Krise bei den Belgiern: «Verstehe die Kritik an der Taktik»

Belgien präsentiert sich bei der WM bislang nicht als Team. Das ist auch nach der ersten Vorrunden-Niederlage seit 1994 zu spüren. Die Kritik aus der Heimat fokussiert sich vor allem auf einen Star.
Axel Witsel (r) und Dries Mertens die Köpfe hängen: Belgien verliert das Spiel gegen Marokko. © Manu Fernandez/AP/dpa

Im belgischen Fußballteam ist die Stimmung nach der ersten WM-Vorrundenniederlage seit fast 30 Jahren nahezu auf dem Tiefpunkt angelangt. Die Spieler des WM-Dritten von 2018 reagierten mit gegenseitigen Vorwürfen auf das drohende Vorrunden-Aus, das es zuletzt 1998 in Frankreich gegeben hatte.

Die heimischen Medien sind erschüttert ob der bisherigen Auftritte der Rode Duivels in Katar. Die Kritik fokussiert sich insbesondere auf Top-Star Kevin De Bruyne von Manchester City. «Was ist bloß los mit De Bruyne», titelte «Het Nieuwsblad» nach dem bitteren 0:2 (0:0) am Sonntag gegen Außenseiter Marokko. Zuletzt hatte Belgien 1994 in den USA ein Vorrundenspiel verloren, damals gegen Saudi-Arabien (0:1).

«Jetzt sind wir zu alt»

Belgien kann zwar noch aus eigener Kraft das drohenden Vorrunden-Aus abwenden, muss dafür aber am Donnerstag gegen Vize-Weltmeister Kroatien gewinnen. «Es wird jetzt schwierig, sich zu qualifizieren», gestand selbst Kapitän Eden Hazard.

Der Glaube ans Achtelfinale scheint selbst bei den in die Jahre gekommenen Führungsspielern nicht allzu groß zu sein. De Bruyne hatte schon vor dem Turnier kaum Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM. «Unsere Chance war 2018. Jetzt sind wir zu alt», hatte der 31-Jährige der englischen Zeitung «The Guardian» offen gesagt.

Auch in Katar spricht De Bruyne ehrlich und schonungslos aus, dass seine Mitspieler im Nationalteam eben nicht mehr das Niveau seiner Teamkameraden bei Manchester City hätten. Kritik an Nationaltrainer Roberto Martínez klang nun ebenfalls durch: «Ich verstehe die Kritik an der Taktik, aber daran kann man als Spieler nichts ändern.»

Dass es innerhalb der Mannschaft nicht mehr stimmt, ist sowohl auf dem Spielfeld an den vielen Einzelaktionen als auch an den Äußerungen nach den Partien zu spüren. «Unsere Verteidiger sind nicht die schnellsten Verteidiger der Welt, aber das wissen sie selbst», sagte Eden Hazard und Welt-Torhüter Thibaut Courtois von Real Madrid wies jegliche Schuld am ersten Gegentor gegen Marokko per direktem Freistoß aufs kurze Eck von sich. «Wir begehen ein Foul, das wir nicht begehen sollten. Völlig unnötig», schimpfte Courtois in Richtung von Borussia Dortmunds Thomas Meunier, der am Sonntag schlechtester Belgier war.

© dpa
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