Effizienz schlägt Herz

Sowohl die US-amerikanische als auch die australische Nationalmannschaft hatten durch das Erreichen des Achtelfinales daheim eine echte Fußball-Euphorie ausgelöst. Doch im Duell gegen die alten Großmächte des Fußballs mussten sie Lehrgeld zahlen.

Doch sehen wir es positiv, dass zwei Teams, die vor allem mit Herz spielen, es überhaupt ins Achtelfinale geschafft haben. Und Amerikaner und Australien haben in ihrem Werdegang einiges gemeinsam.

Die USA standen im nordamerikanischen Fußballverband CONCACAF immer im Schatten Mexikos. Der fußballbekloppte Nachbar hatte ein Dauer-Abo auf die WM-Teilnahme, während die USA manchmal als eines von zwei weiteren Teams dabei waren. Nun war Mexiko bei dieser WM in Katar bereits in der Vorrunde ausgeschieden, während die US-Boys eine Runde weiter waren.

Die Australier dagegen hatten das entscheidende Spiel in der Vergangenheit meist vor der WM, denn sie spielten früher im ozeanischen Fußballverband OFC. Wer hier die Quali mit Neuseeland und diversen Pazifiknationen gewann, musste in die Relegation gegen ein Team aus Südamerika oder Afrika – und zog meist den Kürzeren.

2005 dann hatten die „Aussies“ genug vom frühen Ausscheiden und beantragten bei der FIFA in den asiatischen Verband AFC zu wechseln. Der Weltverband stimmte dem zu und seitdem ist „Down under“ regelmäßig bei den Weltmeisterschaften dabei.

Niederlande – USA 3:1

Doch kommen wir zurück zu den US-Boys, der im Schnitt jüngsten Mannschaft des Turniers. Diese hatten in der Vorrunde zunächst gegen Wales ihrer Unerfahrenheit Tribut gezollt und noch den Ausgleich per Elfmeter kassiert. Dann folgte ein starkes 0:0 gegen die Engländer und schließlich ein dramatisches 1:0 gegen den Iran.

Die Niederländer hatten ihrerseits in der Gruppe A vor allem durch ihre Effizienz geglänzt. Da merkte man die Handschrift des erfahrenen Trainers, „Tulpengeneral“ van Gaal. „Oranje“ siegte gegen den Senegal, spielte nur 1:1 gegen Ecuador und gewann dann wieder gegen Gastgeber Katar. Man mag sagen, dass ein gutes Pferd nur so gut springt, wie es muss, aber man kann genauso mit Fug und Recht behaupten, dass die Gruppe A wirklich die schwächste Vorrundengruppe war.

Nun also das Achtelfinale! Und da zeigten die Niederländer, dass sie gegen einen Gegner, der selbst mitspielen möchte, durchaus schönen Fußball spielen können. Die erste Möglichkeit gehörte aber den USA. Pulisic stand frei vor dem Kasten, doch Torhüter Noppert konnte seinen Flachschuss parieren (3. Minute).

In der 10. Minute schlug „Oranje“ zu. Der erste zu Ende gespielte Angriff der „Elftal“ brachte die Führung, denn Depay traf nach einem schönen Spielzug und der flachen Hereingabe von Dumfries in den Rückraum platziert ins linke Eck.

Die USA hatten in der Folge Mühe gegen das niederländische Bollwerk anzukommen. Nur Weah kam mit einem Distanzschuss überhaupt durch (43. Minute). In der Nachspielzeit erhöhten die Europäer derweil auf 2:0. Blind erzielte nach einer Hereingabe von Dumfries den Treffer mit dem rechten Fuß.

In der Folge hatten die Niederländer einige Chancen, weil die USA immer mehr öffneten, doch dann wurden die US-Boys für ihre Bemühungen belohnt. Den 1:2-Anschlusstreffer besorgte Wright, nachdem er ihn kurz zuvor noch aus spitzem Winkel verpasst hatte (75. Minute). Der eingewechselte Stürmer ließ eine flache Hereingabe über den Fuß rutschen, woraufhin der Ball in hohem Bogen und in seinem Rücken ins linke Eck flog.

Die USA waren nun drauf und dran den Ausgleich zu erzielen, doch das bessere Ende hatte der Gegner für sich. Dumfries krönte seinen starken Auftritt und traf nach zwei Vorlagen nun selbst nach Blinds Flanke zum entscheidenden 3:1 (81. Minute).

Fazit: Die US-Boys werden bei der WM 2026, die im eigenen Land sowie in Kanada und Mexiko stattfindet, ein gewichtiges Wörtchen mitreden, denn dann wird zum schon vorhandenen Talent auch mehr Erfahrung dazugekommen sein. „Oranje“ hingegen bekommt es im Achtelfinale nun mit einer Großmacht des Fußballs zu tun.

Argentinien – Australien 2:1

Gemeint ist damit natürlich Argentinien! Die „Albiceleste“ ist sowas wie die „Turniermannschaft“ dieser WM – ein Prädikat, das früher uns Deutschen vorbehalten war. Erst verlor sie völlig überraschend und unnötig gegen effiziente Saudis mit 1:2, dann befreite sie sich mit 2:0 gegen Mexiko, um anschließend Polen mit 2:0 keine Chance zu lassen.

Die Australier schafften es dagegen mit altbritischem Fußball und vor allem Disziplin ins Achtelfinale. War man anfangs gegen Weltmeister Frankreich ohne Chance (1:4), schlug man die leidenschaftlichen Tunesier im zweiten Match mit 1:0. Gegen Dänemark reichte dann ein ernstzunehmender Angriff, um mit 1:0 zu gewinnen. Ansonsten wurde konsequent verteidigt.

Dass Australien so spielt, ist auch jeder Menge Deutschland-Erfahrung zu verdanken. Mit Irvine hält der Kapitän des FC St. Pauli auf der Sechs den Laden dicht. Im Sturm sorgt mit Leckie ein Spieler für Unruhe, der zehn Jahre lang in Deutschland gekickt hat. Darüber hinaus verdienen viele „Aussies“ ihr Geld auf der Insel, so z.B. Abwehrspieler Behich, der beim schottischen Traditionsclub Dundee United kickt.

Gegen die abgezockten Argentinier sahen die Australier aber schnell wie die sicheren Verlierer aus. Zwar verteidigten sie leidenschaftlich, aber wirkliche Entlastung gelang nie. So brach Messi schließlich in der 35. Minute den Bann. Aus 15 Metern zog „La Pulga“ ab, nachdem er für einen Moment mehr Raum als gewohnt hatte. Dies war Messis neunter WM-Treffer, durch den er an der verstorbenen Legende Maradona vorbeizog.

Nach der Pause mussten die „Aussies“ den Anstrengungen des ständigen Verteidigens Tribut zollen. Argentiniens De Paul setzte Verteidiger Rowles unter Druck, der dann mit einem schwachen Rückpass Ryan in Not brachte. Der Keeper ging ins Dribbling statt das Leder einfach aus der Gefahrenzone zu pöhlen. De Paul rannte durch und erzwang den Ballverlust, Alvarez übernahm und erhöhte auf 2:0 (57. Minute).

Das war allerdings nicht die Vorentscheidung, denn Fernandez fälschte in der 77. Minute den satten Schuss des eingewechselten Goodwin unglücklich zum 1:2 ins eigene Tor. Nun bekam der Favorit das große Nervenflattern.

Australiens Verteidiger Behich tankte sich in Messi-Manier durch die Hintermannschaft der „Albiceleste“, scheiterte aber an der Grätsche des argentinischen Abwehrspielers Lionel Martinez (81. Minute). In der Nachspielzeit dann zeigte der argentinische Keeper Emiliano Martinez eine Glanzparade gegen den eingewechselten erst 18-jährigen Kuol. Im Endeffekt verdankten die „Gauchos“ also ihrer „Martinez-Quote“ auf dem Rasen das Weiterkommen nach 90 Minuten.

Fazit: Die wackeren Australier haben bei dieser WM viel Spaß gemacht, weil sie mit viel Herz gespielt haben, fahren aber jetzt nach Hause. Die „wiedergeborenen“ Argentinier müssen im Viertelfinale gegen die effizienten Niederländer allerdings eine Schippe drauflegen, um weiterzukommen.

© Tom Meyer
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