitlichem Rückstand mit 3:2 recht eindrucksvoll.

So hielt sich die Rotation der Eidgenossen gegen Portugal denn auch im Rahmen. Stamm-Keeper Sommer war wieder fit und spielte an Stelle von Kobel. Zudem ersetzte Fernandes seinen ebenfalls bei Mainz unter Vertrag stehenden Kollegen Widmer, der erkrankt fehlte.

Anstelle Ronaldos spielte im Team der „Selecao“ ein gewisser Goncalo Ramos – und der hatte es definitiv drauf, denn in der 17. Minute kam er links im Strafraum zum Abschluss und jagte das Leder trocken ins linke obere Eck. Die geschockten Schweizer antworteten mit einem Shaqiri-Freistoß, der allerdings nicht den Weg ins Tor fand.

Portugal blieb aber am Drücker und ging mit 2:0 in Führung. Ausgerechnet Pepe wuchtete einen Kopfball aus kurzer Distanz in das eidgenössische Netz (33. Minute). Der 39-Jährige geht somit als zweitältester WM-Torschütze aller Zeiten hinter Roger Milla (42 Jahre, 39 Tage) in die Geschichtsbücher ein.

Kurz nach der Pause war die Partie dann entschieden. Goncalo Ramos spitzelte den Ball zum 3:0 über die Linie (51. Minute). Vier Minuten später erhöhte Dortmunds Guerreiro auf 4:0.

Den wackeren Schweizern gelang in Person von Akanji nach einem Standard der Ehrentreffer (58. Minute), ehe Goncalo Ramos in der 67. Minute seinen dritten Treffer an diesem Abend erzielte. Spätestens jetzt waren die Ronaldo-Sprechchöre im Stadion deutlich zu hören.

Der Super-Star durfte dann tatsächlich noch einmal für 20 Minuten ran, blieb aber torlos. Dafür stellte der junge Rafael Leao in der Nachspielzeit mit einem wunderbaren Schlenzer den Endstand zum 6:1 her. Wir freuen uns jetzt schon auf den Kommentar zum Spiel von Meister Böni!

Fazit: Portugal hat eindrucksvoll gezeigt, dass es ohne Ronaldo sogar noch besser spielen kann. Mit Marokko wartet allerdings das defensivstärkste Team dieser WM im Viertelfinale. Die Schweiz war dagegen gar nicht auf dem Platz und fährt verdient nach Hause.

© Tom Meyer
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