Xhakas Trikotaktion: Viel Wirbel bei Schweiz gegen Serbien

Granit Xhaka steht auch bei der Neuauflage des brisanten WM-Duells im Fokus. Der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln bejubelt den Achtelfinal-Einzug gegen Serbien in einem speziellen Trikot.
Der Schweizer Kapitän Granit Xhaka im Gespräch mit der Presse. © Laurent Gillieron/KEYSTONE/dpa

Eine Geste, die wie eine politische Botschaft wirkt, aber nicht wie eine politische Botschaft aussieht: So eine Idee wie die des Schweizer Nationalspielers Granit Xhaka vom FC Arsenal hätten andere europäische Teams bei der Fußball-WM in Katar vermutlich auch gern gehabt.

Bei ihnen ging es tagelang um den Umgang mit der «One Love»-Kapitänsbinde, die sie am Ende doch nicht trugen. Xhaka dagegen hat das Reizthema Kosovo, Serbien und Schweizer Nationalspieler mit kosovarischen Wurzeln noch einmal angeheizt: Auch mit einer obszönen Geste, aber vor allem mit einer Trikotaktion, die wegen ihrer Doppeldeutigkeit wohl auch nicht vom Weltverband FIFA bestraft werden kann.

Granit Xhakas Trikotaktion

Was war passiert? Mit einem 3:2-Sieg im letzten Gruppenspiel warfen die Schweizer die Serben im Stadion 974 von Doha aus dem Turnier. Dieses Duell ist spätestens seit der WM 2018 erheblich vorbelastet, als Xhaka und sein im Kosovo geborener Teamkollege Xherdan Shaqiri ihre Tore zum Schweizer 2:1 im Vorrundenspiel gegen die Serben mit einer Doppeladler-Geste feierten. Auch die ist ein Symbol der Abgrenzung des Kosovo von Serbien. 

Nach dem Spiel in Katar am Freitagabend zog der frühere Gladbacher Bundesliga-Profi Xhaka noch auf dem Rasen das Trikot seines jungen Teamkollegen Ardon Jashari über. Und zwar so herum, dass der Name vorne auf der Brust zu lesen war.

Der 20-Jährige vom FC Luzern gehört in Katar zum Aufgebot der Schweizer, kam in den drei Vorrunden-Spielen jedoch nicht zum Einsatz. Jashari ist aber auch der Name eines Unabhängigkeitskämpfers, der als Mitbegründer der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK und als Symbolfigur des militärischen Widerstands gegen die Serben gilt. Bei einer Operation serbischer Polizisten und Spezialkräfte kamen Adem Jashari und ein Großteil seiner Familie 1998 ums Leben.

Auf das Trikot angesprochen, beteuerte Xhaka bei der Pressekonferenz nach dem Spiel: «Das hat definitiv keinen politischen Hintergrund.» Jashari sei ein junger Spieler, mit dem er jeden Tag zusammen trainiere und mit dem er sich sehr gut verstehe. «Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass ich sein Trikot anziehe, wenn ich ein Tor schieße oder wir gewinnen.»

Wieder einmal mehr als nur Sport

In Serbien und im Kosovo kam die Geste jedoch ganz anders an: Als «kluger Weg», um sich zur Unabhängigkeit des Kosovo zu bekennen, ohne dafür eine Strafe der FIFA zu riskieren, wie die serbische Zeitung «Mondo» schrieb. Und sie kommentierte weiter: «Das Spiel Schweiz - Serbien wurde wieder einmal zu mehr als nur Sport.»

Das begann schon damit, dass Xhaka und Shaqiri beim Verlesen der Mannschaftsaufstellungen von den serbischen Fans ausgepfiffen wurden. Shaqiri feierte sein Tor zum 1:0 dann, indem er sich den Finger auf die Lippen hielt. Nach dem zwischenzeitlichen 2:1 für die Serben brüllte ihr Trainer Dragan Stojkovic eine unflätige Beleidigung heraus. Als Xhaka in der zweiten Halbzeit mit der serbischen Bank aneinander geriet, griff er sich in den Schritt und kann nun - wenn überhaupt - nachträglich wohl nur noch für diese Szene belangt werden. 

Hintergrund dieses emotional so aufgeladenen Themas ist der Kosovo-Konflikt, in den Xhaka und Shaqiri deshalb involviert sind, weil ihre Familien aus der mehrheitlich von Albanern bewohnten ehemaligen serbischen Provinz stammen. Seit 2008 ist das Kosovo eine eigenständige Republik, dessen Unabhängigkeit auch das Ergebnis eines blutigen Krieges in den Jahren 1998 und 1999 war. Serbien betrachtet sie aber immer noch als Teil ihres Territoriums.

Trotz dieser Vorgeschichte und der diversen Auseinandersetzungen und Ausraster auf dem Rasen blieb die Partie über weite Strecken gesehen sogar fair. «Dass ein paar Emotionen hochkommen würden, war klar», sagte der Schweizer Stürmer Breel Embolo. «Aber wenn man sich danach fair die Hand gibt, ist es kein Problem. Und das ist der Fall gewesen nach dem Spiel.»

© dpa ⁄ Sebastian Stiekel, Christoph Lother und Jan Kuhlmann, dpa
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