Wenger-Spitze gegen DFB sorgt für Widerspruch: «Schwachsinn»

War das ein Nachtreten? Eine Aussage von FIFA-Funktionär Arsène Wenger klingt wie Kritik am DFB wegen der «One Love»-Kapitänsbinde. Zwei Ex-Weltmeister widersprechen dem Trainerveteran.
Arsène Wenger, Chef der Technischen Studiengruppe des Fußball-Weltverbandes. © Nick Potts/PA Wire/dpa

Mit einer ganz offenbar gegen die deutsche Mannschaft gerichteten Spitze hat FIFA-Berater Arsène Wenger für Wirbel gesorgt. Der Chef der Technischen Studiengruppe des Fußball-Weltverbandes sagte am Sonntag, bei der WM in Katar seien die Teams schon zum Auftakt erfolgreich gewesen, die «nicht auf politische Demonstrationen fokussiert» gewesen wären.

Damit spielte der langjährige Trainer des FC Arsenal offenkundig auf die Aufregung bei der DFB-Auswahl um die «One Love»-Kapitänsbinde und die Hand-vorm-Mund-Geste vor der 1:2-Startpleite gegen Japan an. 

Ex-Weltmeister Christoph Kramer widersprach Wengers These im ZDF energisch. «Die Aussage ist komplett sinnlos, ganz, ganz großer Schwachsinn», sagte der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach. Diese Ansicht könne auch nicht wirklich Wengers Überzeugung sein. «Dafür war er viel zu lange einer der besten Trainer der Welt», sagte Kramer.

Auch der frühere Nationalspieler Per Mertesacker sah die Rolle des Franzosen beim Weltverband FIFA als Auslöser für die Äußerung des 73-Jährigen. Dass die deutsche Mannschaft ausgeschieden sei, nutze Wenger nun wohl für eine Stellungnahme pro FIFA, «um uns noch eins auszuwischen», sagte Mertesacker. 

Vor dem ersten WM-Spiel der Nationalmannschaft hatte die FIFA dem DFB und sechs anderen europäischen Verbänden das Tragen der «One Love»-Kapitänsbinde untersagt. Die Binde soll für Vielfalt und Meinungsfreiheit stehen. Der Deutsche Fußball-Bund hatte das FIFA-Verbot scharf kritisiert. Die Diskussion überschattete den WM-Auftakt des Teams von Bundestrainer Hansi Flick. Vor dem Anpfiff gegen Japan hielten sich die Nationalspieler zum Zeichen des Protests die Hand vor den Mund.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte schon kurz nach dem Vorrunden-Aus der Mannschaft bestritten, dass die Debatte um die Binde eine Ursache war. «Aber glauben Sie wirklich, dass nach drei Spielen, die auf dem Platz stattgefunden haben, dass diese "One Love"-Binde eine so große Rolle gespielt hat», sagte Bierhoff in der ARD. Das Thema werde in der sportlichen Analyse des Scheiterns keine Rolle spielen, auch wenn «die Sache nicht so gelaufen ist».

© dpa
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