Was Fans auf der WM-Reise nach Katar erwartet

Deutsche Fans haben für die WM in Katar deutlich weniger Tickets gekauft als bei den vorherigen Turnieren. Die Umstände der Reisen und die strikten Regeln im WM-Land machen Fanvertretern Sorgen.
Deutschland-Fans in der Allianz Arena in München. 7000 bis 9000 deutsche Fans werden in Katar erwartet. © Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Schon lange nicht mehr war die Vorfreude unter deutschen Fußballfans auf eine Weltmeisterschaft so gering wie diesmal.

Ablehnung, Boykottaufrufe oder schlichtes Desinteresse am wohl umstrittensten Turnier der WM-Geschichte prägen die Debatten unter den Anhängern. Doch die Stadien in Katar werden wohl meist voll sein, auch bei den Spielen der deutschen Mannschaft. «Aber ob die Rahmenbedingungen insgesamt passen, dass sich eine Atmosphäre entwickelt, die eine WM eigentlich ausmachen sollte, ist fraglich», sagte Philipp Beitzel, einer der Leiter der deutschen Fanbotschaft in Doha, der Deutschen Presse-Agentur.

Wie viele deutsche Fans machen sich auf den Weg nach Katar?

Fanvertreter gehen davon aus, dass 7000 bis 9000 Fans aus Deutschland zum Turnier reisen werden, die meist mehrere Spiele besuchen. Insgesamt sind laut Weltverband FIFA 35.000 Eintrittskarten nach Deutschland verkauft worden. Das sind deutlich weniger als für das Turnier in Russland 2018, als rund 62.000 Tickets nach Deutschland gingen. Für die WM in Brasilien 2014 wurden mehr als 58.000 Karten in Deutschland abgesetzt. Der vom Deutschen Fußball-Bund organisierte «Fan Club Nationalmannschaft» teilte mit: «Wir hätten uns für unsere Mitglieder und alle Fans der Nationalmannschaft eine andere Lösung als eine Weltmeisterschaft in Katar gewünscht.»

Gibt es noch Tickets für WM-Spiele?

Knapp 2,9 Millionen Karten für die 64 Partien seien verkauft worden, teilten die Organisatoren Mitte Oktober mit. Damit seien noch rund sieben Prozent der Zuschauerplätze verfügbar, hieß es. Derzeit läuft die Last-Minute-Verkaufsphase, die bis zum Ende des Turniers geöffnet ist. Nach Angaben der FIFA werden die Karten «nach dem Prinzip «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» vergeben».

Was ist bei der Anreise zu beachten?

Die Einreise nach Katar ist für Ausländer in der WM-Zeit nur mit der sogenannten Hayya-Card möglich. Diese «Fan-ID» gibt es nur für Inhaber von WM-Tickets. Gegen eine Gebühr von jeweils 140 Euro können Fans mit einer Hayya-Card dann noch bis zu drei weitere Personen registrieren, die später nach Katar nachreisen können. Die Hayya-Card muss beim Stadionbesuch zusammen mit dem Ticket vorgezeigt werden. Datenschützer sehen die Smartphone-App allerdings kritisch und raten, möglichst ein Zweithandy dafür zu nutzen.

Welche Anlaufstellen gibt es für deutsche Fans bei der WM?

Rund um jedes WM-Spiel der deutschen Mannschaft bietet die vom DFB getragene Fanbotschaft ihre Dienste an. «Wir werden dort möglichst viele Hilfestellungen geben», sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf dem SWR. Auch im Stadion werde es jeweils Ansprechpartner für deutsche Fans geben. Das WM-Camp des «Fan Clubs Nationalmannschaft» ist indes in Dubai. Eine Unterkunft in Katar sei aus organisatorischen Gründen nicht umsetzbar gewesen, hieß es. Wegen der damit nötigen Shuttle-Flüge von Fans nach Doha gab es bereits Kritik. Der DFB betonte, dass «durch unsere Fans keine zusätzlichen Flüge gechartert werden müssen, sondern wir uns mit unserer Gruppe auf die bereits vorhandenen Flug-Angebote aufteilen.»

Warum übernachten viele Fans nicht im WM-Land?

Katar rechnet mit 1,2 Millionen internationalen Gästen in der WM-Zeit. Im kleinen Emirat reichen die Hotelkapazitäten dafür nicht, die Zimmerpreise schossen oft enorm in die Höhe. Hotelschiffe oder Zeltlager schaffen nur teils Abhilfe und sind auch nicht wirklich günstig. Daher weichen Fans in umliegende Länder wie Dubai, Bahrain oder den Oman aus.

Welche Verhaltensregeln gelten für Fans bei der WM?

Katar ist ein konservatives Land mit einem durch islamische Moralvorstellungen geprägten Recht. Trotz aller Zusicherungen der Turnier-Gastgeber sagt der deutsche Fanvertreter Philipp Beitzel: «Es gibt eine gewisse Unsicherheit, weil man nicht weiß, wie dann die gelebte Praxis vor Ort sein wird.» Bei der Kleidung rät das Auswärtige Amt zu einer gewissen Zurückhaltung. Küssen in der Öffentlichkeit ist nicht gern gesehen. Der Ausschank von Alkohol ist stark eingeschränkt, aus dem Ausland mitgebracht werden darf er nicht. Für stark angetrunkene Fans soll es angeblich eigene Zonen zur Ausnüchterung geben. Trunkenheit in der Öffentlichkeit ist in Katar verboten.

Wie riskant ist eine WM-Reise für queere Fans?

Zuletzt sorgten die Aussagen eines katarischen WM-Botschafters, Schwulsein sei ein «geistiger Schaden», für großen Wirbel. In Katar ist Homosexualität laut Gesetz verboten. Die Gastgeber und die FIFA versicherten mehrfach, während der WM seien alle Fans willkommen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) brachte von ihrem jüngsten Besuch aus Katar eigenen Angaben zufolge eine «Sicherheitsgarantie» des Premierministers mit, dass sich alle Fans während des Turniers frei und ohne Angst bewegen könnten. Menschenrechtsorganisationen und das Netzwerk der schwul-lesbischen Fanclubs raten dennoch homosexuellen Fans von einer Reise nach Katar ab.

Was hat es mit den vom WM-Gastgeber organisierten Fans auf sich?

Das Organisationskomitee bezahlt Medien zufolge ausgewählten Fans Reisen zum Turnier, damit sie dort und in den sozialen Netzwerken für gute Stimmung sorgen. Flüge, Unterkünfte und ein Taschengeld sind demnach für Teilnehmer des «Fan Leader Network» inklusive. Auch deutsche Fans sind darunter, wie der DFB der «Sportschau» bestätigte. Unterstützt werden diese Aktivitäten vom Verband demnach nicht. Zudem sorgten zuletzt Videos im Netz für Aufsehen, die fröhliche Menschen in Trikots verschiedener Nationalteams angeblich beim Zug durch Doha zeigen. Einige Beobachter kritisierten die Bilder als plump inszenierten Versuch, den Anschein großer Vorfreude unter Fans in Katar vor der WM zu erwecken. Das Organisationskomitee wies das auf dpa-Anfrage zurück. «Katar und der Rest der Welt bestehen aus einer Vielzahl von Fußballfans, von denen viele emotionale Verbindungen zu mehreren Nationen haben», hieß es. Die Kritik sei «sowohl enttäuschend als auch nicht überraschend».

© dpa
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