«German Stammtisch» zittert - Etwas Heimat mit echtem Bier

Ein deutsches WM-Tor bejubeln und dabei Bier trinken - in Katar bislang ein seltenes Erlebnis. Der «German Speaking Stammtisch» in der Hauptstadt Doha zitterte am Sonntag vor zwei Großleinwänden mit der deutschen Elf im Spiel gegen Spanien, während auf der Terrasse eines Luxushotels Alkohol ausgeschenkt wurde.
Der «German Speaking Stammtisch» ist eine langjährige Einrichtung. © Jan Kuhlmann/dpa

In deutschen Trikots und mit schwarz-rot-goldenen Schals oder mit deutscher Fahne auf dem Rücken feuerten einige Dutzend Fans die Elf aus der Heimat an - gemeinsames Singen der Hymne inklusive.

Der Stammtisch ist eine langjährige Einrichtung und trifft sich einmal im Monat in wechselnden Hotels. «Das ist ganz, ganz wichtig für die Community, dass man was hat, wo man sich austauschen und Freundschaften schließen kann», sagt Eva Wallbruch, die seit 17 Jahren in Katar lebt und seit zehn Jahren den Stammtisch organisiert. Das sei auch ein bisschen Heimat. Gepflegt mit deutscher Küche wie Kartoffelsalat oder Kartoffelbrei. Auch Weihnachten, Ostern oder das Oktoberfest werden nach deutscher Art gefeiert. 

Skeptisch sehen Wallbruch und andere in Katar lebende Deutsche die scharfe Kritik in der Heimat am WM-Gastgeber. «Die Diskussionen sind größtenteils unfair und nicht differenziert», sagt Henning Zimmermann, Vorsitzender des German Business Council Qatar. Es sei nicht alles Gold, was in Katar glänze. «Aber es hat sich viel verändert, was keiner sehen will.» Als Beispiel nennt er das Kafala-System. Dieses bindet Ausländer an einen lokalen Sponsor und kann Ausbeutung Tür und Tor öffnen. «Was hier passiert ist, ist zehnmal mehr als in anderen Golfländern wie Saudi-Arabien oder den Emirate», sagt Zimmermann.

Eva Wallbruch hätte sich gewünscht, dass die seit langem im Emirat lebenden Deutschen gefragt worden wären, um sich ein Bild über das Leben in dem Golfstaat zu machen. Was ihr in Katar am besten gefällt? «Die Offenheit, die Positivität und die unglaubliche Gastfreundschaft», erzählt die 44-Jährige, die für ein katarisches Unternehmen arbeitet. «Die Negativität in Deutschland kann ich nicht nachvollziehen und nicht verstehen.» 

Nach mehr als 90 Minuten Zittern mit der deutschen Elf beim packenden 1:1 (0:0) war die gebürtige Berlinerin K.o. «Ich kann nicht mehr», flüstert sie mit leicht heiserer Stimme. Für das entscheidende Spiel gegen Costa Rica im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale am kommenden Donnerstag organisiert sie keinen Stammtisch. Dann geht sie ins Stadion.

© dpa
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